Ausgabe 1 / August 2000

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Die Linde in der Kirchengemeinde Molpertshaus

 Großer Bahnhof und zugezogene Vorhänge in Rossberg

 Der große Molpertshauser Brand am 7. Juli 1873

Pfarrer Karl Breitenbachs Klage über die Molpertshauser

Familien in Mennisweiler

König Wilhelm II in Molpertshaus und die Gründung des "Luftibus"-Vereins

Wahrscheinlich wäre Pfarrer Adolf Heinzmann heute Präses des MCM

Mennisweiler kann in zwei Jahren sein 850-jähriges Jubiläum feiern

Berufsvielfalt Mitte des 19. Jahrhunderts

Spuren von Bertolt Brecht führen nach Rossberg

Als in Mennisweiler noch die Dampflok Station machte

Landtag entschied sich für die Linie Wolfegg – Kißlegg

Aus der Beschreibung des Oberamts Waldsee

Adel in Molpertshaus und Mennisweiler

Kirchenpatrone der Molpertshauser Pfarrkirche

 

 

 

MOLPERTSHAUS / MENNISWEILER – Auf einem der schönsten Kirchplätze im Oberland wird heuer das zweite Lindenfest des Musikvereins Molpertshaus gefeiert. Mit dem Lindenfest griff der Musikverein eine Tradition der Landjugendgruppe Molpertshaus auf, die allerdings vor etwa 20 Jahren unterbrochen wurde.

Linde in Molpertshaus

Der Kirchplatz in Molpertshaus zeichnet sich durch das außergewöhnliche Ensemble von Pfarrhaus und Ökonomiegebäude (erbaut in den Jahren 1765 bis 1767) und ehemaligem Schulhaus (erbaut 1884) aus. Beherrschend für den Platz stellt sich die Molpertshauser Dorflinde dar. Diese wurde wohl zur Einweihung des Pfarrhauses gepflanzt und würde so im Jahr 2000 233 Jahre alt. Neueste Messungen haben ergeben, dass die Molpertshauser Linde mittlerweile einen Stammumfang von 5 Meter und 10 Zentimeter in einer Höhe von 1 Meter über dem Erdboden hat. Damit ist ihr Umfang etwa zwei Meter weniger als der einer der ältesten Linden im Landkreis Ravensburg überhaupt. Die Mennisweiler Hoflinde (Hof Erwin Graf) ist wohl nach dem Dreißigjährigen Krieg als "Friedenslinde" gepflanzt worden (also vermutlich im Jahre 1648) und somit mehr als 350 Jahre alt. Die Linde weist einen Stammumfang von 7 Metern, ebenfalls in einem Meter über dem Erdboden gemessen auf. Beide Sommerlinden sind als Naturdenkmäler ausgewiesen. Die Molpertshauser Linde hat das Prädikat Naturdenkmal schon am 22. Januar 1958 unter der Nummer 32/4, die Mennisweiler Linde hat am 19. Februar 1963 unter der Nummer 19/1 erhalten. Der Zustand der Linden gilt als gut, wenngleich immer wieder Sanierungen vorgenommen werden mussten, so etwa in den Jahren 1986, 1991 und 1995 an der Molpertshauser Linde.

Großer Bahnhof und zugezogene Vorhänge in Rossberg

ROSSBERG – Noch heute glänzen die Augen derer, die vom Besuch der englischen Königin Elisabeth II in Rossberg berichten. Leider entging der Queen vor 35 Jahren allerdings der herrliche Anblick der Landschaft um Rossberg, weil sie die Vorhänge des Zugabteils zugezogen hatte. Wie die Recherchen des Molpertshauser Lindenblatts ergeben haben, muss die Queen mit ihrem Gatten Prinz Philip, Herzog von Edinburgh auf dem Weg von München nach Salem gewesen sein, als sie durch Rossberg fuhr. So viele Menschen wie die 2

Kirchengemeinde Molpertshaus überhaupt aufbringen konnte, wollten der Queen seinerzeit zujubeln und schwenkten Fähnchen und riefen wahrscheinlich nicht ganz akzentfrei „God save the Queen". Der Besuch der Königin in Deutschland war im Mai 1965. Wie mittlerweile von Alfons Thoma berichtet wurde, ist Königin Elisabeth II wohl am 22. Mai durch Rossberg gefahren. Sie hat – von München kommend – in Leutkirch im Allgäu übernachtet und fuhr dann Richtung Waldsee weiter. Auf Schloss Salem verweilte sie am 22. und 23. Mai. Am 21. Mai war sie in München, am 24. in Stuttgart. Zweck des Besuchs der Königin in Deutschland war die Verbesserung des Verhältnisses zwischen England und Deutschland. Der damals 39jährigen winkte im Übrigen auch ihr „Jahrgänger" Josef Welte zu. Seine eigentliche Absicht, die englische Königin als "special guest" zum 40-er-Jahrgängertreffen nach Molpertshaus einzuladen, schlug allerdings fehl, weil sie eben die Vorhänge zugezogen hatte.

Foto: http://www.teachersparadise.com/ency/de/media/c/ce/elizabeth_ii.jpg, August 2010

Der große Molpertshauser Brand am 7. Juli 1873

MOLPERTSHAUS – Es war am 7. Juli des Jahres 1873 als – so berichtet die Chronik – etwa die Hälfte von Molpertshaus von einem fürchterlichen Brand zerstört wurde. Insgesamt haben seinerzeit neun Höfe und vier Nebengebäude gebrannt. Drei Gebäude wurden zum Teil stark beschädigt. Außer den beiden Wirtschaften blieben nur wenige weitere Häuser verschont. Es war, so ist in der Chronik nachzulesen, ein denkbar heißer Tag, als das Feuer vom Wirtshausstadel beim oberen Wirt aus unbekannter Ursache ausbrach und sich rasch verbreitete. Offensichtlich reichte geringer Wind aus, um die vornehmlich strohgedeckten Dächer in Brand zu setzen. Die Molpertshauser waren zum großen Teil bei der Heuernte auf den Feldern. Als sie Rauch und Feuer sahen, eilten sie ins Dorf, wo sie "wehklagend und atemlos" das Unglück im ganzen Ausmaß sahen. Herbeigeeilte Löschmannschaften konnten noch drei Häuser und die zwei Wirtschaften retten. auch die Kirche blieb verschont. Glücklicherweise kam niemand bei dem Brand ums Leben. Vieh musste man allerdings verbrennen lassen.

In der Folgezeit herrschte unheimlich große Not im Ort, obgleich sofort wieder mit dem Wiederaufbau begonnen wurde, bei dem zahlreiche Häuser und Ökonomiegebäude an einem neuen Platz erbaut wurden.

Pfarrer Karl Breitenbachs Klage über die Molpertshauser

MOLPERTSHAUS – Von 1864 bis 1875 war Pfarrer Karl Breitenbach in Molpertshaus. Offensichtlich war dieser nicht ganz so einverstanden mit der Lebensart seiner "Schäfchen". Jedenfalls finden sich in der Chronik wiederholt Klagen des Pfarrers über Männer und Frauen aus Molpertshaus. Etwas ernüchtert vermerkt er in der Chronik zum Ende seiner Amtszeit in Molpertshaus: "So habe ich weder bei jung noch alt etwas erreicht". Einige Auszüge aus der Chronik über die Klagen des Pfarrers seien angemerkt. So steht da zum Beispiel: "Im Adler und zum Teil auch auf dem Hirsch saufen gewisse Bürger meistens die ganze Nacht hindurch. Solche Wirtschafts- besuchersünden können keinen Segen bringen". Im Jahre 1865, also schon ein Jahr nachdem er in Molpertshaus "aufgezogen" war, schreibt er: "Es heißt überall, der Bauer habe kein Geld. Doch läßt sich weder im Wirtshaus noch im Anzug Geldmangel vermindern. Getrunken wird in dieser Gegen gewaltig viel." Im Jahre 1870 stellt er dar, was er von den Frauen im Ort hielt. Da heißt es dann: "Zur Schulgemeinderatswahl: Die Greise gehören ins Ratszimmer, die Jungen hinter den Pflug und die Weiber gehören nach Haus. Die Weiber von Molpertshaus wollen hiervon gar nichts wissen. Sie sind am liebsten in anderen Häusern und es ist ein wahres Klatschbuereau (?unleserlich) aller bösen Weibersleut und das gibt's mehr als fromme. Klatschsucht ist hier groß. Da gibt's kaum ein einziges frommes Weibsbild.

Schließlich stellt er, nachdem auf dem Weg nach Mennisweiler ein gewisser "Neyer" im Jahre 1873, schon nach dem fürchterlichen Brand, eine weitere Wirtschaft aufmachte, fest: "Acht Wirtschaften in der Pfarrgemeinde sind zu viel für 500 Seelen."

Nachdem praktisch keine Familie, die jetzt in Molpertshaus lebt, zu Zeiten des Pfarrers Breitenbach schon hier ansässig war, nimmt es kein Wunder, dass es heute viel, viel besser 3

ist. In unserer Zeit hätte der Pfarrer wohl kaum mehr Grund zur Klage oder zumindest weniger oft...

Familien in Mennisweiler

Die Familie Vöhr (heute Fehr geschrieben) ist schon seit 1672 in Mennisweiler

- auch in anderen Teilorten sind manche Familien schon lange Zeit zu Hause

KIRCHENGEMEINDE MOLPERTSHAUS – Es wird wohl einige Stunden oder Tage gekostet haben bis Dorfchronist Rudolf Schuhmacher erkundet hatte, wer denn am längsten in der Kirchengemeinde und deren Teilorten ansässig ist. Soviel ist sicher. Wenn man den Zeitraum von etwa 100 Jahren betrachtet, dann sind mindestens Dreiviertel der jetzt "Einheimischen" auch irgendwann mal "zu'groist".

Der Stammbaum der Familie Fehr aus Mennisweiler lässt sich lückenlos am weitesten in die Vergangenheit zurückführen. So wird schon 1672 von einem gewissen Baltus Vöhr berichtet. Die Schreibweise des Namens variierte immer wieder. Heute schreiben sich die ehemaligen Vöhrs Fehr. In Mennisweiler war es dann wohl die Familie Ruf, die auf die zweit längste Familientradition zurückblicken kann. Als erste Hochzeit eines Mennisweiler Bürgers in der Molpertshauser Pfarrkirche wird aus dem Jahre 1775 die Heirat von Anton Ruf, gebürtig aus Starkenhofen, berichtet, der eine gewisse Kreszentia Fender aus Reute ehelichte. 1831 kam dann der erste Vorfahr mit dem Namen Neyer nach Mennisweiler. Dieser Anton Neyer, vermutlich ein ehemaliger Hirtenjunge aus Lichtenstein, heiratete Anna Multer, wie in den Kirchenbüchern nachzulesen ist.

Ein Jahr später heiratete ein gewisser Anton Spähn aus Abetsweiler eine Elisabeth Vonblum aus Molpertshaus. Ein Nachfahr von Anton Spähn ist Alois Spehn, der heute in Rossberg lebt. Ein Fidel Schattmayer kam im Jahre 1807 nach Oberurbach. Im Jahre 1891 zog einer seiner Nachfahren nach Molpertshaus, sodass von den jetzt in Molpertshaus lebenden Bürgern wohl Schattmayers auf die längste Familientradition am Ort zurückblicken können.

Schon 1808 heiratete ein Joseph Nold aus Aresheim nach Oberurbach. Dessen Nachfahren zogen später nach Rossberg.

Schon aus dem Jahre 1528 wird berichtet, dass eine Familie Sonntag aus Oberurbach und Waldsee von Österreich mit einem Hof belehnt wurde. Diese Belehnung dauerte bis ins Jahr 1741. Der letzte Belehnte hieß mit Vornamen Johann Georg und wird mit Familiennamen "von Sonntag" geführt.

Der Familienname Sonntag taucht mehrmals in den Büchern auf. So etwa im Jahre 1809, als Josef Anton Sonntag von Wallenreute nach Binzen heiratete. Sein Enkel Alois heiratete 1896 auf den "Sporrerhof". Heutiger Nachfahr der Familie ist Erwin Sonntag.

Aus dem Jahre 1834 wird von einem Franz Xaver Schöllhorn von Humberg berichtet, der nach Oberurbach heiratete.

In Engetweiler sind es wohl Baumeisters mit der längsten Familientradition. Dorthin heiratete im Jahre 1820 ein Michael Baumeister aus Ammendingen.

König Wilhelm II in Molpertshaus und die Gründung des "Luftibus"-Vereins

MOLPERTSHAUS – Dass der letzte Württemberger König Wilhelm II einstmals in Molpertshaus weilte, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Nun konnte Rudolf Schuhmacher sogar das Datum und die genaue Uhrzeit ergründen, als der letzte württembergische König, der am 30. November 1918 auf die Krone verzichtete und den Titel eines Herzogs zu Württemberg annahm, mit Gefolge anläßlich eines Manövers des 49. Artillerie-Regiments vor Ort war. Am 18. September 1911 war er von 8 bis 10 Uhr beim Haus Lay. Per Zeugen ist zudem verbürgt, dass der Monarch seinerzeit "vom Gaul abgestiegen" ist und in "Laya Schopf" erst einmal einem nicht nur menschlichen, sondern gar königlichen Bedürfnis nachging. Die Tatsache, dass eben dieser Laya Schopf so quasi mit königlichem Nass geadelt wurde, war dem legendären "Luftibus"-Verein Grund genug, um dort im Jahre 1953 die offizielle Gründungsversammlung abzuhalten und erstmals die legendäre Luftibus-Hymne mit dem Titel „Meteor" zu intonieren. 4

Bei der Gründungsversammlung wurde, vorbereitet durch Luftibus-Geschäftsführer Robert Maucher, der erste Vorsitzende des Vereins, Roman Geiger, heute in Enzisreute lebend, gewählt.

Foto: http://de.wikipedia.org, August 2010

Wahrscheinlich wäre Pfarrer Adolf Heinzmann heute Präses des MCM

KIRCHENGEMEINDE MOLPERTSHAUS – Dass Ende der 50er Jahre das Motorradfahren etwas an Bedeutung verloren hat, muss den damaligen Pfarrer Adolf Heinzmann offensichtlich schon getroffen haben. Aus dem Jahr 1958 stammt jedenfalls von ihm folgender Eintrag: "In der Pfarrgemeinde Molpertshaus sind nun 42 Autos angemeldet. Motorräder sind nicht mehr gefragt. Der Pfarrer kam 1950 mit einem Motorrad Zündapp 200 ccm und da sagte ein Mann in der Nachbarschaft: Was braucht auch ein Pfarrer ein Motorrad, reinster Luxus."

Pfarrer Heinzmann wurde am 20. Juli 1950 in Molpertshaus investiert. Wahrscheinlich kam der damals 50-Jährige wenige Tage zuvor aus seiner früheren Gemeinde Grünmettstetten (bei Horb) nach Molpertshaus. Schon bald war er nicht nur als Pfarrer, sondern auch als durchaus „rasanter" Motorradfahrer bekannt. Später sattelte allerdings auch Pfarrer Heinzmann auf einen VW-Käfer um. Molpertshaus wurde die letzte Pfarrstelle des in Böhmenkirch geborenen Seelsorgers. Hier blieb er bis zu seinem Tod am Altar in der Pfarrkirche am 9. November 1969.

Nach seiner Notiz aus dem Jahre 1958 kann man wohl annehmen, dass Pfarrer Heinzmann selbst ein begeisterter Motorradfahrer war. Wahrscheinlich wäre er dann auch heute Präses des MCM, des Motorradclubs Mennisweiler. Ob er allerdings auch so sehr davon angetan wäre, dass dieser MCM immer am Heilig-Abend nach der Christmette noch die Generalversammlung abhält, kann nur erahnt werden.

Mennisweiler kann in zwei Jahren sein 850-jähriges Jubiläum feiern

KIRCHENGEMEINDE MOLPERTSHAUS – In "Stadelhofers Geschichte", Band 1, wird für das Jahre 1152 ein "Menizvillare" erwähnt. Dabei handelt es sich wohl um die früheste Erwähnung von Mennisweiler. Aus einer Veröffentlichung des Stadtarchivs Bad Waldsee, Reihe B, Nr. 7 mit dem Titel "Das Bad Waldseer Orts-, Strassen- und Flurnamenlexikon wird die Jahreszahl 1219 als erste Zahl genannt. Die Entstehung des Ortsnamens führt in die zweite Ausbauphase (hohes Mittelalter) heißt es dort weiter. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Schreibweise des Ortsnamens immer wieder geändert. So hieß Mennisweiler unter anderem Menboltswilare, Maeniswiler, Menyschwiller oder auch mal Mennischweiler, wie es sich heute ja noch immer aussprachemäßig hält. Die Schreibweise Mennisweiler taucht erstmals 1695 auf, wurde später aber noch wiederholt geändert.

Auf eine schon fast 100-jährige Geschichte konnte das heutige Mennisweiler zurückblicken, als 1241 erstmals ein verstümmelter Name "M..l.brehtshusen" erscheint. Schon 1258 gibt es die adeligen Ortsherren von "Molbrechtshus", was dem heutigen Namen Molpertshaus ja schon sehr nahe kommt.

Das heutige Zwings wird im Jahre 1277 mit Ortsadel verbunden und erstmals unter dem Namen "Gezwigge" urkundlich erwähnt. Ab 1530 soll es eine "Truchsessische Zollstation" gewesen sein.

Berufsvielfalt Mitte des 19. Jahrhunderts

KIRCHENGEMEINDE MOLPERTSHAUS – Schon Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die Kirchengemeinde Molpertshaus 494 "Seelen". In der Chronik werden für verschiedene Jahre auch die Berufssparten angegeben. Ein Blick in die Berufsliste zeigt, dass sich mittlerweile doch einiges geändert hat, manche der damaligen Berufe gar als "ausgestorben" gelten können.

So wird im Jahre 1848 folgende Liste notiert: 5 Schuster mit 2 Gesellen, 4 Weber mit 2 Gesellen, 4 Maurer, darunter 1 Meister, 5 Bäckereien, 3 Zimmerleute, 2 Krämerläden, 3 Branntweinbrauereien, 2 Schildwirtschaften, 3 Bierschenken, 1 Bier- und Weinschenke, 1 Ziegler, 1 Sattler, 1 Wagner, 1 Schmied, 1 Seiler, 1 Rechenmacher, 1 Flaschner, 1 Bändelwirker, 3 Näherinnen mit 2 Gehilfinnen, 1 Müller. Die Bauern wurden bei der Aufzählung offensichtlich vergessen. Dass diese aber die Kirchengemeinde beherrschten, 5

lässt sich aus einem Eintrag aus dem Jahre 1853 erkennen, wo 25 "große Bauern" aufgeführt sind.

Wie Nachforschungen des Molpertshauser Lindenblatts ergeben haben, verdiente wohl auch ein Lorenz Neyer, der Urgroßvater von Rudolf Schuhmacher, und dessen Sohn, Alois Neyer ist, im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert noch als Wagner und Rechenmacher in Mennisweiler seinen Lebensunterhalt. Selbst der erst vor wenigen Jahren verstorbene Georg Neyer, „dr Wanger" hat noch selbst Rechen gefertigt. Die Tradition wird noch bis heute fortgeführt. Die Firma Landmaschinen Neyer, die auf den Bruder des oben genannten Wagners, Alois Neyer von Beruf Schmid zurückgeht, produziert zwar heute keine Rechen mehr, dafür gibt es aber dort sowohl Rasenmäher für den Hausgebrauch als auch große Zugmaschinen für den Landwirt.

Hefera, Mauserer, Leichensagerin

– Berufe, die es vor Zeiten gab und heute so nicht mehr zu finden sind.

KIRCHENGEMEINDE MOLPERTSHAUS – Vor Zeiten gab es auch in der Kirchengemeinde Molpertshaus noch zahlreiche Berufe, die heute nicht mehr bekannt sind (siehe dazu auch den vorstehenden Artikel). Neben verschiedenen Handwerksberufen, die mittlerweile nicht mehr ausgeübt werden, haben aber auch Frauen und Männer ein Zubrot durch ganz eigenwillige Berufe erworben. So gab es etwa in Engetweiler eine Frau, die Hefe verkauft hat, von Haus zu Haus zog, ihre Ware anbot und so etwas Geld oder auch Naturalien als Gegenleistung bekam. Von einem Mauser wird immer wieder am Stammtisch von Mennisweiler berichtet. Dieser kam zu den Bauern im Ort und bot sich als Mäusefänger an. Als Beweis für die von ihm auf den Feldern gefangenen Mäuse musste er deren Schwänze vorlegen, für die er dann entlohnt wurde. Teilweise brachte er auch die ganzen Mäuse als Beweis für seine „Mauserkünste" mit.

Vielen Mennisweilern ist noch bekannt, dass nach dem Krieg Martha Welte unter anderem als sogenannte „Leichasagera" etwas zum Lebensunterhalt dazuverdiente. Frau Welte, die zugleich Mesnerin im Kapelle war und drei Mal täglich zum Angelus läutete, ging seinerzeit von Haus zu Haus und berichtete, wenn jemand aus dem Ort verstarb und wenn für den oder die Verstorbene der Rosenkranz gebetet wurde. Für diese Nachricht erhielt sie dann ein paar Eier, etwas Mehl oder Butter oder was es sonst gerade gab.

Spuren von Bertolt Brecht führen nach Rossberg;

er selbst war aber wohl nie da...

ROSSBERG – Bertold Brecht gilt als bedeutendster deutschsprachiger Dramatiker und Theatertheoretiker des vergangenen Jahrhunderts. Leider wird in den Biographien des am 10. Februar 1898 in Augsburg geborenen Brecht nur wenig ausführlich darauf eingegangen, dass Brecht enge Verbindung zu dem Ort Rossberg in der Kirchengemeinde Molpertshaus hat. Es ist gesichert, dass die Mutter von Bertolt Brecht, Wilhelmine Friederike Sophie Brecht, geborene Brezing, am 8. September 1871 in Rossberg zur Welt kam. Deren Vater, Josef Friedrich Brezing aus Bürgers bei Neubulach war wohl bei der Eisenbahn als Königlich-Württembergischer Stationsmeister beschäftigt. Wann er nach Rossberg kam, konnte bisher noch nicht erforscht werden. Nachdem allerdings erstmals im Jahre 1870 ein Zug durch Rossberg fuhr, war er wohl frühestens zu diesem Zeitpunkt hierher gekommen. Im Jahre 1872 wurde er jedenfalls nach Schafhausen bei Leonberg versetzt.

Die jüngste Tochter des ehemaligen Roßberger Stationsvorstehers, besagte Sophie Brecht heiratete am 15. Mai 1897 Berthold Friedrich Brecht. Wahrscheinlich kam Klein-Bertolt Brecht dann einige Tage vor dem „rechnerischen" Geburtstermin zur Welt. Am 10. Februar 1898 wurde er jedenfalls in Augusburg geboren.

Nun schien es lange so, dass noch eine zweite Spur Bertolt Brechts nach Rossberg führe. Es wurde angenommen, dass nicht nur die Mutter von Bertolt Brecht in Rossberg geboren wurde, sondern dass er selbst auch einige Zeit seiner Kindheit in Rossberg lebte. Die erneute Verbindung Brechts zu Rossberg, so wurde vermutet, sei über Bertolt Brechts Vater entstanden. Dieser war seit 1893 kaufmännischer Angestellter und später Direktor der Papierfabrik Haindl in Augsburg. Es wurde angenommen, dass die Firma Haindl seinerzeit die ehemalige Papierfabrik in Wolfegg-Höll aufgekauft hätte. Nachdem allerdings die jüngsten Nachforschungen weder auf einen Verkauf der Wolfegger Papierfabrik an die Firma Haindl, noch eine Notiz über den Aufenthalt des Vaters von Bertold Brecht erbrachten, kann 6

die Vermutung über einen Aufenthalt Bertolt Brechts in Rossberg wohl in das Reich der Legende verabschiedet werden. Sicher ist dagegen, dass ein Sohn Bertolt Brechts später in Kimratshofen im Allgäu geboren wurde.

Als in Mennisweiler noch die Dampflok Station machte

MENNISWEILER – Es ist noch gar nicht so lange her, dass auch Mennisweiler per Bahn mit der großen weiten Welt verbunden war. Wie Frau Sophie Deiss zu berichten weiß, hielt noch bis Anfang der 60er Jahre regelmäßig ein Zug mit einer Dampflok in Mennisweiler. Gebaut wurde die Bahn von Rossberg nach Wurzach im Jahre 1904. Frau Deiss war die letzte Stellvertretende Stationsvorsteherin. Eigentlich war es ihr Mann Josef Deiss, der von seiner Mutter das Amt ursprünglich übernahm. Seit der Hochzeit von Josef und Sophie Deiss im Mai 1952 war es allerdings die gebürtige Kressbronnerin, die für die ordnungsgemäße Ausstellung der Fahrkarten und Frachtbriefe und einen insgesamt geregelten Bahnhofsbetrieb zuständig war. Der Anfangslohn war seinerzeit 65 Mark im Monat. Einen Tag vor ihrer Hochzeit, so berichtete Frau Deiss vor kurzem, hat sie im Bahnhof Rossberg ihren vierwöchigen Ausbildungskurs mit einer Prüfung abschließen müssen. Dazu kam sie am 28. Mai 1952 eigens auf dem Motorrad ihres Vaters, einer NSU-Quick nach Rossberg und fuhr anschließend wieder nach Hause. Der Fahrplan in Mennisweiler wies aus, dass der Zug täglich acht Mal hielt. Vier Mal in Richtung Bad Wurzach, vier Mal in Richtung Rossberg. Es war immer derselbe Zug, der eine der steilsten Bahnlinien von Rossberg nach Mennisweiler bewältigen musste. Da konnte es auch schon mal passieren, dass wegen Schnees auf den Geleisen die Räder durchdrehten und erst einmal geräumt werden musste. Der erste Zug kam gegen sieben Uhr, der letzte hielt ebenfalls um sieben Uhr abends. Der „Fünfe-Zug", der von Rossberg her kam, war seinerzeit das Signal für die Bauern, jetzt dann das Vieh wieder einzutreiben. Der Zug wurde nicht nur von den 10 bis 15 Personen, die vor allem morgens schon auf den harten Holzbänken Platz nahmen, genutzt, sondern transportierte auch Güter wie Düngemittel, Holz oder Käse, der von der ehemaligen Käserei Schraivogel bis nach Alpirsbach im Schwarzwald geliefert wurde. Auch Hermann Schmid, der Vater von Bruno Schmid, nutzte die Bahn, um seine Meerschweinchen zur Mäuse-Versuchsstation nach Kißlegg zu transportieren. Heute wird die Stichbahn nach Bad Wurzach nur noch von der Firma Oberland genutzt.

Ursprünglich, so Frau Deiss, war das Fahrkartenhäusle im ihrem jetzigen Wohnhaus. Bis Anfang der 50er Jahre war im selben Haus auch noch die Poststelle (bis 1968) und die Werkstatt der Zimmerei untergebracht. Früher sei dort auch noch ein Laden untergebracht gewesen. Ein echtes Dienstleistungszentrum also, so würde man heute sagen.

Die Poststelle wurde mit dem Umzug von Frau Erika Konrad im Jahre 1968 in den Höhenweg verlegt. Ab 1983 gab es in Mennisweiler nur noch einen Briefkasten und ein Telefonhäuschen, welches zwischenzeitlich allerdings auch schon abgebaut wurde.

Landtag entschied sich für die Linie Wolfegg – Kißlegg

ROSSBERG – Es war am 4. Februar 1868 als die Entscheidung über die Linienführung der Allgäubahn im Württembergischen Landtag fiel. 59 Stimmen entfielen auf die Linienführung von Bad Waldsee über Wolfegg und Kißlegg nach Leutkirch. 25 Abgeordnete stimmten seinerzeit für die Linienführung über Wurzach. Der Bahnbau war für die Entwicklung von Wolfegg und Kißlegg von großer Bedeutung. Gewiss hat auch Rossberg von der Bahn profitiert. Am 13. Juni 1870 konnte die erste Probefahrt von Waldsee nach Kißlegg bejubelt werden.

Aus der Beschreibung des Oberamts Waldsee, hg. von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau, 1834

MOLPERTSHAUS – Molpertshaus wird als kleiner Pfarrweiler mit 73 Einwohnern angegeben. Die Kirche wird als sehr geräumig und hell beschrieben. Im Jahre 1767 sei ein „hübsches Pfarrhaus" erbaut werden. Das Messnerhaus ist mit einer neu angebauten Schulstube verbunden.

Klima und Boden werden als „rauh und wenig fruchtbar" bezeichnet. „Neben Ackerbau und Viehzucht", so heißt es in der Oberamtsbeschreibung, „treibt der weibliche Theil der Bevölkerung auch Mousselinstickerei". 7

ZWINGS – In Zwings, einem „kleinen Wohnort" sollen zur Zeit der Oberamtsbeschreibung 74 Einwohner gelebt haben. Am 21. September 1530, so heißt es weiter, „verleiht der Kaiser den Truchsessen von Waldburg den Zoll zu Rötenbach, Zwings und Eintürnen".

MENNISWEILER – Für Mennisweiler sind nur wenige Eintragungen abgedruckt. Es wird als „kleiner Weiler mit 91 Einwohnern und einer Ziegelhütte" beschrieben.

ENGETSWEILER – Engetweiler wird noch mit einem s geschrieben und als katholischer Weiler mit 29 Einwohnern angegeben. „Das Klima", so die Oberamtsbeschreibung, „ist gut und der Boden fruchtbar".

Aus dem Jahr 1847 sind aus der Pfarreibeschreibung Daten über Anzahl der Häuser und Einwohner überliefert. Danach lebten in Molpertshaus in 16 Häuser, 85 Einwohner, in Binzen waren es 2 Häuser und 13 Einwohner, in Rossberg 1 Haus mit 10 Einwohnern, in Poppenhaus ebenfalls 1 Haus und 11 Einwohner, in Greut lebten in einem Haus 7 Menschen, in Engetweiler in 9 Häusern 43. In Furt mit Furtmühle standen 7 Häuser mit 38 Einwohnern. Mennisweiler war mit 18 Häusern und 96 Einwohnern die größte Siedlung der Pfarrgemeinde. In Oberurbach waren es 7 Häuser mit 42 Einwohnern. In Zwings (mit Haid) lebten in 10 Häusern 64 Einwohner. In der Pfarrgemeinde lebten somit 409 Katholiken, wobei eigens vermerkt wird, dass es zu der Zeit keine „Lutherischen oder Juden" gegeben hat. Bei der letzten Bestandsaufnahme waren es in der Kirchengemeinde ca. 670 Katholiken. Zu diesen kommen noch einige evangelische Christen, Moslems und Nicht-Getaufte.

Adel in Molpertshaus und Mennisweiler

MOLPERTSHAUS / MENNISWEILER – Von einem „niederen Orstadel" wird in Mennisweiler berichtet. Dieser bestand mit den „von Menbildwilare" allerdings nur für sehr kurze Zeit im 13. Jahrhundert.

Wesentlich bedeutender waren die „Herren von Molbrechtshusen". Sie waren staufische Ministeriale. Aus dem Jahr 1342 wird berichtet, dass ein Johann von Mobretzhusen sich in das Bürgerrecht von Ravensburg für 30 Mark Silber (ein zu damaliger Zeit offensichtlich stattlicher Preis) aufnehmen ließ. Schon im Jahr 1335 kauften die Herren von Molbrechtshusen, die sich auch schon mal Mulbrechtishusen, Mollebrehteshusen oder Molprezhus schreiben, die Burg Achberg von Johannes von Waldburg, Landvogt in Schwaben ab. Diese veräußerten sie allerdings schon wieder im Jahre 1366. Besitzungen derer von Molbrechtshusen waren aus dem Jahr 1366 auch 3 Höfe zu Hüfringen, Witschwende und Kleinwinnaden.

1371 wurden die Besitzungen allerdings an das Kloster Schussenried verkauft.

Kirchenpatrone der Molpertshauser Pfarrkirche

MOLPERTSHAUS – „Sankt Katharina, herhaft kühn, trat vor den Kaiser furchtlos hin, wo sie für Christus mutig rang und all der Weisen Wahn bezwang. Sankt Katharina, bitt für uns!" singen die Molpertshauser mit voller Inbrunst am letzten Sonntag des Kirchenjahres. Der Festtag für die Patronin der Molpertshauser Kirche, die Heilige Katharina von Alexandrien, ist am 25. November. Berichte von den Patronatsheiligen der Molpertshauser Kirche können an dieser Stelle aus Platzgründen nicht abgedruckt werden. Außer der Heiligen Katharina, die als eine der 14 Nothelfer verehrt wird, wird nämlich auch der Heilige Ulrich von Augsburg (Fest am 4. Juli) als Mitpatron verehrt. Eines seiner „Attribute", der Fisch, findet sich noch immer auf dem Siegel der Kirchengemeinde. Der Heilige Ulrich wird schon in frühester Zeit als Mitpatron der Kirche genannt. So etwa als die Schutzherrschaft über die Molpertshauser Kirche im Jahre 1371 dem Kloster Rot an der Rot übertragen wurde. Zudem galt im Mittelalter auch die Gottesmutter Maria „Unsere liebe Frau" als Patronin der Kirche. Beim Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter fanden dann auch im 15. Jahrhundert viele Pilger Hilfe und Trost in verschiedenen Anliegen. Obwohl eigentlich nirgends eigens erwähnt, wird in Molpertshaus traditionell auch der Heilige Eligius sehr verehrt. Diesem war ursprünglich eine weit über die Grenzen von Molpertshaus bekannte Wallfahrtskapelle an der Straße von Mennisweiler nach Molpertshaus geweiht. 1820 musste die Kapelle wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Das große Altarbild mit einer Darstellung aus dem Leben des Heiligen, als er einem Pferd einfach das Bein abnimmt, um es beschlagen zu können, an der Nordwand der Kirche, stammt aus dieser Kapelle. Zudem ziert in der Kirche eine Figur des Heiligen Eligius den rechten Seitenaltar. 8

Neben den zwei Marienfiguren finden wir in der Molpertshauser Kirche eine Darstellung der Heiligen Katharina (mit Schwert, Teil eines Rades und einem Mann unter ihren Füßen) den besagten Heiligen Eligius, eine Sebastiansfigur (mit den Pfeilen) und eine Darstellung des Heiligen Franz von Assisi (neben der Kanzel). Im hinteren Teil der Kirche sind Figuren des Heiligen Antonius von Padua und eine Figur des Heiligen Norbert zu sehen.

Schade eigentlich, dass es keine Darstellung des Heiligen Ulrich in der Pfarrkiche gibt.

Nachwort der Herausgeber

So, das wär’s fürs Erste gewesen. Wir haben versucht, einiges aus der Geschichte der Kirchengemeinde aufzuschreiben. Vermutlich wäre das Ganze noch ansprechender, wenn wir einige Bilder und Fotos eingestreut hätten, dafür fehlte aber noch die Zeit und das Material. Das werden wir für die nächste Ausgabe ändern.

Noch einmal bitten wir alle, die noch aus alter oder nicht gar zu alter Zeit etwas zu berichten wissen, dieses aufzuschreiben oder uns mitzuteilen. Wir freuen uns über alle Beiträge.

Die „Herausgeber" Rudolf Schuhmacher und Günter Brutscher aus Mennisweiler.