Ausgabe 2 / August 2001

Sehr geehrte Leserinnen und Leser des Lindenblatts!

Wir freuen uns, Ihnen nun die zweite Ausgabe des Molpertshauser Lindenblatts präsentieren zu können. Die Nachfrage nach der ersten Ausgabe war so groß, dass wir immer wieder mal nachdrucken mussten. Mal sehen, ob Ihr Interesse weiter anhält.

Wir haben uns wiederum bemüht, Geschichten und Anekdoten aus der Kirchengemeinde Molpertshaus in hoffentlich unterhaltsamer Weise für Sie zusammenzustellen.

Unser Anliegen ist es, dass Sie mehr über die Kirchengemeinde Molpertshaus erfahren. Wir träumen davon, dass Jung und Alt sich mit ihrer Gemeinde identifizieren und so ihren jeweils eigenen Beitrag dafür einbringen, dass die Kirchengemeinde mehr als nur ein Wohnort ist, dass die Molpertshauser (egal ob sie nun aus den kommunalen Gemeinden Bad Waldsee, Bad Wurzach, Bergatreute oder Wolfegg stammen) weit über die Grenzen hinaus als lebensfrohe und engagierte "Dörfler" bekannt bleiben.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen des 2. Molpertshauser Lindenblatts und erwarten Ihre Anregungen für weitere Ausgaben, die jeweils zum Lindenfest des Musikvereins Molpertshaus erscheinen sollen.

Die Herausgeber des Molpertshauser Lindenblatts

Rudolf Schuhmacher und Günter Brutscher

Hoflinden von Rosa Metzler, Hofstelle Hegers

Hoflinde von Erwin Sonntag, Hofname Sporrers

Hoflinde von Alois Ritscher, Hofname Böckis

 Hungersnot in der Kirchengemeinde in den Jahren 1816 und 1817

Von einer frischen Kuhhaut als Löschdecke

Landjugend und skeptische Pfarrer in Molpertshaus

Als in Molpertshaus noch ein Eisenbahnwaggon stand

Aus der Chronik des Luftibus-Vereins

Sitten und Bräuche aus der Vergangenheit

Engerlingsplage und Vitushemdchen

Sind elf Wirtschaften zuviel für 624 Personen?

Frohe Aussicht in Mennisweiler und Molpertshaus

Lourdeskapelle und Kreuzweg in Molpertshaus

Die Vorgeschichte des Musikvereins...

Linden auf der Haid

In der Kirchengemeinde Molpertshaus gibt es neben der Hoflinde in Mennisweiler und der Dorflinde in Molpertshaus noch weitere schöne Linden. In dieser Ausgabe geben wir in den Osten der Kirchengemeinde. Rudolf Schuhmacher hat sich auf der Haid umgeschaut und einige sehenswerte Bäume entdeckt und gleich auch noch die Geschichte der Hofstellen erforscht.

Hoflinden von Rosa Metzler, Hofstelle Hegers

Gleich zwei Linden zieren die Hofstelle Hegers auf der Haid. Die größere der beiden weist einen Stammumfang von 5,70 Meter auf. Vermutlich ist die Linde circa 250 Jahre alt. Ein stärkeres Wachstum wurde durch verschiedene Beschädigungen im Wurzelbereich infolge von Baumaßnahmen verhindert.

Die etwas weniger mächtige Linde hat einen Stammumfang von 4,60 Meter und dürfte vermutlich etwa 150 Jahre alt sein.

Im Zuge der Vereinödung ist die Hofstelle schon im Jahre 1760 von Anton Sonntag erbaut worden. Es ist zu vermuten, dass die größere Linde zu diesem Zeitpunkt gepflanzt wurde. In den späten 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Bebauung abgebrochen.

Möglich ist allerdings auch, dass an dieser Stelle schon viel früher ein Hof stand. In einem "Copia"-Vertrag zwischen dem Gotteshaus Waldsee und einem gewissen Jacob de Bayer aus dem Jahre 1459 geht es um den zu entrichtenden Zehnten von einem Hofgut, das "Haslach" genannt wird. Die Wälder um den Hof Metzler heißen Groß- und Kleinhaslach.

Die Hofstelle ist seit 1881 im Besetz der Familie Metzler. In diesem Jahr kam der Urgroßvater der heutigen Besitzerin Rosa Metzler, Peter Paul Metzler durch Einheirat von Stegrot auf die Haid. Vielleicht wurde anlässlich dieser Heirat die kleinere Linde gepflanzt.

 

Hoflinde von Erwin Sonntag, Hofname Sporrers

Gleich zwei Linden zieren die Hofstelle Hegers auf der Haid. Die größere der beiden weist einen Stammumfang von 5,70 Meter auf. Vermutlich ist die Linde circa 250 Jahre alt. Ein stärkeres Wachstum wurde durch verschiedene Beschädigungen im Wurzelbereich infolge von Baumaßnahmen verhindert.

Das Alter der 4,70 Meter Stammumfang messenden Hoflinde wird auf circa 120 bis 150 Jahre geschätzt. Die zweite Linde auf dem Hof ist etwas jünger.

Es ist zu vermuten, dass der Hof früher in Haidgau oder Zwings stand und im Jahre 1774 vereinödet bzw. ausgesiedelt wurde. Nach dem damaligen Erbauer des Hofes, Josef Sporrer, wird die Hofstelle noch heute Sporrers genannt. Weitere Besitzer waren dann Winkelhofer, Sonntag (allerdings nicht mit dem heutigen Besitzer verwandt), Heine, Natterer und eben die heutigen Sonntags, die von Binzen stammen. Im Jahre 1829 wurde der Hof durch einen Blitzschlag ein Raub der Flammen. Die Frau des damaligen Besitzers Alois Heine, Maria Anna, starb ein paar Tage nach dem Blitzschlag einen qualvollen Tod an den Folgen der Verbrennungen, die sie erlitten hatte. Die Hofstelle gehörte politisch schon immer zu Zwings und damit zu Haidgau, das dann im Zuge der Gemeindereform zu Bad Wurzach kam.

 

Die etwas weniger mächtige Linde hat einen Stammumfang von 4,60 Meter und dürfte vermutlich etwa 150 Jahre alt sein.

Im Zuge der Vereinödung ist die Hofstelle schon im Jahre 1760 von Anton Sonntag erbaut worden. Es ist zu vermuten, dass die größere Linde zu diesem Zeitpunkt gepflanzt wurde. In den späten 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Bebauung abgebrochen.

Möglich ist allerdings auch, dass an dieser Stelle schon viel früher ein Hof stand. In einem "Copia"-Vertrag zwischen dem Gotteshaus Waldsee und einem gewissen Jacob de Bayer aus dem Jahre 1459 geht es um den zu entrichtenden Zehnten von einem Hofgut, das "Haslach" genannt wird. Die Wälder um den Hof Metzler heißen Groß- und Kleinhaslach.

Die Hofstelle ist seit 1881 im Besetz der Familie Metzler. In diesem Jahr kam der Urgroßvater der heutigen Besitzerin Rosa Metzler, Peter Paul Metzler durch Einheirat von Stegrot auf die Haid. Vielleicht wurde anlässlich dieser Heirat die kleinere Linde gepflanzt. 2

Hoflinde von Alois Ritscher, Hofname Böckis

Die Linde auf dem Hof Ritscher ist nach Schätzung des Denkmalamts mehr als 200 Jahre alt und weist einen Umfang von 5,60 Meter auf.

Der Hof war ehemaliges Lehensgut der Kirchengemeinde Molpertshaus. Erbaut wurde der Hof im Jahre 1787 (also 2 Jahre vor der Französischen Revolution!), mit Holz und Steinen vom Abbruch des vorigen Hofes, wie es im Lehensvertrag nachzulesen ist. Erster Lehensträger war ein gewisser Anton Schmid. Ihm folgten Schuler, Hoch und Gegier. Im Jahre 1924 wurde der Hof geteilt. Der Vater des heutigen Besitzers übernahm den Hof von Reinhard Gegier. Erst in jüngster Zeit wurde der landwirtschaftliche Teil des Anwesens abgerissen und neue Wohnungen erbaut.

 

Hungersnot in der Kirchengemeinde in den Jahren 1816 und 1817

Die "gute, alte Zeit" war nicht nur schön und gut und beschaulich, sondern immer von harter Arbeit und nicht selten großer Not geprägt. So ist auch in der Chronik der Kirchengemeinde Molpertshaus aus den Jahren 1816 und 1817 von einer großen Hungersnot zu lesen. Niedergeschrieben hat den Bericht Pfarrer Remmele.

Regengüsse und Hagel vernichteten das Wintergetreide fast gänzlich. Was übrig blieb, konnte wegen des schlechten Wetters nicht eingebracht werden. Das Sommergetreide wurde teilweise Ende Oktober geerntet. Auf der Alb brachte man die Garben bei Schneegestöber ein. Zwei Drittel der Ernte blieben auf den Feldern. Bei der Kartoffelernte musste man den Weg mit dem Schneepflug räumen.

Taglöhner und Dienstboten wurden arbeits- und brotlos. Arme Leute aßen Brot aus Mehlstaub gebacken, kochten Kleewurzeln und Heu. Stroh wurde gemahlen und mit Sägmehl vermischt und zu einem Brei bereitet. Die Preise für Lebensmittel stiegen auf eine Höhe, die für den normalen Bürger nicht mehr erschwinglich waren. Der erste Erntewagen im Jahre 1817 wurde feierlich mit bekränzten Pferden eingefahren.

Aufgeschnappt – Auszüge aus der Chronik.

Von einer frischen Kuhhaut als Löschdecke, ledigen Müttern, dem Würfelspiel und einem verächtlichen Ort namens Molpertshaus...

Beim Studium der Molpertshauser Chronik ist Rudolf Schuhmacher auf allerlei bemerkenswerte Notizen gestoßen. Die Anmerkungen können vielleicht einen kleinen Einblick in Kultur und Lebensweise unserer Vorfahren in und um Molpertshaus geben...

1755: Molpertshaus war ehemals ein verächtlicher und unbekannter Ort, allwo in dessen Kirche ein einziger Altar ohne besondere Zierde stand und deshalb ist über diesen Ort nicht viel geschrieben worden.

1764: Beim Bau des Pfarrhauses in Molpertshaus wurde die Gemeinde Haidgau vom Abt Mauritius (Rot an der Rot) verpflichtet, sechs Tage Fronfahrten und Handdienste zu leisten, sowie 30 Stämme Bauholz zu liefern.

1770: Reichsabt Mauritius erbarmte sich der Molpertshauser und stiftete zwei Nebenaltäre für die Kirche, die dann 1775 eingeweiht wurden.

1770: In Zwings wurde die erste Glocke mit der Aufschrift "St. Josef und alle Heiligen bittet für uns" angeschafft.

1772: Am 20. April hat die Gemeinde dem Landwirt Michael Bendel wegen der teuren Zeit das Branntweinbrennen erlaubt. Er muss aber den Treben den Schweinen füttern.

(Anmerkung: Michael Bendel, der aus Forst kam, hat mit ziemlicher Sicherheit den Adler in Molpertshaus im Jahre 1770, damals als "schussenriedisches Wirtshaus" gebaut). 3

?? : Heiraten konnte nur, wer Geld hatte. Der Pfarrer schrieb: Etwa in 6 Haushaltungen leben ledige Geschwister, die Geld zum Heiraten hätten.

1826: Liberat Neyer, ein Bruder von Anton Neyer aus Mennisweiler, die beide aus Lichtenstein kamen, heiratet auf dem Adler in Molpertshaus. Bei der Hochzeitsschenke brannte plötzlich das Kamin. Mutige Burschen stiegen auf das Dach und erstickten das Feuer mit einer frischen Kuhhaut. So konnte die begonnene Hochzeitsfeier fortgesetzt werden.

1828: Ein Singchor erhält eine Entschädigung für seine Auftritte. Es waren sechs Personen. Der Singchor wurde bereits 1814 erwähnt.

1829: Für Blasbalgtreten von Georgi 1828 bis Georgi 1829 (Georgi ist am 23. Aprirl) 1 Gulden 30 erhalten (Michael Fischer).

1848: In der Pfarrei befinden sich 3 Kegelbahnen, die aber wenig genutzt werden. Dagegen greift das Würfelspiel immer mehr um sich.

1848: Im Herbst gab es in der Pfarrei 29 ledige Mütter. 13 in Mennisweiler, 8 in Zwings, 5 in Molpertshaus, 2 in Furt und eine in Poppenhaus. Sie hatten zusammen 59 Kinder, von denen noch 26 am Leben sind. Von diesen ledigen Müttern gehören 23 zu den Armen, 3 zu den Gewöhnlichen, 2 dem mittleren Stand an und eine zu den Vermögenden.

1848: Mission in Molpertshaus. Ein Altar wurde am kleinen Pfarrstadel aufgestellt (heutiges Jugendheim) und eine Kanzel am Zehntstadeltor errichtet (heute Schulhaus). Täglich kamen bis zu 2000 Zuhörer, insgesamt 7000 bis 8000 Gläubige aus Molpertshaus, Eintürnen, Ziegelbach, Bergatreute und Alttann. In der Kirche waren vier, im Schulhaus zwei und auch im Pfarrstadel zwei Beichtstühle aufgestellt. Drei Priester hörten noch im Pfarrhaus die Beichte. Teilweise stellten sich schon um 3 Uhr morgens Leute an die Beichtstühle. 18 bis 21 Geistliche standen zur Verfügung.

1849: Lehrer Obermayer sammelt für Instrumente, um eine Musikkapelle zu gründen. (vgl. auch eigenen Artikel zur Musik in Molpertshaus).

1859: Der Rohrsee ist ausgetrocknet, nachdem schon im Winter zuvor die Fische eingefroren waren.

1872: Amtsblatt vom 22. April 1872: Zum Auflesen der von den Bäumen abgeschüttelten Maikäfer kann die Schuljugend wohl verwendet werden und ist daher erforderlichenfalls bei den Ortsbehörden darauf hinzuwirken, dass während der Dauer des Maikäferflugs mit dem Schulunterricht erst in der Tageszeit begonnen wird, welche sich zum Maikäfersammeln nicht eignet.

1903: Rossberg wird ans Telefon angeschlossen.

1908: Telefon jetzt auch in Molpertshaus.

1923: Elektrisches Licht in Molpertshaus. Der Pfarrer musste dafür allein für das Pfarrhaus mehrere Millionen berappen (es war Inflation!).

1929: Ein Attest, in Kopie abgedruckt in der Festschrift "125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Wolfegg" aus dem Jahre 1988 lautet: "Herrn Alois Forderer in Molpertshaus ist infolge einer Schädelverletzung im Krieg plötzlichen Anstrengungen nicht gewachsen und deshalb für den Feierwehrdienst untauglich". Unterzeichnet ist das Dokument vom 30. Apirl 26, das den Alois Forderer vom Feierwehrdienst befreit, von Dr. Birkenmayer.

1929: Die Wasserleitung im Molpertshaus friert fast ganz ein und taut teilweise erst im Mai und Juni wieder auf.

Landjugend und skeptische Pfarrer in Molpertshaus

Offensichtlich war den Pfarrern der Kirchengemeinde Molpertshaus in der Vergangenheit nicht immer alles so ganz recht, was die Jugendlichen anstellten.

So jedenfalls könnte man meinen, wenn man zwei Anmerkungen von Pfarrer Adolf Heinzmann aus dem Jahre 1966 und von Pfarrer Marzell Kling aus dem Jahre 1972 liest. Da steht nämlich folgendes geschrieben:

Am 25. Mai 1966 wurde beim Oberen Wirt eine Gruppe der katholischen Landjugend gegründet. Der Pfarrer war Gast. Die Zukunft wird zeigen, was aus der Gruppe wird und von welchem Geist sie geleitet wird. Anscheinend ist der Pfarrer wenig gefragt (Pfarrer Heinzmann).

Landjugend-Information im Adler. Der Vortrag von Landvolkpfarrer Unterricker ging in die Tiefe, aber begeisterte die Jugend nicht. Sie entschied sich für die bäuerliche Landjugend, um deren finanzielle Angebote zu genießen. Später scheint sie sich von allem gelöst zu haben. Ungebunden und frei von allem auch von Gott und seinen Geboten. Jugendgruppe Molpertshaus ohne Pfarrer. (Pfarrer Marzell Kling am 22. 11. 1972). 4

Als in Molpertshaus noch ein Eisenbahnwaggon stand

Viele Molpertshauser werden sich noch an die Zeit erinnern, als in der eigentlich "eisenbahnfreien Zone" Molpertshaus dennoch ein Eisenbahnwaggon stand, der allerdings nicht beweglich war, sondern lange Jahre als Wohnhaus diente.

Im Oktober 1965, so ist in einem Zeitungsausschnitt vom 23. Oktober 1965, der in der Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Wolfegg aus dem Jahre 1988 abgedruckt ist, nachzulesen, hat die Wolfegger Feuerwehr den Königlich-Württembergischen Eisenbahnwaggon vor der Mergelgrube (Anmerkung: Mergel wurde früher zur Düngung auf Wiesen ausgebracht) nördlich des Mösleweihers "warm abgebrochen", also angezündet. Offensichtlich war der Wagen nicht gerade mehr eine Zier für Molpertshaus. Pfarrer Heinzmann jedenfalls notierte zu dieser Zeit: Am 23. 10.1965 wird endlich der Eisenbahnwagen bei der Lourdeskapelle verbrannt. Wohnwagen mit 6 Personen. Höchste Zeit.

Der ausgediente Eisenbahnwagen dritter Klasse der Königlich-Württembergischen Eisenbahnverwaltung wurde im Jahre 1894 von einem Molpertshauser Bürger gekauft. Er kam auf einem Güterwagen aus dem Ausbesserungswerk Stuttgart-Bad Cannstatt nach Rossberg. Dort habe man ihn auf acht Eisenachsen mit 16 eisenbeschlagenen Rädern gesetzt und mit 24 Pferden die leichte Stiege nach Molpertshaus hinauftransportiert. Weiter heißt es in besagtem Zeitungsausschnitt: Obwohl es vorgesehen war, den Eisenbahnwagen in der Grube aufzustellen, kam er dann doch noch vor die Grube, weil eine Achse gebrochen war und man nicht weiterfahren konnte. Später wurde der Eisenbahnwagen, in dem inzwischen sogar das elektrische Licht installiert worden war, von der Gemeinde Wolfegg, auf deren Grundbesitz er stand, gekauft. Obwohl nach dem Wegzug des letzten Mieters sich ein interessierter Käufer meldete, blieb die Gemeindeverwaltung bei ihrem Beschluss, den nicht gerade hygienischen Zuständen ein Ende zu bereiten.

Ein langjähriger Bewohner des Eisenbahnwagens war einer der Männer, die man heute wohl als "Original" bezeichnen würde. Johann Baptist Weixler (auf dem Foto ganz rechts mit Gottlieb Spehn, Josef Denzler, Albert Stöckler), geboren 1882 in Muthmannshofen war Sattler von Beruf. Er arbeitete im Haus nebenan (heute Haus Lange) und wohnte im Eisenbahnwagen. Johann Baptist Weixler war ein humorvoller und leutseliger Mensch. Er war überall dort anzutreffen, wo es etwas zu festen und zu feiern gab. Unter anderem zog er auch die Beiträge für den Musikverein ein. Weixler war wohl auch Gründungsmitglied des Musikvereins, wie nach einem Bild von der "Hochzeit Spehn", das die Gründungskapelle des Vereins aus dem Jahre 1922 zeigt, zu vermuten ist (das Foto ist in der Festschrift des Musikvereins aus dem Jahre 1992 abgedruckt). Manch Molpertshauser wird sich auch daran erinnern, dass Weixler nicht nur als Sattler arbeitete, sondern sich auch noch als Friseur betätigte. Er starb am 2. September 1953. Übrigens, so ist in der Chronik des Musikvereins berichtet, trug die Musikkapelle zur Beerdigung ihres Vereinsdieners Hans-Jörg Weixler, wie er in der Musikvereinschronik genannt wird, erstmals die im Jahre 1953 angeschaffte Uniform.

Aus der Chronik des Luftibus-Vereins

Schon in der ersten Ausgabe des Molpertshauser Lindenblatts berichteten wir kurz von der Gründung des Luftibusvereins aus dem Jahre 1953. Noch manche erinnern sich an die vielseitigen kulturellen Aktivitäten jenes legendären Vereins, der als Vorläufer aller heutigen nicht eingetragenen Vereine wie Feuchte Brüder, Weizenquelle, Junggesellenverein, Farny-Fanten, Asti-Girls, usw. angesehen werden kann. Der Luftibus-Verein wird allerdings, so muss wohl angenommen werden, in seiner kulturellen Bedeutung nicht mehr erreicht werden können. Wie mittlerweile zu erfahren war, soll im Jahre 2003 anlässlich des 50. Gründungstages des Luftibus-Vereins ein "Luftibus-Revival-Fest" in und um Laya Schopf steigen... (so vermutet und hofft wenigstens der Schreiber dieser Zeilen!). Spätestens dann wird wieder die "Meteor"-Hymne gesungen und der Erkennungsruf des Luftibus ertönen:

Es braust ein Ruf wie Donnerhall durch Felder, Wälder, Berg und Tal. Es ruft vom Neger bis zum Russ: Es lebe hoch der Luftibus.

In diesem Lindenblatt wird nun mit einigen Erinnerungen die Zeit des Luftibus noch einmal gegenwärtig.

Über die Ursprünge des Luftibus-Vereins wurde schon viel gerätselt. Manche Doktorarbeit wurde geschrieben, die tatsächliche Geschichte der Gründung aber wird exklusiv in dieser Ausgabe des Lindenblatts wiedergegeben und beruht auf den Nachforschungen von Luftibus-Mitglied Rudolf Schuhmacher, die er am 7. März 1981 bei einem Luftibuskongress vortrug.

Es war am 30. Februar 1698, als sich in den unendlichen Wäldern der sibirischen Taiga ein Urahne des heutigen Vorstandes namens Jakob Strohwurm auf der Jagd nach Osterhasen verirrte. Tagelang schleppte er sich durch die meterhohen Schneemassen, der Sturmwind blies ihm ins Gesicht und fast war er am Ende seiner Kräfte, er rang nach Luft, sein Tod schien nahe. Da kam ein sibirischer Krawattenhändler vorbei und Jakob schrie ihm entgegen: Luft Iwan. Iwan nahm sich seiner an und sie fuhren mit dem Bus zurück nach Moskau. Das, meine Damen und Herren, war die Geburtsstunde des heute in der ganzen Welt bekannten und geschätzten Luftibus-Vereins. Jakob siedelte sich in Österreich an und der Verein entwickelte sich zu einer bedeutenden Handelsmacht. Selbst Napoleon Bonaparte machte im Jahre 1805 einen Ehrenbesuch. Doch das Blühen und Gedeihen währte nicht lange. Am 31. September 1867 zerstörte der rote Hahn das ganze Dorf. Der Verein war am Ende. Er musste zum ersten Mal Konkurs anmelden. Das bis in die jetzige Zeit jährlich durchgeführte Hahnenkammrennen zeugt noch von der Beliebtheit der damaligen Mitglieder. Nach Jahrzehnten des Aufbaus und der Klausur waren es dann im Jahre 1953 unerschrockene, tatkräftige und edle Männer, die eine Neugründung des Luftibus-Vereins anstrebten. Gleichsam als Zeichen des Selbstbewusstseins und der Macht fand die Gründungsversammlung in jenem berühmten Schopf von Molpertshaus statt, in dem König Wilhelm von Württemberg 1911 seine Notdurft verrichtete (das Molpertshauser Lindenblatt berichtete in der 1. Ausgabe!). Als Symbol der Vereinsfahne wurde der Hahnen und die Krawatte gewählt, als Erinnerung an jene Vorfahren aus Sibirien und Österreich. Namen wie Maucher, Geiger, Liebrich, Müller und Dentler ließen bald die nationale und internationale Prominenz aufhorchen. Tagungen wurden abgehalten, Reisen gemacht und bald war der Luftibus nach dem Bonner Adenauerhaufen der zweitgrößte Verein in Deutschland.

Soweit also die Geschichte der Gründung des Vereins. Im nächsten Molpertshauser Lindenblatt wird weiter berichtet, zum Beispiel über den Film "Der Mord im Seibranzer Wald" oder das Musikstück "Fantasie eines Verrückten" und den Vortrag "Der geschorene Blindgänger in der Westentasche". Mit etwas Geduld (nur ein kleines Jährchen) erfahren Sie dann also mehr...

Übrigens: Noch heute gilt, was vor Jahren allgemeine Überzeugung in der weiblichen Bevölkerung von Molpertshaus und weit darüber hinaus, war: "Des Glückes höchste Krone tragen – ist einen Luftibus zum Mann zu haben".

Sitten und Bräuche aus der Vergangenheit

Die Festesfreude der Molpertshauser hat Tradition. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man in der Chronik entdeckt, was früher in der Gegend alles Anlass zu Festen gegeben hat.

1848: Pfarrer Sinz, von 1848 bis 1864 Pfarrer ind Molpertshaus äußert sich über die Bräuche in der Pfargemeinde.

Die Morgensuppe, sowohl im Hause der Braut, als auch beim Bräutigam dauert oft von Morgen 7 Uhr bis zum Kirchgang. Es können sich 30 bis 50 Personen dabei einfinden, die mit Bier, Brot, Würsten und Kaffee verköstigt werden. Nachher kommen die armen Kinder und die Wandergesellen aus der Nachbarschaft und tun sich gütlich. Die ledigen Burschen ergötzen sich mit Schießen bis vor die Kirchenstaffel. Acht bis vierzehn Tage nach der Hochzeit erfolgt die Schenke, leider die Folge einer seit 30 bis 40 Jahren eingedrungenen Unsitte, gewöhnlich am Sonntag, wodurch wieder zur Sonntagsschändung beigetragen wird, weil Tanzunterhaltung damit verbunden wird.

Der Schnitthahnen ist zur Regulierung der Dienstboten und Tagwerker nach der Ernte. Bei Most, Bier und einem guten Essen wird die Beendigung der Ernte gefeiert.

Der Sylvesterabend geht in dieser Gegend ohne gesellige Zusammekunft vorüber, dagegen wird am Nikolaustag einiges angestellt. 6

Stirbt ein Kind oder ein Erwachsenes, so halten 10 bis 20 Personen Totenwache im Hause bei Bier, Kös und Kaffee und zwischen den 3 Rosenkränzen, die dabei gebetet werden, fallen allerhand nicht immer anständige Scherze und Unterhaltung. Nach der Beerdigung wird das Totenmahl gehalten mit den Verwandten, bei den Vermögenden mit einem förmlichen Mittagsessen.

Die Kindstaufe ist entweder im Wirtshaus mit Getränk oder in der Privatwohnung mit einem förmlichen Essen, wobei zu Zeiten auch Pfarrer und Mesner erscheinen.

Der Kirchenbesuch bei solchen Festen wie Funkensonntag, Kirchweih und Schnitthahnen ist dann nachmittags sehr schlecht.

Engerlingsplage und Vitushemdchen

Aus dem Jahre 1850 wird berichtet, dass am Magnustag (6. September) die Mennisweiler zum Heiligen Magnus nach Schussenried wallfahren zur Abwehr der Engerlingsplage.

Zum Heiligen Veit (Vitus) in der Furter Kapelle wird wegen der kranken Kinder gegangen, um deren Genesung oder Tod gebetet. Das bereitliegende sogenannte "Vitushemdchen" wird mit der Statue des Heiligen Vitus in Berührung gebracht und dann mit nach Hause genommen. Dafür wird ein neues Hemdchen geopfert.

Diese Notiz stammt ebenfalls aus dem Jahre 1850.

Sind elf Wirtschaften zuviel für 624 Personen?

In der Pfarrgemeinde gibt es nach einem Auszug aus dem Kirchenkonventsprotokoll vom 28. Februar 1878, Seite 106 elf Wirtschaften, deren Existenz nicht allein von Fremden, sondern auch von Einheimischen erhalten wird (624 Personen). Erst in den letzten Jahren, so ist dort nachzulesen, haben sich in Mennisweiler eine zweite und in Molpertshaus drei neue Wirtschaften neben zwei schon längst bestehenden etabliert. Der Geldbetrag scheint daher nicht so gering zu sein, dass die Erbauunng eines neuen Schulhauses nicht aufgenommen werden könnte. (Anmerkung:.Die fünf Wirtschaften der Ortschaft Molpertshaus waren der noch heute bestehende Adler und Hirschen, zudem kamen Wirtschaften im heutigen Hause Rudolf und Josef Lay und im heutigen Hause Krausmüller (früher Motz), vermutlich wurde im heutigen Haus Wächter oder Merk eine weitere Wirtschaft betrieben.)

Elf Wirtschaften für rund 624 Individuen, klein und groß, sind für den Wohlstand der Gemeinde gewiss schlimmer als ein neues Schulhaus.

Unter diesem Abschnitt steht: Die Bemerkungen dieser Ziffer sind ungeziemend und können mit Stillschweigen übergangen werden. Unterschrieben wurde der Zusatz von Pfarrer Mennel.

Frohe Aussicht in Mennisweiler und Molpertshaus

Die Wirtschaft "Zur Frohen Aussicht" dürfte eine der ältesten in der Pfarrei Molpertshaus sein. Nachweislich (vermutlich war sie schon viel früher da) wurde sie im Jahre 1827 von einem Gastwirtssohn aus Bergatreute namens

Obermaier gekauft und betrieben. Obermaier starb bereits 1846 im Alter von 48 Jahren. Die Witwe heiratete Pius Härle, Maurermeister und später Ziegler aus Ellwangen. Sie zogen zu ihrem Sohn nach Molpertshaus, der die Gastwirtschaft zum Adler betrieb und verkauften die Wirtschaft von Mennisweiler an Franz Xaver Karrer aus Schwarzenbach. Dieser baute im Jahre 1856 sogar eine Kegelbahn. Doch auch diesen trieb es nach Molpertshaus (vermutlich war dort das bessere Geschäft zu machen...), wo er im Jahre 1872 die Wirtschaft zum Hirschen (heute Bechter) kaufte. Nachfolger in Mennisweiler wurde Franz Josef Ott aus Michelberg, der aber schon im Jahr 1878 starb. Die Witwe heirate Andreas Neyer, ein Vorfahr der heutigen Neyer. Dieser wiederum hatte bereits 1873 in Molpertshaus eine Wirtschaft gebaut (heute Haus Lay), ebenfalls mit dem Namen "Zur frohen Aussicht". Das Wirten schien ihm nicht besonders gefallen zu haben. Jedenfalls verkaufte er die Wirtschaft schon 1889 an Rudolf Oberhofer, einen Bierbrauer aus Enzisreute. Er war es, der 7

im Jahre 1900 die noch heute bestehende Lourdesgrotte in der heutigen Gartenwirtschaft der Frohen Aussicht in Mennisweiler errichtete. Die Tochter von Oberhofer heiratete im Jahre 1911 Anton Koch aus Mennisweiler, also den Vater der heutigen Besitzerin Klara Hagmiller aus Himbach. Die heutige Pächterin, Hilde Lämmle, betreibt die Wirtschaft schon fast 30 Jahre.

Das Foto (vor der Frohen Aussicht aufgenommen) zeigt, dass man beim Dreschen im Jahre 1912, damals noch mit der Dampfmaschine, nicht nur gearbeitet, sondern auch gefestet hat.

Lourdeskapelle und Kreuzweg in Molpertshaus

Mit sehr viel Engagement und ehrenamtlichen Einsatz hat die Molpertshauser Dorfgemeinschaft auf Anregung von Bürgermeister Manfred Konnes und unter Mithilfe der Kirchengemeinde Molpertshaus in den vergangenen Jahren den Kreuzweg wieder hergestellt, neue Bilder für die Kreuzwegstationen anfertigen lassen, zwischenzeitlich einen vom Blitz vollkommen zerschlagenen Bildstock wieder so hergestellt, dass er exakt den anderen gleicht und die Lourdeskapelle trocken gelegt und neu bemalt. Der schon Ende des 19. Jahrhunderts angelegte ursprüngliche Kreuzweg war von Sträuchern und Bäumen überwachsen und geriet allmählich in Vergessenheit. Eine respektable Leistung, die hohe Anerkennung verdient. Die ganze Maßnahme wurde von den hiesigen Firmen großzügig unterstützt, indem diese Geräte und Maschinen zur Verfügung stellten.

Wie immer wieder zu beobachten ist, erfreut sich der neu hergestellte Kreuzweg großer Beliebtheit, sei es um diesen zu beten, zum spazieren gehen oder zum "Gassi" gehen mit dem Hund.

Für die zweite Ausgabe des Molpertshauser Lindenblatts hat Chronist Rudolf Schuhmacher in den Büchern gegraben und die Geschichte des Kreuzwegs und der Lourdeskapelle recherchiert.

45 Mark für eine Kreuzwegstation

Auf Anregung von Pfarrer Johannes Nepomuk Mennel (Pfarrer in Molpertshaus von 1875 bis 1895, geb. am 14. Mai 1816, gestorben am 25. Januar 1895) und der Zusicherung für die kostenlose Abtretung des Weges von den Angrenzern Benedikt Sturm und Adlerwirt Boos begann man im Jahre 1887 mit einem Spendenaufruf, um die Finanzierung des Kreuzwegs zu sichern.

Jedes Pfarreimitglied konnte einen Betrag zeichnen, der dann später manchmal in mehreren Raten zur Zahlung fällig war, was aber nicht von allen eingehalten wurde, wie der Pfarrer später bemängelte. Die Namen der säumigen Spender wurden öffentlich genannt und gerügt. 220 Spenden gingen seinerzeit ein, von 10 Pfennig bis zu 45 Mark. 45 Mark war der Betrag, der für eine Station aufzubringen war. Sowohl Pfarrer Mennel als auch der Haisterkircher Pfarrer gingen mit gutem Beispiel voran und spendeten jeweils eine Station. Den Einnahmen von 665 Mark standen Ausgaben von 632 Mark gegenüber, sodass sogar ein Überschuss entstand. Dieser wurde zum Kauf von Opferstöcken verwandt. 10 Mark wurden sodann in denselben geworfen, so der Beschluss des damaligen Kirchenstiftungsrates. Die Bilder für die Stationen malte H. Hafner aus Wurzach, die Maurerarbeiten wurden von Herrrn Abele aus Furt und die Schreinerarbeiten von Herrn Kiebler aus Molpertshaus durchgeführt.

Ein Stationsbild vom früheren Kreuzweg hängt übrigens heute im Gang zum Pfarrhaussaal. Die übrigen waren nicht mehr zu retten.

Juristischer Streit um die Lourdeskapelle Ende des 19. Jahrhunderts

Widersprüchlich sind die Aufzeichnungen beim Bau der Lourdeskapelle. Fest steht, dass der Bauer Benedikt Sturm, der aus Rohr kam und den heutigen Hof Schattmayer/Binder kaufte, bestrebt war, am Ende des Kreuzweges, auf dem sogenannten hinteren Moosberg, eine Marienkapelle zu bauen. Die Genehmigung dazu erteilte Bischof Carl Josef Lipp am 27. September 1887 mit der Auflage, dass keine Zelebration der heiligen Messe und keine öffentlichen Maiandachten abgehalten werden dürfen.

Die als Wohltäterin bekannte Fürstin Sofie von Wolfegg übernahm einen wesentlichen Teil der Finanzierung. Die Steine zum Bau der Kapelle lieferte Ziegler Härle aus Mennisweiler zum Preis von 80 Mark. Xaver Hafner übernahm die Malerarbeiten und Maurermeister Leiprecht die Maurerarbeiten.

Jedenfalls war die Kapelle Eigentum von Benedikt Sturm und das sollte sich rächen. Sturm meldete nach einigen Jahren Konkurs an. Angestrengt von den Gläubigern wurde die Zwangsvollstreckung angeordnet. Der Hof des Erbauers, diese Kapelle, einschließlich des an die Kirchengemeinde abgetretenen Kreuzeswegs (Grund und Boden) wurden am 7. August 1893 im Wochenblatt zum Verkauf ausgeschrieben. Verzweifelt versuchte der damals 77-jährige Pfarrer Mennel und sein Kirchenstiftungsrat die Kapelle und den Kreuzweg von der 8

Konkursmasse zu trennen, was schließlich auf Grund eines vorhandenen Stiftungsvertrags vom 28. Juni 1888 vom Vollstreckungsgericht Waldsee zugebilligt wurde. Im Vertrag ist festgelegt. "Sollte das Hofgut durch Kauf oder Tausch in fremde Hände übergehen, so geht die Kapelle samt den eingefriedigten Platz um dieselbe und der zu derselben führende Weg als Eigentum an die Pfarrgemeinde über." In selbigem Vertrag ist zudem festgelegt, dass die Kapelle "zu Ehren der unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria erbaut" wurde. Schließlich heißt es im Vertrag: "Möge die Kapelle für alle Zeiten ein vielbesuchter Gnadenort sein und der Segen des Himmels auf der ganzen Pfarrgemeinde ruhen.

Erst im Jahre 1913 gingen allerdings Lourdeskapelle und Kreuzweg endgültig in den Besitz der Pfarrei über.

Übrigens: Um die Relation der Preise damals (1888) deutlich zu machen, sei noch erwähnt, dass der achtköpfige Sängerchor bei der Einweihung einen Bon von 1 Mark 50 pro Person für Essen und Getränke erhielt.

Die Vorgeschichte des Musikvereins...

Es ist allgemein bekannt, dass der Musikverein Molpertshaus am 9. August 1922 offiziell gegründet wurde, nachdem schon 1920 um den damaligen Dirigenten Alois Spehn eine Musikgesellschaft zur Pflege der "edlen Blechmusik" gebildet wurde, die am 20. April 1921 ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte. Somit kann der Musikverein Molpertshaus im nächsten Jahr, wenn das Lindenfest wiederum Anfang August sein wird, fast auf den Tag genau sein 80-jähriges Jubiläum feiern.

Dass aber schon viel früher in Molpertshaus auch mit Blechblasinstrumenten Musik gemacht wurde, hat Rudolf Schuhmacher in der Chronik gesehen. Die musikalische Qualität war anfänglich allerdings nicht so, dass es dafür ein "ausgezeichnet" wie beim letzten Wertungsspiel in Ebenweiler gegeben hätte. Zudem, so lässt sich erahnen, war die Harmonie zwischen Pfarrer und Musikanten auch nicht immer so wie sie sich heute darstellt.

In der Chronik des Jahres 1849 jedenfalls steht: Heuer geschieht manches für eine zweckmäßige erbauliche Feier des Gottesdienstes. Schon seit dem Spätherbst 1848 hatte der neue Schulgehilfe Obermayer eine Harmoniummusik einzuführen versucht und deshalb eine Sammlung zur Anschaffung von Instrumenten veranstaltet und die lusttragenden jungen Leute in den Abendstunden instruiert. Wenn nun gleich hindurch selbst der Schulunterricht einigermaßen benachteiligt, die jungen Burschen ihren dringendsten Arbeiten oft zum Verdruss der Eltern oder Dienstherrn entzogen und der Kirchengesang vernachlässigt wurde und man vielfach besorgte, die Musikgesellschaft würde sich wieder nach einigen Jahren zerstreuen, so wurde doch das erste Amt vom Ostersonntag von der Gemeinde mit großem Jubel begrüßt, obwohl das selbe nach ihrem Geist und Charakter vorgetragenen Melodie und in der Ausführung noch sehr mangelhaft war. Doch vermehrten die jungen Leute durch den Beifall des unkritischen Volkes aufgemuntert ihre musikalischen Uebungen unverdrossen fort und so konnte auf Pfingsten schon ein zweites Amt und eine feierliche Vesper aufgeführt werden. Die Begleitung der Fronleichnamsprozession mit Musik und Trommel untersagte der Pfarrer, hatte er doch die Erfahrung gemacht, dass das Hossianna und Kreuziget ihn in der Zeit nicht weit voneinander liegen. Doch blieb es bei einigen raesonsüchtigen Attacken im Rücken des Pfarrers und bei bloßen, wenn gleich starken Drohungen. Der Pfarrer behielt Macht.

Im gleichen Jahr, nämlich am 30. September 1849, verhandelte der Kirchenstiftungsrat über die Bitte der Musikgesellschaft, eine Posaune auf Kosten der Kirchenpflege zu genehmigen. Diese "fremdartige" und nicht im Etat vorgesehene Ausgabe wurde schließlich genehmigt, weil das "Musikkorps bisher bedeutende Opfer an Geld und Zeitaufwand gehabt, auch seine Kräfte zur größeren Feierlichkeit und Erbaulichkeit der Gottesdienste, so weit es die kirchlichen Verordnungen gestatten" eingesetzt hat. Der Entschluss wird später auch vom Bürgerausschuss gut geheißen. Die Kosten für die Posaune wurden auf weniger als 20 Gulden geschätzt.

In diesem Auszug aus dem Protokoll des Kirchenstiftungsrats sind auch die Namen der Kirchenstiftungsräte Pfarrer Sinz, Ortsvorsteher Fröhlich, Graf, Wassmer, Nold, Schmid und des Bürgerausschusses Schnell, Bohner, Sonntag, Sonntag, genannt.

Impressum: Für die Zeitschrift "Molpertshauser Lindenblatt" sind Rudolf Schuhmacher und Günter Brutscher aus Mennisweiler im Sinne des Presserechts verantwortliche. Anregungen, Kritik und weitere Informationen über Geschichte und Geschichten aus der Kirchengemeinde sind jederzeit willkommen.

Auflage: ca. 120