Ausgabe 3 / August 2002

Liebe Leserinnen und Leser des Molpertshauser Lindenblatts

In der dritten Ausgabe erscheint heuer das Molpertshauser Lindenblatt. Wiederum haben wir versucht, Ihnen und Euch interessante und lesenswerte Nachrichten aus der Chronik der Kirchengemeinde zusammenzustellen. In diesem Jahr liegt unser Schwerpunkt "unter dem Berg". Wir sind fest davon überzeugt, dass ein Blick in die Geschichte die Erfahrung bestätigt, dass das Leben immer schon unterschiedlichste Schicksale zeigte. Menschen kamen und gingen, zogen in die Welt, versuchten, ihre Familien zu ernähren, aber auch zu feiern und wo immer möglich, sich des Lebens zu erfreuen. Die Linden, die wir seither in jeder Ausgabe als Titelthemen betrachteten, sind Zeugen dieser Geschichte aus vergangenen Tagen. Heuer verbinden wir die Geschichte der Bäume mit dem Leben der Menschen. Eingehender werden zwei Hofstellen durchleuchtet. Wie viele Menschen mögen schon über die Schwelle dieser Häuser getreten sein. Wie viele wurden in den Häusern geboren und wie viele hat man zum letzten Male über diese Schwelle getragen, um sie auf dem Friedhof zu beerdigen. Die Mauern dieser Häuser könnten von unendlicher Freude, aber auch von tiefem Leid und Enttäuschung erzählen.

Neben diesen Erinnerungen wollen wir mit unserem Lindenblatt aber auch unterhalten, die Gespräche an den Stammtischen und in den Wohnstuben anregen und einen Anstoß geben, sich selbst mit der Vergangenheit etwas mehr auseinander zu setzen. Die Zukunft – auch die Zukunft unserer Kirchengemeinde – so meinen wir, kann besser und überzeugender gestaltet werden, wenn wir unsere Geschichte kennen und uns mit den Idealen unserer Vorfahren vertraut machen.

Wir wünschen Ihnen alles Gute und hoffen, auch mit dem dritten Molpertshauser Lindenblatt Ihnen dienen zu können.

Die Herausgeber Rudolf Schuhmacher und Günter Brutscher

Linde in Rossberg und ein Blick in die Geschichte des Ortes "unter dem Berg"

 

Linde in Oberurbach

 

Kapelle Furt – das Krautland rettete das Furter Glöcklein vor dem Einschmelzen

 

St. Vitus, Patron der Bettnässer

 

Totensteige heute kaum mehr zu finden

 

Frühere Rossberger Steige heute nur noch ein Waldweg 

          

Früherer Schulweg der Oberurbacher und Poppenhauser

Frondienste in Molpertshaus noch bis in die 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts

Gründer der Firma Carl Platz GmbH & Co. KG stammt aus Engetweiler

 

Aufgeschnappt: - Von Hochzeitsschnupftüchern, einem Mord in Molpertshaus und einem Erfrierungstod im Mai           

Der Ort Molpertshaus um das Jahr 1700

"Beklagenswerte Erscheinungen", die Pfarrer Sinz um 1855 notierte

Josef Keller – Landtagsabgeordneter aus Furt

Spätgotischer Molpertshauser Altar im 19. Jahrhundert für 7 Gulden verkauft

Ochsenritt nach Leichenschmaus  

 

 

Linde in Rossberg und ein Blick in die Geschichte des Ortes "unter dem Berg"

In den ersten beiden Ausgaben des Molpertshauser Lindenblattes haben wir die Linden in Mennisweiler, Molpertshaus und auf der Haid vorgestellt. In diesem Jahr wollen wir uns mit zwei Linden "unter dem Berg" befassen. Diese sind zwar nicht so alt und deshalb auch nicht so mächtig. Sie sollen uns allerdings zum Anlass werden, um einiges über deren Besitzer und über die Geschichte von Rossberg und Oberurbach zu erfahren.

Die Linde beim Bräuhaus in Rossberg dürfte etwa 120 Jahre alt sein. Ihr Stammumfang beträgt schon stolze 4 Meter 10. Wahrscheinlich hat der Kastanienbaum im Schattengarten des Bräuhauses eben so viele Jahre auf dem Buckel bzw. in den Wurzeln.

In Rossberg, das seinen Namen übrigens von dem Höhenzug östlich des Ortes hat und wohl schon früher der Ausgangspunkt war, an dem selbst die Rosse ins Schwitzen gekommen sind, wenn sie den Endmöranenzug der Würmeiszeit (vor ca. 15.000 Jahren zu Ende gegangen) erklimmen mussten, stand einstmals nur ein Hof und eine Wirtschaft, nämlich das Bräuhaus. Die Tafel an der Vorderseite der Wirtschaft weist mit der Jahreszahl 1723 auf das Jahr der Erbauung der Wirtschaft hin. Mit ziemlicher Sicherheit stand aber schon wesentlich früher 2

neben dem Hof ein Gebäude. Alte Schriften weisen jedenfalls darauf hin, dass in Rossberg einmal eine Zollstation war (so übrigens auch in Zwings).

Erster nachweisbarer Besitzer war ein gewisser Bernhard Röhlin, der das Bräuhaus von 1713 bis 1732 hatte und somit der Bauherr des heutigen Gebäudes ist. Ihm folgte Heinrich Bendel, der als "Wirt von Furt" bekannt wurde. Zum Bräuhaus gehörten damals sechs Rossbau Felder (was circa 160 bis 180 Morgen entspricht). Es war ein Lehenshof der Fürstlichen Herrschaft Wolfegg. Im Jahre 1771 heiratete Benedikt Birkenmayer aus Schindelbach (bei Bad Saulgau) die Tochter von Heinrich Bendel. Deren Sohn Sebastian Birkenmayer übernahm 1822 Wirtschaft und Hof. Damals wurde die Wirtschaft übrigens "Zum Rössle" genannt. Der Name Sebastian Birkenmayer ist noch heute auf der 177 Jahre alten Glocke der Furter Kapelle zu finden, die vermutlich von eben diesem Sebastian Birkenmayer gespendet wurde. Es war im Jahre 1852/53 als dessen Sohn Alois eine Brauereieinrichtung erwarb und 1864 der heutige Hof Birkenmayer / Koch für einen Bruder des Bräuhausbesitzers abgetrennt wurde. Alois selbst starb 1868, worauf seine Witwe Karl Sonntag aus Wallenreute (heute zur Stadt Aulendorf gehörend) heiratete. Sogleich ging dieser daran, Maßnahmen für den Bau eines neuen Brauhauses mit einem weithin sichtbaren Kamin zu treffen und auch zu verwirklichen, um so die umliegenden Wirtschaften mit Gerstensaft zu beliefern. Dies war zur Zeit des Baus der Bahnlinie. Karl Sonntag ahnte eine weitere Marktlücke und baute im Jahre 1871 die Restauration, die er auch bewirtschaftete. Der Bruder seiner Frau, Friedrich Nold aus Oberurbach, verkaufte dort seinen Hof (heutige Besitzer Familie Fischer-Wild) und erwarb das Bräuhaus samt Landwirtschaft. Er vervollständigte die Brauereianlage mit dem Bau einer Bierkühle und einem überdachten Kellerbau.

Im Jahre 1898, kurz nach dem Tod von Friedrich Nold, übernahm dessen Sohn Friedrich das Anwesen. Er verstarb im Jahre 1917. Die Witwe Rosa Nold (verstorben 1954), geborene Stützle aus Gaisbeuren, führte mit ihren Kindern den Betrieb weiter. Das Bierbrauen wurde allerdings schon 1922 wieder eingestellt. 1962 verstarb der weithin bekannte und geschätzte Friedrich Nold. Sein Bruder Georg, genannt Schorsch, und seine Frau Sieglinde führten Wirtschaft und Landwirtschaft weiter. Weil kein Nachfolger in Sicht war, wurde die Landwirtschaft 1971 verpachtet, 1980 schließlich auch die Wirtschaft. Das imposante Gebäude des Bräuhauses zwischen Rossberg und Furt gelegen, umrahmt von Furtmühle und Poppenhaus, lädt allerdings auch heute noch Einheimische und Frremde zu einer gemütlichen Einkehr ein. Gegenüber der Wirtschaft steht noch heute das 3

1907 abgebrannte und wiederaufgebaute Ökonomiegebäude, in dem früher auch die Pferde der Gäste untergebracht wurden. Heute steht das Gebäude größtenteils leer. Auch die Züge, die seit 130 Jahren durch Rossberg fahren, halten heute nicht mehr. So ändern sich die Zeiten.

Fotos: Damals wohl fast eine Sensation. Ein Auto vor dem Bräuhaus. Das Bild entstand 1912 und zeigt den stolzen Autobesitzer Enzisberger, der in der Nudelfirma Buck in Bonlanden arbeitete, in seinem Dixi T 7, Einzylinder, Coupé, 9 PS. Die Dixi T 7 wurde ab 1905 gebaut und kostete damals 3.800 Mark. Dixi wurde später von BMW übernommen.

Auf der Treppe sind zu sehen: links am Geländer der 1962 verstorbene Friedrich Nold, auf dem Treppenabsatz links vermutlich Friedrich Nold sen. mit seiner Familie, seiner Frau Rosa Nold mit Georg Nold (geb. 1909) auf dem Arm, mit dem weißen Kleid Berta Nold, später verheirate Rudolf, die Mutter des Dirigenten des Liederkranzes Molpertshaus Gerhard Rudolf, auf der Treppe rechts ist der Knabe Joseph Nold zu sehen. Die weiteren Personen auf dem Foto konnten nicht identifiziert werden.

Postkarte vom Bräuhaus mit der Brauerei von Friedrich Nold und der Bräuhaus-Wirtschaft aus dem Jahre 1908.

Linde in Oberurbach

Die Linde auf dem Anwesen Fischer-Wild in Oberurbach wurde erst im Jahre 1948 anlässlich der Hochzeit von Alfred und Resi Wild, geborene Weiland, gepflanzt. Trotz des geringen Alters weist sie einen Stammumfang von 2 Meter 95 auf. Wahrscheinlich dürfte der nahegelegene Urbach der Grund für das enorme Wachstum sein. Wesentlich älter ist der Kastanienbaum vor dem Hause, wie der verstorbene Alfred Wild immer wieder sagte.

Das heute größtenteils verpachtete Anwesen hat eine lange Tradition. Es ist jedoch für den Chronisten schwierig diese Tradition lückenlos nachzuweisen, da Oberurbach bis zum Jahre 1810 zur Stadtpfarrei Waldsee gehörte und somit die Nachforschungen komplizierter werden. Jedenfalls heiratete im Jahre 1798 ein Josef Müller die Maria Anna Hoch aus Poppenhaus. Müller starb bereits 1809. Die Witwe heiratete darauf Peter Wild aus Mattenhaus, der allerdings mit den späteren Besitzern Wild nicht verwandt war. Peter Wild verkaufte den Hof 1827 und zog nach Rötenbach. Das Anwesen wurde von Johann Georg Nold von Engenreute erworben und bis zum Jahre 1867 bewirtschaftet. Danach folgte sein Sohn Friedrich, der im Jahre 1873 einen Teil des Hofes an die ledige Marianne Sonntag von Volkertshaus veräußerte und das Bräuhaus samt Hof in Rossberg kaufte (siehe obigen Artikel). Der veräußerte Teil war das heutige Anwesen Fischer-Wild. Den anderen Teil (heute die alte Hofstelle Kling mit Wohnhaus, das seinerzeit das Pfründnerhaus war) behielt Friedrich Nold noch einige Zeit. Im Jahre 1876 verkaufte er dann auch diesen Hofteil und zwar an Josef Joos aus Haidgau, dessen Tochter dann Johann Georg Leuter aus Bergatreute heiratete.

Das Anwesen Fischer-Wild wurde dann im Jahre 1875 an August Wild aus Volkertshaus verkauft. Ihm folgte im Jahre 1909 sein Sohn Alfred und – wie eingangs schon erwähnt – im Jahre 1948 dessen Sohn Alfred, der vielen aus der Kirchengemeinde Molpertshaus noch in Erinnerung ist. Heute wird die Hofstelle von seiner Tochter mit ihrem Mann und den Kindern bewohnt.

Auf der Anhöhe hinter Oberurbach, unweit des neuen Hühnerhofes, war früher noch ein Bier- und Eiskeller des Bräuhauses, auch ein Überbleibsel aus dem Besitz von Friedrich Nold aus Oberurbach.

Kapelle Furt – das Krautland rettete das Furter Glöcklein vor dem Einschmelzen

Die Kapelle von Furt hat eine schon fast 400-jährige Geschichte. Zweifellos wurde schon im Jahre 1618 (in dem Jahr, als der Dreißigjährige Krieg begann) von einem gewissen Georg Zembrod in Furt eine Kapelle gebaut. Fest steht auch, dass schon im Jahre 1618 ein Acker und ein Krautland für die Unterhaltung der Kapelle gestiftet wurde und eine eigene Kapellenpflege eingerichtet wurde. Es muss allerdings bezweifelt werden, ob es sich dabei 4

um die heutige Kapelle handelt. Jedenfalls wird in den Landvogteiakten von der Erbauung einer Kapelle im Jahre 1733 berichtete.

Wie in den vorhandenen Aufschrieben zu lesen ist, wurde im Jahre 1826 in den Orten Engetweiler, Furt, Furtmühle und Rossberg (wo seinerzeit als einziges Gebäude das Bräuhaus stand) und Sommers für die Errichtung eines Turms mit Glöcklein gesammelt. Aus dem Überschuss konnte sogar noch ein Acker gekauft werden, der als "Glockenacker" bezeichnet wurde. Auf der noch heute läutenden Glocke ist die Jahreszahl 1825 und der Name des Stifters der Glocke und damalige Bräuhauswirt Sebastian Birkenmayer eingraviert.

Neben dem hohen Alter gibt es noch eine andere interessante Geschichte über die Glocke zu berichten. Als im Jahre 1941 drei Glocken der Pfarrkiche Molpertshaus sowie das Glöcklein von Zwings zu Kriegszwecken abgeliefert werden mussten, sollte auch das Furter Glöcklein eingeschmolzen werden. Ein Gesetz rettete den Furtern allerdings ihre Glocke. Es durfte nämlich in jedem Gotteshaus eine Glocke verbleiben, sofern für das Gotteshaus eine eigenständige Verwaltung, also Kapellenpflege, vorhanden war. Und diese war ja, wie oben berichtet, bereits im Jahre 1618 eingerichtet worden. So entging das Furter Glöcklein dem Missbrauch für Kriegszwecke.

Früher muss die Kapelle einmal reich mit kostbaren Figuren und Gemälden bestückt gewesen sein. Dies jedenfalls lässt sich aus einem Stiftungsvertrag aus dem Jahre 1725 und einer Inventurliste aus dem Jahre 1849 erschließen. Heute befindet sich in der Kapelle noch immer ein kostbares Wandkreuz aus dem 17. Jahrhundert, das erst vor kurzem von Frau Hecht-Lang aus Bad Waldsee renoviert worden ist. Zudem befindet sich in der Kapelle eine Sebastians-Figur jüngeren Datums und eine ebenfalls renovierte Vitus-Statue aus dem Jahre 1880, die von einem gewissen Mayer aus Neckarsulm gearbeitet wurde. Der Heilige Vitus oder Veit, wie er im Volksmund genannt wird, gehört zu den Vierzehn Nothelfern, wie auch die Heilige Katharina, die Patronatsheilige der Molpertshauser Pfarrkirche und wurde zu allen Zeiten in der Furter Kapelle besonders verehrt. Früher brachte man die kranken Kinder in die Kapelle, um diese mit einem bereit liegenden Hemdchen, dem sogenannten Veitshemdchen, zu berühren oder zu bekleiden. Dafür wurde ein neues Hemdchen geopfert. Der Überlieferung nach gab es viele Heilungen.

St. Vitus, Patron der Bettnässer

Der Heilige Vitus ist wohl der jüngste Märtyrer im Kreis der vierzehn Nothelfer, der vermutlich nur sieben Jahre alt wurde und im Jahre 304 starb. Die Darstellung des Heiligen mit einem Kessel, manchmal auch in einem Kessel stehend, weist auf das Martyrium des Knaben hin. Anscheinend ließ Kaiser Diokletian Vitus mit seinen Gefährten in einen Kessel mit siedendem Öl werfen. Sie blieben allerdings unversehrt und konnten auch nicht von einem Löwen getötet werden. Ob Vitus schließlich enthauptet wurde oder doch eines natürlichen Todes starb, ist nicht eindeutig geklärt.

Jedenfalls gilt Vitus, dessen Gedenktag am 15. Juni ist, als Patron der Lahmen und Blinden, von Prag, Böhmen und Sachsen, aber auch als Patron der Winzer, Bierbrauer, Apotheker und Haustiere. Zudem gilt er als Helfer bei Nervenkrankheiten, Epilepsie, Veitstanz, Schlangbiss, Augen- und Ohrenkrankheiten, bei Tollwut und Unfruchtbarkeit und für die Bewahrung der Keuschheit. Außerdem wurde er als Helfer bei Unwettern, Blitz und Feuergefahren sowie für eine gute Aussaat und eine gute Ernte angerufen.

Eine Besonderheit ist das Patronat des Heiligen gegen das Bettnässen, was wohl auf die Darstellung des Vitus in oder mit einem Kessel zurückgeht. Dieser Kessel wurde anscheinend fälschlich als Nachtopf gedeutet. So war im Volksmund dann auch ein Verslein geprägt, das immer wieder verwendet wurde: "Heiliger Sankt Vit, weck mich zur Zit, nit zu früh und nit zu spot, dass es nit ins Bett nein got." 5

Totensteige heute kaum mehr zu finden

Einstmals war die "Totensteige" ein Begriff für jeden Einwohner von Mennisweiler oder Rossberg. Mittlerweile wissen offensichtlich nur noch wenige, was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt. Die Totensteige war der Weg, auf dem die Verstorbenen von Giesenweiler, Furt, Engetweiler, Rossberg und Poppenhaus nach Haisterkirch gebracht wurden, um dort beerdigt zu werden. Benutzt wurde dieser heute zum größten Teil überwucherte Weg in der Zeit, als Molpertshaus noch keine eigene Pfarrei war, also bis ins 18. Jahrhundert. Zu finden ist die "Totensteige", wenn man von Mennisweiler aus Richtung Bläsiberg geht. Dabei biegt man allerdings nicht nach rechts ab, um das letzte Stück hoch zum Wasserreservoir zu gehen, sondern geht geradeaus weiter in den Wald. Schon nach wenigen Metern lässt sich auf der linken Seite eine grabenähnliche, mittlerweile bewachsene Vertiefung erkennen. Diese war ursprünglich ein Weg, nämlich die Verlängerung der "Totensteige". Nach circa 300 Metern kreuzt dieser ehemalige Weg den heute angelegten Waldweg an der Stelle, wo scharf nach rechts ein mit Kies befestigter Weg abzweigt. Jetzt geht es wiederum in einem "Hohlweg" nach unten. Ältere Mennisweiler wissen noch, dass dieser für heutige Maßstäbe schmaler Weg einstmals befahren wurde. Nach etwa 100 Metern kommt man an einen mit Teer befestigten Bahnübergang. Vermutlich gabelten sich ab dieser Stelle die Wege Richtung Poppenhaus nach rechts und Rossberg nach links (die Bahnlinie wurde selbstverständlich erst viel später erbaut und erstmals im Jahre 1904 befahren!). Auf der Anhöhe (also wieder in umgekehrter Richtung) führte der Weg vermutlich am Fuße des Hangs zum Bläsiberg (heute mit Kies befestigte Straße) über die Bahnlinie hinweg entlang des Waldes in Richtung Haisterkirch. Wo die heutige Verbindungsstraße nach Hittisweiler in den Wald geht, bogen vermutlich auch unsere Vorfahren mit dem Leichenzug auf diese schon lange bestehende Straße nach Haisterkirch.

Frühere Rossberger Steige heute nur noch ein Waldweg

Viele halten die ehemalige Rossberger Steige für den einstmaligen "Totensteige". Diese Vermutung stimmt nicht, wie obiger Artikel bestätigt. Die frühere Roßberger Steige ist noch heute zu erkennen. Sie führt – von Mennisweiler Richtung Bergatreute kommend – genau dort, wo unmittelbar nachdem man in den Wald eingefahren ist, eine mit einem Schild ausgewiesene Linkskurve zu bewältigen ist. Die frühere Roßberger Steige ging an dieser Stelle gerade aus weiter, was noch heute gut zu sehen ist. Vermutlich war diese Steige zu steil, sodass beim Bau der jetzigen Straßenführung mehrere Kurven angelegt wurden, um den Anstieg bewältigen zu können. Man kann sich sehr wohl vorstellen, dass die ehemalige Steige auch für zugkräftige Rosse (vgl. den Namen Rossberg) ein echtes Hindernis war.

Früherer Schulweg der Oberurbacher und Poppenhauser

Noch vor einigen Jahrzehnten war es wohl durchaus selbstverständlich, dass auch die Oberurbacher und Poppenhauser Schüler per pedes nach Molpertshaus in die Schule kamen. Dabei mussten sie ein ordentliches Stück Weg zurücklegen. Sie gingen von Oberurbach aus rechts an Poppenhaus vorbei auf dem noch heute zu erkennenden landwirtschaftlichem Weg, überquerten dann die Bahnlinie und gingen dem Wald entlang weiter. Nach etwa 200 Metern überquerten sie die Straße und stiegen steil bergan im Wald auf den Endmoränenzug. Der "Einstieg" in den Wald ist noch heute zu erkennen. Dieser liegt nur wenige Meter unterhalb einer "Kieskiste". Von dort aus ging es hoch nach Molpertshaus. Nach dem Wald ging es auf dem heutigen landwirtschaftlichen Weg weiter, vorbei an dem Flurkreuz bis ins Dorf hinein. Beim Hof Lay kamen sie auf die Straße und hatten dann nur noch wenige Meter zu bewältigen. 6

Frondienste in Molpertshaus noch bis in die 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts

Noch bis in die 70-er Jahre des vergangenen, also des 20. Jahrhunderts, gab es auch in Mennisweiler noch "Frondienste". Frondienste gab es übrigens schon seit uralten Zeiten. Hatte ein Untertan von seinem Lehensherr (oftmals ein Graf oder Fürst oder auch ein Kloster, wie etwa das Kloster Weingarten oder Schussenried, zuweilen auch Spitäler) ein Gut zur Bewirtschaftung erhalten, so musste er nicht nur den Groß- und Kleinzehnten quasi als "Pachtzins" abgeben, sondern auch noch Frondienste verrichten. Dies waren unentgeldliche Leistungen von Hand oder mit dem Fahrwerk (sogenannte Spann- oder Fuhrfrondienste für den Lehensherr (z. B. im Wegebau, im Wald, bei der Jagd, wenn die Bauern als Treiber zur Verfügung stehen mussten oder auch beim Bestellen der herrschaftlichen Felder usw.). Die Zahl der Frontage war je nach Herrschaft sehr unterschiedlich. Sie lag wohl zwischen einem bis zu 60 Tagen im Jahr. Problematisch für die Untertanen war, dass sie die Fron eben gerade auch während der Erntezeit zu leisten hatten, also neben der Bestellung der ihnen für die Eigenversorgung übertragenen Felder auch noch für die Herrschaft arbeiten mussten.

So gab es etwa im Jahre 1687 eine Beschwerde der Rother Untertanen Hans Kübele und Hans Schwarz aus Molpertshaus gegen die Heranziehung zum Frondienst durch die Fürstliche Herrschaft Wolfegg. In einem Rechtsstreit wurde damals festgestellt, dass die beiden Rother Untertanen nach einem Erlass aus dem Jahre 1607 zu behandeln seien, nach dem sie ihren Frondienst mit Geld zu begleichen hatten. Die Fron mit Geld abzugleichen war durchaus auch üblich.

Sogenannte Frondienste gab es schließlich noch bis in die 60-er und 70-er Jahre. Diese waren vornehmlich bei den Gemeinden, etwa bei der bis 1972 noch selbstständigen Gemeinde Mittelurbach, angesiedelt. Seinerzeit war ein "Fronmeister" dafür zuständig, dass die anfallenden Arbeiten bei der Gemeinde von Leuten, die er quasi "anheuern" musste, verrichtet werden. Diese arbeiteten zuletzt allerdings gegen einen geringen Lohn, der meistens von der Steuerschuld abgezogen wurde. Frondienstarbeiten waren z. B. das Schneeräumen, das Aufkiesen von Wegen oder das Ausputzen von Gräben.

Der letzte Mennisweiler Fronmeister war Alois Sonntag, der Vater von Paul Sonntag.

Gründer der Firma Carl Platz GmbH & Co. KG stammt aus Engetweiler und hat in Rossberg den Beruf des Bierbrauers erlernt

Bei den Recherchen zur diesjährigen Ausgabe des Molpertshauser Lindenblattes ergab sich, dass der Gründer der renommierten Carl Platz GmbH & Co.KG (Platz-Fertighäuser) aus Engetweiler stammt. In der im Internet veröffentlichen Chronik der Firma ist nachfolgendes zu lesen.

Carl Platz wird am 16. Juli 1847 als Sohn des Landwirts Johann Baptist Platz in Engetweiler im Oberschwäbischen geboren. Sein Geburtshaus ist mittlerweile im Besitz der Familie Rold. Weil für ihn keine Aussicht besteht, die elterliche Landwirtschaft weiterzuführen, erlernt er nicht nur einen, sondern gleich zwei Berufe: im Sommer den des Zimmermanns im Zimmergeschäft Rebholz im neun Kilometer entfernt gelegenen Ort Waldsee und im Winter, wenn es dort wenig zu tun gibt, den des Bierbrauers in der Brauerei in Rossberg.

1867 kommt Carl Platz nach Saulgau, wo er 1874 die herabgewirtschaftete Brauerei 'Zum Ochsen' kauft und damit endgültig ortsansässig wird. 1874 ist auch das Jahr, in dem die ganze Familie Platz nach Saulgau umzog. Noch im gleichen Jahr heiratet er Anna Maria Brauchle aus Mittelurbach bei Waldsee. Obwohl die äußeren Lebensumstände keineswegs einfach sind, lassen sich die beiden nicht entmutigen, sondern verfolgen ebenso klug und energisch wie ausdauernd das Ziel, es zu etwas zu bringen.

Als gelernter Zimmermann hegt er außerdem den Wunsch, den Holz-7

Reichtum der Gegend zu nutzen und in Saulgau ein Sägewerk zu errichten. Im Süden der Stadt Saulgau findet Carl Platz 1891 einen guten Lagerplatz mit Bahnanschluss. Zum Ressourcen-Reichtum der Gegend und der in Aussicht stehenden guten Rentabilität eines Sägewerkes kommt noch hinzu, dass seine Gesundheit die Arbeit in der Brauerei mit den großen Temperaturunterschieden (Sudraum und Eiskeller) auf die Dauer schlecht verträgt. Seine Gastwirtschaft "Zum Ochsen" wird er trotzdem noch bis zum Jahre 1894 bewirtschaften.

So legte Carl Platz schon vor über 110 Jahren den Grundstein für das heutige Unternehmen, das jetzt in der fünften Generation geführt wird. Im Jahre 1931 entstand dann das erste vorgefertigte Platz-Haus.

Quelle: http://www.platz.de/firma/geschichte.html

Fotos: Geburtshaus von Carl Platz (heute Haus Rold); Carl Platz

Aufgeschnappt: - Von Hochzeitsschnupftüchern, einem Mord in Molpertshaus und einem Erfrierungstod im Mai

1556 Den Roth'schen Untertanen, zu denen auch Molpertshaus gehört, wird verboten, Wirtschaften und Tavernen zu halten und zwar "für ewige Zeiten und Tage".

1771 Nach den allgemeinen Statuten von 1771 sollen künftig dem Abt und den geistlichen und weltlichen Räten keine Hochzeitsschnupftücher mehr gebracht werden. Bei Hochzeiten war es nämlich üblich, jedem Gast ein Schnupftuch zu schenken, um darin das nicht verzehrte Essen einwickeln und mit nach Hause nehmen zu können.

1816 Benedikt Hoch, ein Bruder des damaligen Wirts des Gasthauses zum Adler, wird im Brächele beim Holzfällen durch einen mörderischen Schuss getötet. Der Täter wurde nicht ermittelt.

1819 Nach 13 Jahren gibt es erstmals wieder eine Firmung in Molpertshaus. Der Grund für die lange Unterbrechung waren "die schlechten Zeiten".

1822 Der Pfarrrer und die Ortsvorsteher sammelten von Haus zu Haus für die Anschaffung einer Orgel in Molpertshaus. Ergebis: 150 Gulden. Die Orgel kostete 350 Gulden und konnte 1824 eingeweiht werden.

1823 Beim Brand des Anwesens Schöneberger in Mennisweiler (vermutlich heutige Wirtschaft „Zur frohen Aussicht") verbrannte bzw. verschmolz nicht nur die Glocke der ehemaligen Eligius-Kapelle, sondern auch einige tausend Gulden an Geld. Für die damalige Zeit eine fast unvorstellbare Summe.

1827 Lehrer Fröhlich wird als Schulleiter von Molpertshaus bestimmt. Das Kloster Roth sowie der Patronatsherr Graf von Warthenberg-Errbach mussten dem zustimmen.

1824 Ein Mann im Alter von 77 Jahren erfriert im Monat Mai.

1849 In Mennisweiler wird der Gemeindewald verteilt (oberhalb der heutigen Linie der Häuser Harsch, Luibrand und Mauchers Weiher). Diese Grundstücke waren größtenteils mit Gebüsch überwachsen. Jeder Bauer konnte einen Teil erwerben, diesen roden und somit landwirtschaftlich nutzbar machen (siehe heutiger Zustand).

1853 Neue Mode in der Pfarrei. Die Grabsteine auf dem Friedhof wurden mit Ziegelsteinen gemauert und die Grabhügel mit Blumenstöcken bepflanzt.

Der Luxus in Kleider und Hausrat greift stark um sich, wie kaum in einer anderen Gemeinde, vor allem bei den Frauen. Die Männer beklagen sich darüber. Grund: Die Bauern hatten aufgrund der Zehntablösung wieder Geld.

1854 Schrecklicher Hagelschlag am 31. Mai über Eintürnen, Mennisweiler und Haisterkirch. An der Kirche wurden auf der Südseite sämtliche Fenster zertrümmert. In Mennisweiler musste das Wintergetreide umgepflügt werden.

1855 Vor der Vereinödung wurde in Molpertshaus beim erstmaligen Austreiben des Viehs der Pfarrer von der Gemeinde hinausbegleitet und das Vieh gesegnet. In den meisten Ställen wird ein Geißbock gehalten wegen der Anziehung des Ungeziefers. 8

1867 Mitte Juli starker Reif und im September Schnee.

1870 Der Pfarrer (Karl Breitenbach) bemängelt, das viele während der Predigt lieber vor der Kirche stehen.

1877 Die Pfarrei wächst infolge der Einrichtung der Eisenbahn von 517 Seelen im Jahre 1869 auf 624 Seelen im Jahre 1877.

1888 Die Haarmode der "Simpelfransen" wird vom Pfarrer bemängelt.

1900 Lehrer Salat wird mit 72 Jahren pensioniert.

Das Amt des Orgeltreters wird ausgeschrieben. Besoldung: 20 Mark im Jahr

1901 Der Kirchstiftungsrat genehmigt, dass die zwei hintersten Bänke auf der Männerseite an Sonn- und Feiertagen von den Frauen benützt werden. Letztes Jahr war also das 100-jährige Jubiläum dieser Genehmigung, die bekanntlich auch heute noch wahrgenommen wird.

1904 Am 20. Juni gibt es die erste Bahnfahrt von Rossberg nach Wurzach.

1922 Am 16. Februar 1922 wird ein Frauenbund gegründet. Erste Vorsitzende wird Fräulein Mechthilde Krieger, eine Schwester des Pfarrers. Die letzte Eintragung im Vereinsbuch datiert vom 19. Januar 1927.

1928 Anschaffung einer elektrischen Heizung in der Kirche.

1963 Gründung des Blutreitervereins

Die Ölleitung wird durch die Südpetrol verlegt und führt auch durch unsere Gegend.

Der Ort Molpertshaus um das Jahr 1700

Im Jahre 1701 gab es in Molpertshaus nachweislich zwölf Höfe. Das Kloster Schussenried war mit sieben Höfen der größte Lehensherr im Ort, wie es in einem Rodel (=Schriftstück) des Klosters aufgezeichnet ist. Woher diese Besitzungen kamen, erklärt ein Vertrag vom 14. Juli 1371, in dem es heißt: "Hans von Molbrechtshusen stiftete dem Kloster Schussenried zu einem Almosen und Seelgerät zu Trost und Hilfe und zur Förderung seines ewigen Lebens sein Dorf, gelegen an der Heide, genannt "Molbrechtshusen", Leute und Gut mit Zugehörde, Zwingen und Bäumen, mit aller Ehafte und Eigenschaft, mit Nutzen und Gewohnheiten."

Drei weitere Höhe gehörten dem Kloster Rot, die für den Unterhalt der kirchlichen Gebäude verantwortlich waren. Ein Hof und ein Söldengütlein waren dem Truchsess zu Wolfegg unterstellt, der auch die Gerichtsbarkeit über das ganze Ort inne hatte. Den Amann (Ortsvorsteher) und später Anwalt stellten jedoch die sieben Untertanen von Schussenried. 9

Die Lehensträger von Rot und Wolfegg hatten kein Stimmrecht, was zu vielen Anfeindungen und Streitigkeiten auf höherer Ebene führte.

Alle Untertanen, gleich welchem Lehensherr sie angehörten, hatten ihre "Gülth" oder "Landgarb" zu begleichen. Allerdings mussten die Molbrechtshuser weniger abgeben, "aus Ursach, weil allda lauter rauhe Felder und meistensteils nur so genannte Heydäcker sind".

Nachfolgende Tabelle zeigt die Namen, die Größe, die damaligen Lehensträger und die heutigen Besitzer der Schussenrieder Höfe.

Haus-Nr. Hofname Größe des Hofes Lehensträger 1701 heutige Besitzer

Jauchert / Morgen

3 St. Silentiarius 62 / 94 Hans Kuenzer Kraft / Albrecht

6 St. Pachomius 59 / 89 Andreas Frisch Klara Schattmayer

5 St. Hospitus 39 / 59 Georg Meutelin Franz Müller

7 St. Pontius 22 / 34 Jacob Frisch Oskar Lohr

4 St. Anthimus 39 / 59 Georg Kuenzer Schattmayer/Binder

1 St. Simpertus 31 / 47 Martin Mentz Ida Holzwarth

2 ½ St. Isacius 35 / 51 Michael Mayr Anton Butscher

Die Häuser 1, 4, 5 und 6 standen an dem Standort, wo sie heute noch stehen.

Das Haus mit der Nummer 3 (heute Kraft/Albrecht) war von Nord nach Süd ausgerichtet.

Das Haus mit der Nummer 2 ½ (heute Anton Butscher) war ebenfalls von Nord nach Süd gerichtet und stand etwa dort, wo heute das Haus Scheich steht.

Das Haus mit der Nummer 1 betrifft nur die obere Hofstelle.

Das Haus mit der Nummer 5 (heute Franz Müller) war 1701 wohl die einzige Wirtschaft im Ort.

Die damaligen Hofnamen sind heute noch größtenteils auf den Flurkarten zu finden.

Über die drei Lehenshöfe des Klosters Rot wissen wir weitaus weniger. Ein Gut wurde vom Mesner betrieben. Das zweite Gut, das sogenannte Widdumgut brannte am 16. November 1766 bis auf die Grundmauern nieder und wurde nicht mehr aufgebaut. Der Standort war vermutlich an der Straße nach Mennisweiler (Flurname Widdum!). Das dritte Besitztum des Klosters Rot dürfte am Platz des heutigen Hauses Hecht (gegenüber Haus Schüle) gestanden haben. Es brannte 1878 durch Brandstiftung ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Ein Lehenshof des Truchsessen von Wolfegg war das spätere Anwesen Birkenmayer / Erb / Kraft mit einer Größe von zwei Rossbau, also etwa 50 Morgen im Jahre 1638. Damaliger Lehensträger des Hofes St. Leopold war Jörg Hubrecht und anschließend Urban Mahle und Michael Felder. Im Jahre 1899 ging das Anwesen in den Besitz von Benedikt Birkenmayer über. Über den zweiten Wolfegger Hof wissen wir wenig. Vermutlich war es das jetzige Anwesen Kessler. Der Standort war bis 1873 allerdings dort, wo sich heute das Wohnhaus Holzwarth befindet.

Außer diesen zwölf Höfen stand in Molpertshaus um 1700 nur noch die Kirche.

"Beklagenswerte Erscheinungen", die Pfarrer Sinz um 1855 notierte

Beklagenswerte Erscheinungen, gegen welche teilweise schon öfters angekämpft wurden, sind folgende: Das Weibervolk und zwar besonders die alten Weiber unter der Emporekirche verraten eine fürchterliche Geschäftigkeit vor, während und nach dem Gottesdienst an Sonn- und Werktagen, als ob es das Stelldichein zur Aufbauschung aller die Woche über aufgeschnappten Skandale wäre. Die ledigen Weibsleute sammeln sich vor dem Gotteshaus im Vorzeichen und um dasselbe herum, sodaß oft schwer durch sie durchzukommen ist, und durch ihr ungemeines Zwitschern die andächtigen Beter in der Kirche gestört sind. 10

1854 Luxus: Ein Bauer lässt seine Gemächer ausmalen, ein Wirt sein Gastzimmer.

1854 Erstmals ewige Anbetung. Am 24. Juli wurde auf bischöfliche Anordnung erstmals die ewige Anbetung gefordert und wurde in jeder Stunde von 30 bis 55 Personen besucht. Einige wohnten zwei bis drei Stunden der Andacht bei.

Auf Weihnachten 1855 erschienen zu den drei vorhandenen drei weitere Bäuerinnen in Wickelmänteln, wovon zwei als Anhängsel noch eine Boa hatten. Große Silber- und Goldhauben lassen sich meistens an den Fingern zählen.

1856 Es sind acht Handwerksleute, welche zugleich Tagwerkerdienste tun und sechs bloße Tagwerker mit wenig Feld. Vier Familien ohne irgend einen Feldbesitz. Vom Sticken nähren sich teilweise vier in Mennisweiler, drei in Zwings, zwei in Furt, fünf in Molpertshaus. Vom Spinnen drei, vom Nähen zehn Personen, vom Bändelwirken zwei, vom Viktualienhandel (Viktualien ist eine alte Bezeichnung für Lebensmittel) eine.

1855 Im Jahre 1855 wurde eine neue Treppe zum Eingang der Kirche angebracht. Diese Rorschacher Platten wurden mit der Bahn nach Durlesbach befördert und von dort mit acht Mähnen (=Pferdegespanne) abgeholt. Dabei wurde beim Wirt Stüzle in Gaisbeuren Halt gemacht und für Fuhrmann und Pferde gab es eine Stärkung. Bei dieser wurden 4 ¾ Maß Bier, 4 ½ Brot und 3 Pfund Käs verzehrt. Kosten 2 Gulden und 13 Kreuzer. Das Futter der Pferde kostete 20 Kreuzer. Nach dem Abladen bei der Kirche wurde noch einmal eingekehrt und 5 ½ Maß getrunken, aber nur noch ½ Pfund Käs verzehrt. Die Pferde wurden im Gaststall des Wirtes Obermayer (Oberer Wirt) untergebracht und dafür 9 Kreuzer bezahlt.

Josef Keller – Landtagsabgeordneter aus Furt

In den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts war Josef Keller aus Furt in zwei Wahlperioden württembergischer Landtagsabgeordneter. Von 1920 bis 1924 war der Zentrums-Politiker des Wahlkreises Waldsee-Leutkirch-Wangen im Landtag, wo er seit 1921 Mitglied im "Sonderausschuss für das Fideikommißgesetz" war. Das Fideikommiß war einstmals ein unveräußerliches und unteilbares Stammgut, also insbesondere Grundbesitz und Wälder, das vornehmlich Adeligen gehörte. Das Gesetz regelte die Möglichkeit, diese Großgrundbesitzungen zu veräußern, um dann Flächen für öffentliche Belange erwerben zu können.

Josef Keller war später von 1925 bis 1928 noch einmal Landtagsabgeordneter, nachdem er am 18. November 1925 als Nachfolger des ausgeschiedenen Dr. Ludwig Baur nachrückte. Von Beruf war Keller Landwirt und Mechaniker. Er verkaufte und reparierte insbesondere Nähmaschinen und Fahrräder. Der mit Cäcilie Fischer (1876-1952) verheiratete Keller wurde am 17. April 1873 in Furt als Sohn des Schusters Alois Keller (1823 bis 1902) und dessen Ehefrau Justina, geborene Depfenhardt, geboren. Der Vater von fünf Kindern hatte selbst keine Geschwister. Keller, ein besonnener und zugleich bestimmt auftretender Mann, wirkte auch in der Kirchengemeinde engagiert mit und war später noch viele Jahre als "passives Ausschussmitglied" in der Vorstandschaft des Musikvereins Molpertshaus. Im Alter von 88 Jahren verstarb Josef Keller am 10. Dezember 1961.

Quelle: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815 –1933, bearbeitet von Frank Raberg, W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 2001, Seite 431.

Foto: Der Abgeordnete Josef Keller 11

Spätgotischer Molpertshauser Altar im 19. Jahrhundert für 7 Gulden verkauft

Es ist bekannt, dass in der Kunstsammlung des früheren Pfarrers und Dekans Johann Georg Martin Dursch (1800 bis 1881) im Rottweiler Dominikanermuseum (Adresse: Am Kriegsdamm, 78628 Rottweil) auch ein Altarschrein aus Molpertshaus zu sehen ist. Dieser etwa im Jahre 1490 entstandene Altarschrein ging um das Jahr 1840 an den Kunstsammler Dursch. Schon im Jahre 1884 gab es zwischen dem damaligen Molpertshauser Pfarrer Johannes Nepomuk Mennel (1816 bis 1895, Pfarrer in Molpertshaus von 1875 bis 1895) und dem offensichtlich mit Molpertshaus verbundenen Pfarrer Sonntag (er spricht in einem Brief von seiner früheren Heimat) einen Briefwechsel in der Angelegenheit des Molpertshauser Altars. In einem Antwortschreiben auf den Brief von Pfarrer Mennel vom 12. Oktober 1884, in dem dieser "förmlich um nähere Mitteilung" bittet, "wann, wie, wo durch wen ob er (Pfarrer Dursch) diesen Altar erkauft worden sei", schreibt Pfarrer Sonntag, dass der Käufer des Altars, Pfarrer Dursch, diesen "auf der Kirchenbühne unter allerlei alten Geräten aufgefunden und denselben um 7 Gulden (12 Mark) angekauft" habe. Von wem er ihn gekauft habe, wusste Pfarrer Sonntag nicht. In einer "Nachschrift" verweist er darauf, dass der Altar von Dekan Dursch um das Jahr 1840 gekauft wurde. Das bedeutet, dass wohl Pfarrer David Haupt (von 1814 bis 1848 Pfarrer in Molpertshaus) diesen verkauft hat. Woher der Altar stammte, bleibt weiterhin unklar. Unwahrscheinlich ist, dass dieser aus der ehemaligen Eligius-Kapelle von Mennisweiler stammt, weil diese zu schmal für den zwar eher kleineren, aber breiten Flügelaltar war. Wohl eher stammt der Altar aus der Mutterkirche Haisterkirch und wurde dann wohl im Jahre 1611 bei einer Renovation nach Molpertshaus gebracht. Es ist anzunehmen, dass im Zuge der barocken Ausgesaltung der Molpertshauser Kirche im Jahre 1738 (aus dieser Zeit sind übrigens noch einige Kirchenbankwangen in der Kirche zu finden) der Altar wieder entfernt und auf den Dachboden gebracht wurde. Der Altar stammt von einem Allgäuer Meister und zeigt in der Mitte einen aus Lindenholz geschnitzten Gnadenstuhl (Gottvater mit dem Schmerzensmann). Rechts ist eine Skulptur der Heiligen Scholastika, links davon die der heiligen Barbara (mit Kelch). Gemalte Tafelbilder der Altarflügelinnenseite zeigen links die Heilige Agathe (mit einer Kerze) und rechts die Heilige Maria Magdalena (mit dem Salbgefäß). An Werktagen wurden die Schreintüren des Altars geschlossen, sodass die Skulpturen und die beiden Heiligen Scholastika und Agathe nicht zu sehen waren. Dann zeigten sich auf den Flügelaußenseiten die Heilige Apollonia (mit Zange und Zahn) und die Kirchenpatronin, die Heilige Katharina (mit Schwert).

Übrigens: Pfarrer David Haupt hat sich anscheinend nicht als großer Kunstliebhaber einen Namen gemacht. Nicht nur, dass er den wertvollen spätgotischen Altar verkaufte, er ist wohl auch verantwortlich für die Kirchenrenovation im Jahre 1846, bei der nach einer Notiz in der Chronik "zwar viel gemalt aber auch viel verdorben" wurde. Der anscheinend "wunderschöne barocke Stil" wurde bei der Renovation wieder zunichte gemacht. Schade!

Quelle: Willi Stähle, Schwäbische Bildschnitzkunst I der Sammlung Dursch Rottweil, Katalog, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Rottweil, Band 8, Rottweil 1983, S. 131 – 139.

Fotos: Das Rottweiler neue Dominikanermuseum, in dem der Molpertshauser Altarschrein heute aufbewahrt wird. Molpertshauser Altar mit den Figuren und den Tafelbildern. 12

Ochsenritt nach Leichenschmaus

Immer wieder wird an Stammtischen von dem legendären Ochsenritt einiger Männer aus der Kirchengemeinde gesprochen, die nach einem Leichenschmaus offensichtlich etwas übermütig wurden. Jetzt konnte Rudolf Schuhmacher die näheren Umstände des damaligen Geschehens ergründen. Es war nach der Beerdigung von Alois Ruf aus Mennisweiler, also am 9. Dezember 1935. Der Liederkranz Molpertshaus geleitete sein Mitglied Alois Ruf zur letzten Ruhestätte und ging anschließend ins Gasthaus "Hirsch", also zum "Unteren Wirt" zum Totenmahl. Nach geraumer Zeit, aber offensichtlich noch bei Tageslicht, verließen einige der Trauergäste das Wirtshaus, wohl weil sie in den Stall mussten. Sie kamen allerdings nur bis Holzwarths Hof. Dort gab es einen gar stattlichen Ochsen. Es wird wohl eine Wette gewesen sein, die die zwei "Ochsenreiter" Georg Nold vom Bräuhaus und Max Rist aus Mennisweiler dazu bewogen, auf den Ochsen zu steigen und in Begleitung der übrigen auf dem Bild fotografisch festgehaltenen Personen wieder zum "Unteren Wirt" zurückzukehren. Bemerkenswert dabei ist, dass sie mitsamt dem Ochsen das Gasthaus besuchten. Wie's dann weiterging, entzieht sich allerdings der Kenntnis des Schreibers dieser Zeilen.

Foto: Ochsenritt vor Holzwarth's Hof; v. l. n. r. Karl Boffenmayer aus Furt, Josef Gnannt aus Molpertshaus, auf dem Ochsen sitzend Georg Nold vom Bräuhaus in Rossberg, Max Rist aus Mennisweiler, sitzend neben dem Ochsen Gebhard Gyrai aus Engetweiler, ganz hinten und kaum zu erkennen Konstantin Motz aus Molpertshaus, mit Hosenträgern Georg Holzwarth aus Molpertshaus, daneben Josef Ritscher aus Furt, Bonifaz Birkenmayer aus Molpertshaus und Georg Nold von der Restauration in Rossberg.