Ausgabe 5 / August 2004

Liebe Leserinnen und Leser des Molpertshauser Lindenblatts!

Wiederum pünktlich zum Lindenfest des Musikvereins Molpertshaus erscheint die diesjährige Ausgabe des Lindenblatts. Heuer ist Engetweiler die Ortschaft der Kirchengemeinde, über die nähere Einzelheiten zu erfahren sind.

Wissen Sie, was die Menschen aus unserer Kirchengemeinde früher gegen die Engerling- und Mäuseplage getan haben? Wissen Sie, dass ein Mennisweiler schon einmal die Ehre hatte, die Heilig- Blut-Reliquie in Bad Wurzach zu tragen? Wissen Sie, warum der Standort des früheren Schulhauses und heutigen Proberaums des Musikvereins einstmals heftig umstritten war? Wissen Sie, dass es schon einmal mit einer Geldstrafe belegt wurde, auf die Kirchenempore zu gehen? Nein? Dann wird es höchste Zeit, das fünfte Molpertshauser Lindenblatt zu studieren. Wir wünschen viel Spaß und hoffentlich anregende Unterhaltungen über die Zeit vor unserer Zeit...

Die Herausgeber des Molpertshauser Lindenblatts

Rudolf Schuhmacher und Günter Brutscher

Die Linde in Engetweiler und die Geschichte des Dorfes

Rosa und Andreas Hirler aus Engetweiler

 Auf der Stör

Aufgeschnappt – aus der Chronik und den Verkündbüchern

Fußwallfahrt nach Maria Steinbach

Priester und Ordensleute – Berufungen aus unserer Gemeinde

Streit zwischen den Zwingsern / Haidern und dem Prälaten vom Kloster Rot

Viehsegnungen früher

Die Vereinödung

Geschichte des Blutreitervereins Molpertshaus

40 Jahre Fußballverein Molpertshaus

 

Die Linde in Engetweiler und die Geschichte des Dorfes

Die Engetweiler Dorflinde wurde 1949 gepflanzt und steht mitten im Dorf. Ihr Stammumfang in einer Höhe von einem Meter beträgt 1,65 Meter. Ihr geringes Wachstum ist wohl auf Wassermangel (Kreuzung mit Teerfläche) zurückzuführen. (vgl. die Linde auf dem Hof Fischer-Wild, die 1948 gepflanzt wurde und bereits einen Stammumfang von 2,95 Meter aufweist).

1364 – In einem Rodel vom Jahre 1534 steht geschrieben, dass das Chorstift Waldsee seit dem Jahre 1364 einen Hof in Engetweiler besitzt. 1382 – Die Witwe Ursula Beck in Waldsee war eine besondere Wohltäterin und Gönnerin des Chorstiftes von Waldsee. Sie war eine reiche und wohltätige Bürgerin und verfügte über viele Güter. Zu einer ewigen Pfründe stiftete sie unter anderem ein Gut zu Engetweiler dem Chorstift.

1527 – Ein Jakob Gresser wird als Heiligenpfleger der „Kirchenfabrik" Molpertshaus genannt. Er war aus Engetweiler.

1618 - Die Kapelle von Furt (damals Kapelle von Engetweiler) wird von Georg Hembrod gebaut.

1720 – Engetweiler gehörte bis 1764 zur Pfarrei Haisterkirch. Dort wurden auch die Toten beigesetzt. Der Zehnte musste also teilweise weit gefahren werden. Die Landvogtei Schwaben, das Reichsgotteshaus Baindt und das Reichsgotteshaus Rot, also die drei Grundherren, beschlossen deshalb, gemeinsam einen Zehnstadel in Engetweiler zu errichten, um dort die Zehntfrüchte zu lagern.

Der entsprechende Vertrag wurde am 23. Oktober des Jahres 1720 von Seiten der Engetweiler Gemeinde von Hansjörg Ott, Hans 2

Michael Felder, Michel Hirle und der Witwe des verstorbenen Johann Sommer, sowie von Josef Felder von Poppenhaus unterschrieben.

Erstellt wurde der Stadel im Jahre 1821 auf dem Grundstück des Bauern Michael Felder (heute Hof Weber), dem dafür auf 40 Jahre das Stroh von hundert Garben Hafer und hundert Garben Vesen überlassen wurde.

Damals gab es in Engetweiler vier Höfe und vier Sölden. Vermutlich wurde dabei der Hof in Sommers mitgezählt.

Die Oberamtsbeschreibung notiert für Engetweiler: Katholischer Weiler mit 29 Einwohnern; gehörte früher zum Kloster Weingarten und zu Waldsee.

1764 – Engetweiler kommt zum neu gegründeten Vikariat in Molpertshaus

1850 – Um das Jahr 1850 wurden die Zehntabgaben abgeschafft und somit war der Zehntstadel überflüssig. 1853 wurde er an Fidel Gaupp verkauft und dazu noch 30 Morgen Feld vom Bräuhaus dazugegeben.

Das älteste Haus im Ort ist zweifellos das Anwesen Baumeister. Es wurde vermutlich um das Jahr 1700 erbaut. Die Familie Baumeister ist auch die am längsten in Engetweiler lebende Familie. Michael Baumeister, geboren 1779 in Ammendingen, heiratete im Jahre 1820 Kreszentia Fahrnerin aus Otterswang. Die beiden ließen sich auf dem heutigen Anwesen nieder. Die heutige Besitzerin ist somit bereits die fünfte Generation seit dieser Zeit.

Das ursprünglich älteste Anwesen im Dorf und damit die Hausnummer 1 trug das heutige Mehrfamilienhaus Hager / Brauchle. Es wurde einstmals als „Langsches Gut" bezeichnet. Langsches Gut deshalb, weil nachgewiesenermaßen von 1760 bis 1826, wahrscheinlich aber schon vorher, der Besitzer Lang hieß. So war Johannes Lang von 1778 bis etwa 1798 Kapellenpfleger der Kapelle in Furt, wie die heute noch vorhandenen Akten der Kapellenpflege dies beweisen. Dieser ehemals bedeutende Hof hatte seit 1760 nicht weniger als elf Besitzer rund brannte mehrmals ab.

Der größte Hof im Dorf war früher und heute das Anwesen Birk / Bachhofer. Obwohl im Jahre 1826 ein Großteil der Fläche verkauft wurde, blieb das früher genannte „Gauische Hofgut" der größte Hof im Ort. Das Gebäude stand aber einstmals links der Straße nach Sommers. Seit dem ersten nachweisbaren Besitzer Matthäus Graf vom Jahre 1755 gab es ebenfalls nicht weniger als zehn Eigentümer.

In Engetweiler brannte es oft und so blieb auch das Anwesen von Anton Lander nicht verschont. Es gehörte früher zu den so genannten „Sölden" und beherbergte ab 1870 zwei Familien. Der erste nachweisbare Besitzer war ein Josef Anton Wild aus Ampfelbronn, der von Beruf Schuster war. Die Familie Lander ist seit etwas mehr als 100 Jahren in Engetweiler.

Die Nummer 5 trug früher und heute das Anwesen Küble. Nach Georg Bendel, der im Jahre 1782 Eigentümer wurde, übernahm 1814 Georg Keller aus Grund das Anwesen. Diese Linie setzte sich bis zum heutigen Besitzer Rudolf Küble fort. Sein Vater heiratete eine Nachfolgerin von diesem Georg Keller.

Das Haus Nummer 6, „Bernhardines Lädele", früher mit einer Landwirtschaft, wurde vor Jahren abgerissen und musste dem neuen Haus von Elmar Lerch weichen.

Das Haus Nummer 7 trägt das frühere Zehntstadelanwesen (heute Hof Weber), über das wir schon eingangs berichtet haben.

Über das Haus Nummer 8, heute Haus Rold und früherer Geburtsort des Gründers der Firma Carl Platz GmbH & Co. haben wir im Lindenblatt Nummer 3 bereits berichtet. Nur soviel: Auch hier waren seit dem Jahre 1800 nicht weniger als zehn Besitzer eingetragen.

Das waren die ältesten nachweisbaren Häuser in Engetweiler. Einen Schub in der Bevölkerungszahl gab es im Jahre 1879 nach dem Bahnbau.

(Fotos: Engetweiler Dorflinde; Haus Baumeister)

Rosa und Andreas Hirler aus Engetweiler

Eifrige Leser unseres Lindenblattes werden es längst bemerkt haben. In jeder unserer Ausgaben beschreiben wir so genannte Originale, also Menschen, die nicht in das Schema ihrer Zeitgenossen passten. Dabei bevorzugen wir in erster Linie solche, die nicht 3

unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens standen und oftmals von ihren Mitmenschen belächelt oder zumindest wegen ihrer Armut bedauert wurden. Sie gehörten zum Alltag, man schenkte ihnen aber keine große Aufmerksamkeit. Rosa und Andreas Hirler (Endres genannt) gehörten zu dieser Kategorie von Menschen. Doch der Reihe nach. Ein gewisser Benedikt Hirler aus der Nähe von Deuchelried kaufte im Jahre 1878 mit seiner Frau Veronika Edelmann das kleine Haus des Matthäus Rist aus Engetweiler. Im Juli desselben Jahres kam Andreas, der später Endres genannt wurde, zur Welt. Zusammen mit seinen Brüdern Wilhelm und Georg wuchs er in bescheidenen, ja geradezu ärmlichen Verhältnissen auf. Im Jahre 1904 starb seine Mutter. Der Vater Benedikt Hirler heiratete Bernhardine Fauter aus Oberurbach (Wirtschaft). Es kamen drei weitere Kinder auf die Welt. Als Bürstenmacher mit geringem Einkommen unterstützte Endres Hirler die Familie mit finanziellen Mitteln.

Im Jahre 1928, also erst mit 50 Jahren heiratete er nach dem Tod seines Vaters die damals 38-jährige Rosa Emele aus der Höll bei Alttann. Schon am Tage der Hochzeit verlor Rosa ihren Ehering auf dem Weg über die Wiesen vom Bräuhaus nach Engetweiler. Ihre Ehemann Endres hat ihr daraufhin einen neuen Ehering aus einem Geldstück gemacht. Trotz ihrer verschiedenen Charaktere passten die beiden gut zusammen. Er war ein etwas menschenscheuer, aber ehrlicher Typ, der im Umgang mit seinen Zeitgenossen sehr vorsichtig war. Rosa dagegen war eine lebenslustige, etwas naive Frau, die auch mal gerne eine Halbe Bier oder ein Glas Wein trank. Um dieses spendiert zu bekommen (sie hatte meistens kein Geld), sang sie in der Wirtschaft den Gästen immer wieder so genannte Lumpenlieder vor, was immer man auch darunter verstehen mag. Ihr Mann war mit dieser Lebensweise nicht sehr einverstanden und verpasste ihr schon mal eine handgreifliche Strafe, die sie aber demütig annahm und ihm bescheinigte, dass er schon recht getan habe, weil sie es ja verdient hätte.

Rosa Hirler war auch ein willkommenes Objekt, wenn es galt, jemanden in den „April" zu schicken. Eine Anekdote dazu: Ein Nachbar schickte Rosa zu Josef Keller, um einen „gläsernen Holzschlegel" zu holen. Dieser wiederum verwies sie an Bergschmid Albert Neyer, der sie dann über den Schabernack aufklärte.

Andreas und Rosa Hirler lebten – wie schon eingangs erwähnt – auch für die damalige Zeit in ärmlichen Verhältnissen. Ein bescheidenes, ja etwas verwahrlostes Haus war ihr Domizil (siehe Foto). Von der Straße aus kam man, bedingt durch das offene Kamin, in die total verrußte Küche. Über eine halsbrecherische Treppe musste man in den oberen Stock und somit in das Schlafzimmer. Die Stube diente zusätzlich als Werkstatt für den Bürstenmacher, wie uns seine ehemaligen Nachbarn Anton Lander und Anna Baumeister erzählten. Die Bürsten verkaufte er in der näheren Umgebung. Eine Kuh und eine Ziege lieferten die Milch zum täglichen Verzehr und Rohstoff für selbst gemachte Butter und Käse. Schuhe und Kleider bekamen sie meistens geschenkt, denn eine Sozialhilfe gab es damals noch nicht.

Längst ist das 1837 gebaute Haus vom Erdboden verschwunden. Heute steht auf diesem Platz das schmucke Haus des Klaus Lander und seiner Familie. Andreas starb 1951 mit 73 Jahren. Seine Frau lebte bis zum Jahre 1968. Sie waren kinderlos und so ging ihr bescheidener Besitz in Form von Rentenbasis an ihre Nachbarn über. So lebte Rosa im Alter dann doch noch einigermaßen sorgenfrei und hatte genügend zu essen.

Ihre Gräber auf dem Friedhof in Molpertshaus sind längst abgeräumt. Kein Denkmal, kein Haus, keine Nachkommen erinnern an ihr Dasein. Doch es waren Zeugen der Vergangenheit, und sie teilten das Schicksal vieler in der damaligen Zeit. Arm geboren, ärmlich und bescheiden gelebt und ebenso gestorben, doch vielleicht lebten sie zufriedener als wir heute in unserem Wohlstand.

(auf dem Foto kann man Rosa und Endres Hirler und deren Kuh und Ziege mit etwas Phantasie erkennen) 4

Auf der Stör

Der Dorfchronist der Kirchengemeinde Molpertshaus, Rudolf Schuhmacher, erinnert sich an die „gute, alte Zeit", als auch in unseren Dörfern und Weilern noch Menschen auftauchten, die „auf der Stör" waren.

Den älteren von unseren Lesern dürfte der Ausdruck „Stör" noch ein Begriff sein. Die Jungen werden damit allerdings nicht viel anfangen können. Nun, es waren Handwerker, die auf den Höfen die anfallenden Reparaturen und Neuanfertigungen an Ort und Stelle erledigten.

So war etwa der Schuhmacher ein steter Gast und zwar nicht nur auf den Höfen, sondern auch in den Privathäusern. Ich erinnere mich noch gut an den Schuhmacher Anton Gresser aus Ehrensberg. Pünktlich morgens um 7 Uhr erschien er an dem vorher angekündigten Tag, um seine Arbeit zu beginnen. Dabei hatte er bereits mit Rucksack und Tasche den Weg durch Wald und Wiesen von Ehrensberg nach Mennisweiler hinter sich. In der Wohnstube wurde in einer Ecke ein alter Teppich oder eine so genannte „Kuhplane" ausgelegt. Auf der Bank breitete Schuhmacher Anton Gresser sein Handwerkszeug aus. Sofort begann er mit der Arbeit. Schuhe wurden neu besohlt, Riester angenäht, Sohlen benagelt und hinten, am Absatz, und vorne, an der Sohle, so genannte „Eisele" angebracht. Dies diente dazu, um die alten Schuhe möglichst lange zu erhalten. Neue Schuhe wurden meist aus selbst gegerbtem Leder angefertigt. Das oftmals harte Leder musste zunächst ins Wasser gelegt werden, damit es weicher und somit leichter zu verarbeiten war. Die Leisten, ein nachgebildeter Fuß aus Holz, bestimmte die spätere Größe der Schuhe. Nach zwei bis drei Tagen gingen die Aufträge meist zu Ende und der Schuhmacher wechselte zum nächsten Bauer. Es versteht sich von selbst, dass er während seiner Arbeit Essen und Trinken im Hause erhielt. Anton Gresser, geboren 1880, war ein angenehmer und stets gut gelaunter Zeitgenosse. Uns Kindern konnte er während der Arbeit stundenlang Räubergeschichten erzählen, die er auf seinen täglichen Gängen durch Wald und Flur bei Nacht und Nebel angeblich erlebt hatte.

Etwa einmal jährlich kam der Sattler auf den Hof, um die Pferde, Ochsen und Kuhgeschirre zu flicken, neue Treibriemen anzufertigen, aber auch um die Matratzen mit Seegras oder „Helben" (Haferspelzen) neu zu befüllen. Sattler Weixler (wir berichteten in einem früheren Lindenblatt bereits von ihm) und Georg Sonntag waren die Bekanntesten aus der Branche.

Mehrmals im Jahr wurde die Näherin (Schneiderin) ins Haus gerufen. Ihre Aufträge reichten von neuen Kleidern über die Herstellung von Hemden bis zur Anfertigung eines so genannten „Leible", eine Art Mieder, an dem mit einem elastischen Band (Strapsen) die Strümpfe befestigt wurden (für Mädchen und Buben!).

Eine Ehre und Herausforderung für jede Näherin war die Anfertigung eines Brautkleides. Es wurde unter äußerster Geheimhaltung im Hause der Braut genäht und erst am Tage der Hochzeit wurde das Geheimnis gelüftet. Natürlich war damit die Berechtigung der Näherin verbunden, den Hochzeitsgästen den „Maien" anzustecken. Dafür gab es reichlich Trinkgeld.

In unserem Haus war „Lerche Nähre" (Theresia Lerch) nicht nur wegen ihrer Nachbarschaft eine vortreffliche und gern gesehene Näherin. Es gab aber mehrere von dieser Zunft in den verschiedenen Orten.

Nicht direkt zu den „Störleuten" gehörte der „Weißler". Es war meist ein Maurer im Rentenalter, der mit Löschkalk, Schaber, Schablone und Maurerpinsel erschien, um die oftmals stark verrußte Küche (der Herd wurde mit Holz beheizt) und den Hausgang zu weißeln. Dabei musste die Küche total ausgeräumt werden. Nach Entfernung der gröbsten Rußteile wurden Wände und Decke mit einem mehrschichtigen Kalkanstrich überpinselt. Das i-Tüpfelchen aber war eine farbige Verzierung unter der Decke, die mit der besagten Schablone angebracht wurde.

In vielen Dörfern erschienen auch noch der Küfer, der die Mostfässer reparierte, und der Korbmacher, um die „Zürnen", Körbe aus Weidenruten, anzufertigen.

Längst gehört diese Zeit der Vergangenheit an. Doch wenn man es im Nachhinein betrachtet, so darf man feststellen, dass die „Störleute" fast immer rechtschaffene, biedere, ehrliche und anspruchslose Leute waren. Neben der wertvollen Arbeit, die sie verrichteten, hatten die Störleute den Vorteil, dass sie über die Vorkommnisse im Dorf und darüber hinaus immer genau Bescheid wussten und somit auch für interessante Neuigkeiten sorgten.

Aufgeschnappt – aus der Chronik und den Verkündbüchern

Die Bauern jammern über die Erhöhung der Steuern, weil sie nicht viel zahlen können. Grund: Sie brauchen zuviel für sich selbst, besonders für ihre Weiber und Töchter. O’ dieser Luxus! (Pfarrer Karl Breitenbach)

Aus dem Verkündbuch von 1812 In Rücksicht der Prozessionen habe ich zu erinnern, dass ich kein einziges aus euch, weder Jünglinge noch Jungfrauen, weder Männer noch Weiber zum Tragen eines Schildes (Bruderschaftsschilder) oder einer 5

Kerze zwingen wolle. Doch um das bitte ich euch, dass diejenigen, welche die Prozession nicht mitmachen wollen, es dem Mesner sagen, dass er sie in der Prozessionsordnung ausstreiche. Vielleicht gibt es aber auch solche, denen es eine Ehre ist, mit Kerzen und Schilden gehen zu können.

Aus dem Verkündbuch von 1814

Es ist mir Anzeige gemacht worden, dass sich Buben und Jünglinge in der Kirche sehr ausgelassen betragen und auf der Kirchensteige den Aus- und Eingehenden, besonders den Weibsbildern, den Mädchen und Jungfrauen, sogar Auswärtigen die Blumensträuße von der Brust wegreißen. Welch bübische Ausgelassenheit.

Aus dem Verkündbuch 1817

Aschermittwoch – ich ermahne und bitte, besonders die Jünglinge auf der Emporkirche, dass sie den löblichen und heilsamen Gebrauch der Aschenbestreuung nicht mehr wie bisher unterlassen, sondern in nämlicher Ordnung wie beim Johanniswein-Trinken vor den Altar treten und sich „einäschern" lassen.

Prozessionen werden zur Verherrlichung Gottes abgehalten, jedoch bleibt die Hälfte in der Kirche zurück. Das ist Unanständigkeit und Ärgernis.

Abbruch der ehemaligen Eligiuskapelle im Jahre 1820

Pfarrer Haupt schreibt: der Abbruch der Kapelle ist höchste Verfügung. Die Überlassung der Ziegelsteine zum Bau einer Schulstube allerhöchste Gnade. Dies soll dem wahren und echten Christen genug sein, ihn zu beruhigen und ihm den Mund zu schließen, dass er sich nicht zu Lästerungen, Schimpfen und Lieblosigkeiten öffne. Lasst uns alles, was von unseren „Oberen" festgesetzt wird, in jenem Geiste annehmen, in welchem uns das Christentum anzunehmen befiehlt.

Firmung in Wolfegg im Jahre 1852

Aus unserer Gemeinde empfingen 31 das Sakrament der Firmung. Um ½ 6 Uhr morgens (13. Mai) wurde in Molpertshaus die Heilige Messe gefeiert. Anschließend ging man zu Fuß (man betete drei Rosenkränze) nach Wolfegg.

Aus dem Kirchenkonventsprotokoll von 1851

Der Kirchenkonvent hat in Erfahrung gebracht, dass einige Pfarrgenossen am letzten Sonntag ohne Anträge bei der zuständigen Stelle sich erlaubt haben auf Kleeäckern und Wiesen zu arbeiten. In Erwägung, dass die vorangegangenen Tage regnerisch waren und das Einernten des Futters nicht gestatteten, so wird dennoch beschlossen, die Schuldigen vorläufig nicht zu bestrafen und stattdessen am nächsten Sonntag von der Kanzel die Sonntagsheiligung wieder in Erinnerung zu bringen.

25. Januar 1858

Am 25. Januar (Sonntag) haben die Mennisweiler weder innerhalb Orts noch den Kirchen- und Schulweg gebahnt, sodass vormittags kaum eine Weibsperson, nachmittags gar niemand in den Gottesdienst kam. Der Ortsvorstand wurde für künftige ähnliche Versäumnisse noch am selben Tag schriftlich vom Pfarramt mit Anklage beim Oberamt bedroht.

20. Januar 1860

Auf den Antrag des Pfarrers wird beschlossen, dass jeder christenlehrpflichtige Jüngling, welcher auf der Empore sich aufhält, mit 12 Kreuzer Wachsbeitrag bestraft wird.

Schulhausneubau

Für den Standort des neuen Schulhauses werden mehrere Vorschläge gemacht. Der Stiftungsrat tendiert für den Platz gegenüber dem Friedhof (heutiger Standort). Dieser wurde aber von einigen Sachverständigen wegen der Nähe des Friedhofs (Moder- und Leichengeruch) und des starken Windes abgelehnt. Die Schule zählte damals 146 Schüler.

Im Jahre 1866 hat die Kriminaljustiz angeordnet, dass sämtliche Hunde von Molpertshaus zum Tode verurteilt werden, weil sie wutverdächtig waren. Es waren sechs Stück an der Zahl. Also gab es wahrscheinlich damals schon die Tollwut.

1867

Die Zahl der Vagabunden ist selbst in Molpertshaus eine Landplage. Die Blätter (Zeitungen) sind voll von Diebstahlanzeigen. Getreide und Fleisch sind so teuer wie selten zuvor.

1930

Als im Jahre 1930 neue Glocken angeschafft wurden, mussten immer 4 bis 6 Ministranten im Bank des Glockenhauses Platz nehmen. Sie waren für das Läuten zuständig. Doch sie teilten sich auf. Vier gingen zum Läuten und zwei gingen in Pfarrers Garten um Beeren, Ringlotten und Pflaumen zu klauen. Kirchenbesucher auf der Empore beobachteten dies und meldeten es dem Pfarrer. Es gab für alle eine gehörige Tracht Prügel.

Wenn man zurückrechnet, könnte es durchaus sein, dass einige unserer älteren Mitbewohner damals schon zu diesen Schlawinern gehört haben....

Fußwallfahrt nach Maria Steinbach

In unserer Zeit werden die Wallfahrten meist mit dem Bus unternommen. Allerdings hat sich bis auf den heutigen Tag in Mennisweiler, Molpertshaus und für die Leute „unter dem Berg" die Fußwallfahrt auf die Grabener Höhe zur Sebastianskapelle erhalten, die immer um den Gedenktag des Heiligen Sebastian am 20. Januar begangen wird.

Wallfahrten waren in früheren Jahrhunderten ein fester Bestandteil im Ablauf des Kirchenjahres. So pilgerten die Mennisweiler bis zum Jahre 1850 jährlich am Magnustag (6. September) nach Schussenried, um für die Abwendung der Engerling- und Mäuseplage zu beten. Ebenso fand jeweils am Georgitag (23. April) eine Wallfahrt nach Weingarten statt.

Pfarrer Dominikus Schmid, der erste Pfarrer in Molpertshaus, berichtet in einem Verkündbuch aus dem Jahre 1770 von einer Fußwallfahrt nach Maria Steinbach.

Pfarrer Schmid schreibt: Die Wallfahrt nach Maria Steinbach betreffend: Um 7 Uhr an Michele (29. September) ist die Heilige Messe. Um 8 Uhr gibt man mit der großen Glocke ein Zeichen und den versammelten Wallfahrern mit dem Sanktissimo den Segen. Schon im Dorf wird der Psalter (drei Rosenkränze) angefangen und der Weg über Hippen (Himbach) und Seibranz genommen. Dort ist dann die letzte Einkehr, die über eine Stunde nicht dauern soll. Der andere Psalter wird auf der Anhöhe, oberhalb Seibranz, über den „Trieb" gebetet. Sobald alle über dem Wasser beim Vogelsang den Berg bestiegen, macht der Pfarrer eine kleine „Anred" (Ansprache). Er verkündet die morgige Abreise um ½ 10 Uhr und grüßt mit andächtiger Anbetung des Salve Regina, die gnad- und wundervolle Mutter. Hernach wird der schmerzhafte Rosenkranz, samt den heiligen fünf Wunden bis in die Kirche gebetet. Nach einer Andacht geht der Pfarrer mit seinen Dienstboten in den Pfleghof. Unter dem Salve Regina betet er auf der Galerie die Mette.

2. Tag. Um 10 Uhr wird mit der großen Glocke das Zeichen zum Aufbruch gegeben. Der Pfarrer begibt sich in die Kirche, opfert pro Stipendis 2 Gulden und 24 Kreuzer und nach kurzer Andacht nimmt er mit seinen Pfarrkindern den alten Weg. Der erste Psalter wird nach dem Aufstieg auf den Aychstetter Feldern (Aichstetter) angefangen und zu Drutschwendi (Truschwende) eine starke Stunde Einkehr gehalten. Der andere Psalter wird zu Hippen angefangen und auf solche Weise diese schöne, löbliche und schuldbareste Danksagungswallfahrt verdienstvoll und heilig beendet. (Originaltext von Pfarrer Schmid).

Nicht zu vergessen: Es handelte sich um eine Fußwallfahrt. Die Anzahl seiner teilnehmenden Schäfchen hat er uns leider nicht verraten. Die Strecke nach Maria Steinbach (bei Legau) beträgt immerhin um die 30 Kilometer. Vielleicht gelingt es ja auch in naher Zukunft einmal, eine solche Wallfahrt zu Fuß oder mit dem Fahrrad wieder zu organisieren...

(Foto: Ansicht von Maria Steinbach)

Priester und Ordensleute – Berufungen aus unserer Gemeinde

(vgl. Festschrift der Kirchengemeinde Molpertshaus aus dem Jahre 2003)

In der Festschrift zum 200-jährigen Jubiläum unserer Kirchengemeinde haben wir versucht, die aus unserer Gemeinde hervorgegangenen Priester und Ordensleute aufzuführen. Was wir befürchtet hatten, trat ein. Bedingt durch den Umstand, dass es keine Niederschrift über den Eintritt von Schwestern oder Laienbrüdern in ein Kloster gibt, waren wir auf die Familienregister angewiesen. Dieses Familienregister besteht aber aus vier Bänden. Sie können sich vorstellen, dass sich daraus das Problem ergeben hat, dass nicht alle Berufungen erfasst werden konnten. So möchten wir uns bei allen Lesern der Festschrift für die Unvollständigkeit der Liste entschuldigen und mit diesem Nachtrag im Molpertshauser Lindenblatt die Berufungsliste vervollständigen. Die Namen der in der Festschrift „Vergessenen" sind:

Ordensfrauen:

Walburga Multer aus Molpertshaus (heute Haus Anton Butscher), geboren am 1. August 1877, trat im Jahre 1898 bei den Kreuzschwestern in Ingebool in der Schweiz ein.

Kreszentia Koch aus Molpertshaus (heute Gasthaus „Adler") wurde am 19. November 1880 geboren und trat 1898 in das Kloster „Maria Stein" bei Bregenz ein. Sie starb am 21. Juni 1908.

Maria Agnes Strobel aus Oberurbach, geboren am 28. Dezember 1893, trat 1916 bei den Kreuzschwestern in Hall/Tirol, ein. Sie nahm den Klosternamen Theodora an und verstarb am 22. Juni 1918 in Innsbruck. 7

Rosina Sonntag von der Haid (heute Hof Erwin Sonntag), geboren am 13. April 1897, trat ebenfalls in das Kloster Ingebool in der Schweiz ein und wählte den Namen Brunhildis. Sie starb im Februar 1923 in St. Gallen.

Josefa Küble aus Engetweiler (heute Haus Rold), geboren am 9. Dezember 1896, trat 1928 in das Kloster Untermarchtal ein.

Laienbruder: David Multer aus Molpertshaus (ein Bruder der Walbruga Multer), geboren am 6. November 1886, trat in das Kloster Bad Schönbrunn als Laienbruder ein.

Streit zwischen den Zwingsern / Haidern und dem Prälaten vom Kloster Rot

Von einem eigenwilligen Streit um Wasser und Begräbnisrechte berichtet die Molpertshauser Chronik.

Nachdem in den Jahren 1764 bis 1766 das Pfarrhaus errichtet war, galt es für dieses eine Wasserquelle zu finden. Zweimal wurde ein tiefer Brunnen gegraben, doch jedes Mal blieb im Winter das Wasser aus. Es wird deshalb der Vorschlag gemacht, ein Rohr-Brunnen von Mennisweiler heraufzuführen. Die Mennisweiler waren dazu bereit, doch die Ausführung wurde wegen der zu erwartenden Schwierigkeiten wieder verworfen. Abt Mauritius von Rot (1760 bis 1782) wertete die Bereitschaft der Mennisweiler allerdings so hoch, dass er ihnen als erste die Begräbnisse in Molpertshaus gestattete (früher Friedhof Haisterkirch).

Die Zwingser gehörten bisher ebenfalls zur Pfarrgemeinde Haisterkirch. Sie mussten aber dem Mesner zu Molpertshaus für das Wetterläuten die Läutgarbe bezahlen. Im Jahre 1764 wurden sie ebenfalls der neu gegründeten Pfarrei Molpertshaus zugesprochen. Auch der „Kleinzehnte" musste nach Molpertshaus abgeführt werden. Der Abt versprach ihnen dafür, sie sofort als wahre Pfarrkinder aufzunehmen und ihnen das Begräbnis auf dem Molpertshauser Friedhof zu gestatten.

Im Zusammenhang mit der Wasserproblematik in Molpertshaus witterten die Zwingser nun allerdings eine Chance und forderten „gewalttätig" (so der Abt) die Befreiung von dem Kleinzehnten für ewige Zeiten. Ja sogar, obwohl sie dem zukünftigen Seelsorger der neu gegründeten Pfarrei Molpertshaus das liebe Wasser nicht gegönnt, wurde dieses schändlich Wort ausgesprochen: „Jetzt haben wir den Prälaten von Rot in der Gewalt. Er wird das Wasser nicht im Sack nach Molpertshaus tragen. Man muss uns von dem Kleinzehnten befreien, oder wir tun keinen Zug". (Originaltext aus der Pfarrchronik)

Auf dieses schmähliche, undankbare und unverschämte Rede, durch welche die Zwingser es mit Gewalt wollten erzwingen, haben seine Hochwürden Abt Mauritius folgende Antwort geben lassen: „Wir brauchen von euch Zwingsern den Brunnen nicht und künftighin könnt ihr eure Totenleiber auch im Sack oder mit der Totenbahre nach Haisterkirch tragen und auch von Haisterkirch aus versehen werden." Dadurch war den Zwingsern alle Hoffnung in den Brunnen gefallen und den Mennisweilern und der ganzen Nachbarschaft zu großem Gelächter Anlass gegeben.

Nachdem aber die Zwingser / Haider von aller Bezwingung verlassen und ihnen das Wasser der ungnädigen Vergeltung in das Maul geflossen sei, haben sie endlich durch vieles Bitten und Betteln bei dem gnädigen Herrn Gnade erhalten, dass sie nach Molpertshaus kommen dürfen. Mit Versehung der Kranken, mit Taufe der Kinder und Hochzeiten. Das Begräbnis der Toten wurde noch nicht gestattet. Möge der Weg oder das Wetter so hart sein, als es wolle.

Doch auch dieser Streit legte sich. In einem Vertrag vom 17. Juni 1775 wurde den Zwingsern und Haidern gestattet, unter gewissen Bedingungen ihre Toten in Molpertshaus zu beerdigen, solange bequemlich Platz auf dem allhiesigen, ohnehin kleinen Friedhof vorgefunden werde. So wurde als erste Verstorbene Ursula Hutterin am 15. Juli 1775 auf dem Molpertshauser Friedhof (damals noch um die Kirche herum) beerdigt.

Unterzeichnet wurde dieser Vertrag von Abt Mauritius und von Seiten der Ehrsamen Gemeinde Zwings von Hans Michel Leutner (heute Branntweinerhof), Xaveri Gegler (heute Hof Bohner), Antoni Stephan (heute Hof Wild) und Antoni Graf (heute Hof Liebrich).

Quelle: Auszug aus der Chronik der Kirchengemeinde Molpertshaus, niedergeschrieben vom ersten Pfarrer Dominikus Schmid, 1766 bis 1782

Viehsegnungen früher

Es war jahrhundertealter Brauch, das Vieh von jedem Ort gemeinsam auf die Weide zu treiben. Als Weidefläche galt dabei die Brache (still gelegte Fläche) und nicht ackerbare Wiesen. Dazu wurde ein Viehhirt angeheuert, der gegen Bezahlung das Vieh beaufsichtigte. Da die Weiden meist außerhalb des Ortes lagen, war der „Trüb" (Trieb) dorthin oft sehr 8

weit. Manche Frucht (Getreide) und der damals sehr viel angebaute Flachs wurden auf diesem Wege zertrampelt. Für Mennisweiler ist zu vermuten, dass die Weiden unter anderem nördlich, oberhalb des Dorfes lagen. Diese Vermutung legt zumindest der ursprüngliche Name des heutigen Höhenwegs nahe, der – allerdings nur kurze Zeit – als „Triebweg" bezeichnete wurde. Die Anwohner der Straße konnten sich mit dieser doppeldeutigen Bezeichnung allerdings nicht einverstanden erklären und schritten massiv gegen die Namensgebung ein, sodass aus dem einstmaligen Triebweg sehr rasch der heutige Höhenweg wurde...

Die durch den Trieb zertrampelte Frucht war

Ursache für viele Streitigkeiten und dies war ein Grund für die Vereinödung (siehe unten stehenden Artikel).

Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen die Viehsegnungen, die sich trotz Verbots Anfang des 19. Jahrhunderts bis etwa 1840/50 gehalten haben. Vielleicht ist der Almabtrieb in den Bergen heute noch ein Überbleibsel dieser Zeit.

Aus der Molpertshauser Pfarrchronik ist zu entnehmen, dass vor der Zeit der Vereinödung das Vieh beim erstmaligen Austreiben (um den Georgitag herum, also Ende April) gesegnet wurde. Dabei wurde der Pfarrer von der Gemeinde auf die Weide hinausbegleitet, wo er dann das Vieh segnete.

Die Vereinödung

Wenn man alte Schriften durchblättert, so stößt man immer wieder auf das Wort „Vereinödung". Was bedeutet dieses Wort und was geschah damals wirklich bei der Vereinödung? Nun, als die Besiedlung in unserer Gegend begann, wurde vornehmlich dort gebaut, wo es Wasser gab. Das Vorhandensein von Wasser war die Voraussetzung für die Entstehung von Wohnorten.

Die Bauernhöfe waren meist Lehensgüter. Die Grundherren waren die Herrschaft Wolfegg, das Spital Waldsee, das Chorstift Waldsee, die Klöster Rot (Prämonstratenser), Schussenried (Prämonstratenser), Weingarten (Benediktiner) und Baindt (Zisterzienserinnen) und ebenso die einzelnen „Kirchenfabriken" (Kirchenpflegen). Die immer wieder angesprochenen „Sölden" waren kleinere Anwesen, die meist zum Lebensunterhalt nicht ausreichten. Angebaut wurde damals hauptsächlich Vesen (Dinkel), Hafer, Flachs (Lein) und später etwas Roggen und Gerste. Als Weideflächen für das Vieh galten die Brachflächen, sowie nicht ackerbare Wiesen. Beweidet wurde gemeinsam. Als Zugtiere hatten nur die größeren Bauern Pferde, die anderen mussten mit Ochsen und Kühen fahren. Es galt das Tripp- und Trapprecht.

Neue Anbauarten brachten der Landwirtschaft auch neue Probleme. So wurde um das Jahr 1750 der Kleeanbau und die Kartoffeln eingeführt. Beides wurde auf den Brachflächen angebaut. Die Weideflächen wurden dadurch geringer und man versuchte nun die Stallfütterung, was besonders bei den kleinen Sölden Schwierigkeiten bereitete.

Es wurde über die Vereinödung nachgedacht. Dazu gab es zwei Formen, mit und ohne Ausbau (Aussiedlung). Die Maßnahme geschah freiwillig und ohne Zwang.

Wie ging die Vereinödung vor sich? Es musste

zunächst ein Antrag an die Grundherrschaft gestellt werden. Ein Feldmesser musste die einzelnen Grundstücke schätzen und vermessen. Dabei wurde nach einem gewissen Punktesystem verfahren. Nun erstellte man einen Plan, wer wieviel und wo der Einzelne seine Grundstücke erhält. Die Bauern mussten sich einigen, wer Interesse an einer Aussiedlung hat und wer weiterhin im Dorf bleiben will. Nun musste ein Wirtschaftsweg angelegt und eine Wasserstelle gefunden werden. Die vereinödeten Höfe hingen selbstverständlich noch nicht an einer zentralen Wasserversorgung, sondern schöpften das Wasser aus eigenen Brunnen.

Wie ging der Bau vonstatten? Der ganze Ort half zusammen mit Ross und Mann, die alten Höfe abzureißen, hinauszufahren und auf den vorbereiteten Plätzen wieder aufzurichten. Von einem Fall wird berichtet, dass 99 Helfer sich am Bau beteiligten. Sogleich musste noch ein Brunnen gegraben werden. Mit einem Bauschilling von 60 bis 175 Gulden versuchte man, das Vorhaben noch zu versüßen. Natürlich wurden auch komplett neue Höfe erstellt.

Die Vorteile der Vereinödung waren die Nähe der Grundstücke und die Möglichkeit, den Hof jederzeit zu erweitern. Die Nachteile der Vereinödung waren die Tatsache, dass die Kinder größtenteils ohne Spielgefährten aufwuchsen und der Weg zur Schule und zur Kirche oftmals sehr weit und im Winter besonders beschwerlich war.

Diese oben beschriebene Form der Vereinödung (heute würde man Aussiedlung sagen) finden wir bei uns auf der Haid, die in den Jahren 1784 bis 1789 stattfand. Die andere Form, nämlich die Zusammenlegung der Felder und Grundstücke ist wesentlich verbreiteter. 9

Geschichte des Blutreitervereins Molpertshaus

Im Jahr 2004 konnte der Blutreiterverein Molpertshaus sein 40-jähriges Vereinsjubiläum feiern. Gleichzeitig konnte die Blutreitergruppe Molpertshaus auf die erstmalige Teilnahme beim Blutritt in Weingarten vor 80 Jahren, also im Jahre 1924, zurückblicken. Dass es die Tradition der Reiterwallfahrt schon viel länger gibt, belegen mehrere Dokumente. So ist im Eintürner Archiv der Kirchengemeinde ein Hinweis aus dem Jahre 1798 zu finden, wo es im Zusammenhang mit dem dortigen Martinsritt den folgenden Vermerk gibt: „Von Molznertshaus kam auch eine zahlreiche Companie mit einer Standarte". In Mennisweiler selbst gab es bis 1820 eine Reiterprozession bei der Eligius-Kapelle. Der Eligiusritt, so ist es überliefert, erlangte im 18. Jahrhundert „große Berühmtheit". Im Jahre 1724 erhielt der Bauernheilige Eligius, „dessen Name Gott in der ganzen Welt bekannt machte" zwischen Mennisweiler und Molpertshaus ein neues Heiligtum. Die Bauern von Haisterkirch und Molpertshaus ritten am 25. Juni dorthin. Die feierliche Gestaltung des Gottesdienstes zog immer mehr Reiter und Volk herbei. Auf einem Altar an der Außenwand der Kapelle wurde eine Reliquie des Heiligen ausgesetzt. Am Prozessionsritt, so wird berichtet, nahmen schließlich so viele Reiter teil, dass die Feier wegen des entstehenden Flurschadens auf das St.-Michaelsfest (29. September) verlegt werden musste. Mit Abbruch der Kapelle im Jahre 1820 und dem Verbot der Pferdesegnungen endeten allerdings die Reiterprozessionen in Mennisweiler.

Nachfolgend drucken wir in Auszügen den Bericht von Schriftführer Albert Wiedemann, der im Jahre 1999 anlässlich der 75-jährigen Teilnahme der Molpertshauser Blutreiter einen Abriss der Chronik verfasste.

„Es war also im Jahr 1924, als in der Pfarrei Molpertshaus von einigen Männern eine Blutreitergruppe gegründet wurde. Dies waren Bernhard Kübler, Josef Metzler, Anton Liebrich, Josef Ritscher, Markus Birkenmayer, Albert Koch, Alfred Sonntag, Albert Schattmaier, Baptist Koch.

Die Gruppe hat beschlossen, grundsätzlich am Bluttritt in Weingarten teilzunehmen. Bei Vermählungen oder Beerdigungen eines Mitglieds rückt die Gruppe mit schwarzem Anzug und Scherpe aus. Buben sollen am Fest Christi Himmelfahrt und an Fronleichnam die Standarten tragen. Von 1924 bis 1926 war der erste Gruppenführer Josef Metzler, Haid. Im Frühjahr 1924 wurden bei der Firma Ostermaier, Aulendorf, zwei neue Standarten mit den Motiven der Heiligen Katharina und des Heiligen Eligius bestellt. Die ersten Standartenträger waren Josef Ruf und August Müller, Furt. Bei der ersten Teilnahme am Blutritt in Weingarten konnten nur elf Reiter wegen des extrem schlechten Wetters und der Krankheit einiger Pferde dabei sein.

Von 1927 bis 1939 war Anton Liebrich aus Zwings Gruppenführer. Von 1939 bis 1945 war wegen der Kriegszeit der Blutfreitag verboten. Auch 1946 und 1947 gab es keinen Blutritt, da die Alliierten eine politische Demonstration befürchteten. Es gab nur einen Fußmarsch von Weingarten nach Baienfurt. Die Pilger kamen großenteils zu Fuß, per Bahn oder mit Lastwagen, da es keine Omnibusse gab. Nach der Währungsreform wurde die Blutreiterfahne angeschafft. Herr August Müller, Furt, hat 300 Mark gestiftet. Von 1947 bis 1955 fungierte Josef Metzler, Haid, wieder als Gruppenführer. Von 1956 bis 1963 war Josef Ritscher aus Furt Gruppenführer.

Gründung des Blutreitervereins

Am 26. Mai 1964 versammelten sich viele Interessenten beim „Oberen Wirt" in Molpertshaus. Den Vorsitz führte Josef Ritscher. Unter großem Beifall regte er an, aus der Gruppe einen Verein zu bilden. Dieser Wunsch wurde immer wieder geäußert und so kam es zu einer Vereinsgründung am gleichen Tag. Es wurde Folgendes beschlossen: Der Vorstand sollte der jeweilige Pfarrer sein. Dies war damals Pfarrer Adolf Heinzmann. Gruppenführer wurde Josef Ritscher, der schon zuvor Gruppenführer war. Kassier wurde Karl Herzog. Zu Ausschussmitgliedern wurden Oskar Liebrich und Edwin Ruf (aktiv) und Ferdinand Schad und Dore Birk (passiv) gewählt. Als Jahresbeitrag wurden vier Mark festgesetzt. Innerhalb kurzer Zeit hatte der Verein 54 Mitglieder. Wenige Jahre nach der 10

Vereinsgründung hat auch die fortschreitende Motorisierung in der Pfarrei den Pferdebestand drastisch verringert. Man hat über viele Jahre in Steinental und aus benachbarten Gemeinden, die keine Blutreitergruppen hatten, für den Blutritt in Weingarten Pferde ausgeliehen. Als Quartier für den Blutritt in Weingarten bot das Haus Gresser, Baienfurt, die Aufnahme an.

Unfasslich für die Gruppe war der Tod des Fahnenträgers Siegbert Müller, der am 16. Oktober 1968 bei der Hilfeleistung mit seiner jungen Frau im Silo ums Leben kam. Die Fahne, vom Vater selbst gestiftet, trug Trauerflor. Am 1. Februar 1969 überschattete ein zweites großes Unglück den Verein, als auf unerklärliche Weise das Vereinsmitglied Vinzenz Schattmayer mit dem Starkstrom in Berührung kam und sofort tot war. Aufgrund des Verlustes dieser beiden geschätzten jungen Männer gab es keine Fasnetsveranstaltungen im Dorf. Ahnungslos hat Pfarrer Heinzmann am Sonntag, den 9. November 1969 den Gottesdienst begonnen. Nach der Verkündigung des Wortes Gottes sank Pfarrer Heinzmann zu Boden und erlag einem Herzinfarkt. Er war Vorstand von 1963 bis zu seinem Tod.

1970 wurde Josef Ritscher zum Vorstand gewählt. Schriftführer wurde Edwin Ruf. Am 7. August 1970 verstarb der stellvertretende Gruppenführer Anton Liebrich aus Zwings. Im Jahre 1971 wurde der Jahresmitgliedsbeitrag wegen Geldknappheit von vier auf fünf Mark erhöht. Siegfried Maucher wurde anstelle von Dore Birk in den passiven Ausschuss gewählt, dem er noch heute angehört. Stellvertretender Gruppenführer wurde Oskar Liebrich. Gruppenführer Josef Metzler, Haid, wurde seiner Verdienste wegen zum Ehrenmitglied ernannt. Am 5. Oktober 1973 verstarb Herr August Müller, Furtmühle. Durch die Stiftung der Blutreiterfahne wird er ein bleibendes Andenken bewahren. 1974 hat Karl Herzog als Kassier sein Amt nach 21 Jahren abgegeben. Nachfolger wurde Benedikt Baumeister. Unserer Gruppe, sowie der Musikkapelle Molpertshaus wurde im Klosterhof anlässlich der 50-maligen Teilnahme am Blutfreitag ein Fahnenband an die Fahne geheftet. Mit einem gemeinsamen Kirchgang und einem Fest im Bräuhaus in Rossberg wurde am 24. November 1974, dem Kirchenpatrozinium, das 50-jährige Bestehen der Blutreitergruppe gefeiert. Im Jahre 1976 musste Josef Ritscher nach fünf Jahren Vorstand und 19 Jahren Gruppenführer seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Vorstand wird Josef Liebrich, sein Bruder Oskar wird Gruppenführer. Stellvertretender Gruppenführer wird Karl Herzog. In den aktiven Ausschuss kam Karl Ritscher. An den Blutritten in Weingarten und Bad Wurzach hatte die Gruppe erstmals seit langem wieder mit 20 Reitern teilnehmen können. Am 4. Dezember verstarb der ehemalige Vorstand und Ehrengruppenführer Josef Ritscher aus Furt. Am Ostermontag 1978 war die Primiz von Norbert Hecht. Bei einer Ausschusssitzung wurde beschlossen, dass man am Georgsritt in Ochsenhausen ab dem kommenden Jahr teilnehmen wird. Der Ritt in Ochsenhausen war zweihundert Jahre lang unterbrochen. 1979 konnte die Gruppe in Bad Wurzach, zusammen mit Reitern aus Bad Waldsee erstmals mit 29 Pferden teilnehmen. Erstmals hat die Gruppe auch am Wendelinusritt in Gutenzell mit 12 Reitern teil genommen. Im Jahre 1980 hat der Verein 70 Mitglieder. Am 19. Juni verstarb der erste Gruppenführer und Mitbegründer der Gruppe, Josef Metzler, im hohen Alter von 89 Jahren. Im Alter von 49 Jahren verstarb unser aktiver Reiterkamerad Alois Leuther aus Ebisweiler bei Aulendorf. Josef Miller aus Mennisweiler wird am 30. Juni 1984 in Bad Mergentheim zum Priester geweiht. Auch die Blutreiter waren zu diesem einmaligen Fest dabei. Beim Blutfreitag in Bad Wurzach gab es für die Pfarrei Molpertshaus ein seltenes Ereignis, da der Primiziant Josef Miller die Ehre hatte, Träger der Heilig-Blut-Reliquie zu sein. Als geistlichen Mitreiter hatten wir Pfarrer Norbert Hecht. 1986 gibt Benedikt Baumeister sein Amt als Kassierer ab. Sein Nachfolger wird Stefan Hecht. Werner Schlude erklärt sich bereit, die Vereinsbeiträge zu kassieren. Im Jahre 1989 hat der Blutreiterverein einen Mitgliederstand von 125. Am 1. April 1992 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit unser Mitglied und Schriftführer Edwin Ruf. Er war 20 Jahre Schriftführer. Nachfolger wurde Albert Wiedemann. Werner Schlude musste sein Amt als Beitragskassier aus gesundheitlichen 11

Gründen abgeben. Nachfolger wurde Christian Lerch. 1995 nahmen beim ersten St.-Georgs-Ritt in Gwigg 11 Reiter unserer Gruppe teil. 1996 war ein bewegtes Jahr für den Blutreiterverein. Am 6. Februar verstarb unser geistlicher Mitreiter Pfarrer Leo Rupp aus Leutkirch. Bei der Jahreshauptversammlung am 28. April gab es bei den Vorstandswahlen gravierende Veränderungen. Vorstand Josef Liebrich und Oskar Liebrich als Gruppenführer gaben nach 20 Jahren pflichtbewusster Amtszeit ihre Ämter ab. Georg Sonntag sen. und Karl Ritscher stellten ihre Ämter als passive Ausschussmitglieder ebenfalls zur Verfügung. Zum neuen Vorstand wurde Seppi Liebrich gewählt, Gruppenführer wurde Karl Ritscher, in den aktiven Ausschuss wurden Georg Sonntag jun. und Hubert Nold gewählt. Am Georgsritt in Ochsenhausen wird man nicht mehr teilnehmen, da die Blutreitergruppe Bergatreute in Gwigg jährlich den St.-Georgs-Ritt abhalten wird. 1997 ist der Mitgliederstand bei 122. Albert Spieß gibt sein Amt im passiven Ausschuss aus gesundheitlichen Gründen ab. Nachfolger wird Christian Lerch. Wegen extremem „Hundewetter" wird die Teilnahme am Georgsritt in Gwigg abgesagt. Es wurde beschlossen, demnächst eine neue Fahne zu kaufen. Im Jahre 1998 wird der Mitgliedsbeitrag auf 10 Mark erhöht. Herr Schweizer aus Baienfurt, genannt Mathe, hat trotz Krankheit sein Stallquartier, welches wir schon seit Jahrzehnten benutzen können, mit der Anmerkung, dass, wenn’s bei ihm nicht mehr geht, sein Sohn uns den Schopf weiterhin frei macht, wieder zur Verfügung gestellt. Bad Wurzach feiert zum 70. Mal das Heilig-Blut-Fest, an dem wir uns mit 24 Pferden beteiligen. Am 31. Juli war Beerdigung unseres ehemaligen und vorbildlichen Gruppenführer Oskar Liebrich, der durch einen tragischen Unfall sein Leben geben musste. Im Jahre 1999 ist beim feierlichen Festgottesdienst für unseren neuen Pfarrer Ludwig Beitel die Fahnenabordnung des Blutreitervereins ebenfalls anwesend. Herr Pfarrer Beitel hat zum Mitreiten in Bad Wurzach bereits schon zugesagt, vorausgesetzt, dass vorher ein Proberitt stattfindet. Der Festtermin zum 75-jährigen Jubiläum der Teilnahme am Blutritt in Weingarten wird auf den 13. Juni 1999 festgelegt. Im Jahre 2001 werden die noch aus dem Jahre 1924 stammenden Standarten restauriert. Am 12. Februar 2001 verstarb der langjährige Vorstand des Vereins Josef Liebrich sen. Josef Welte, langjähriges aktives Mitglied des Blutreitervereins, stirbt am 14. März 2003. Am 12. Juni 2004 feiert der Blutreiterverein Molpertshaus sein 40-jähriges Bestehen und zugleich das 80-jährige Jubiläum der Blutreitergruppe mit einem Ritt zur Sebastianskapelle auf der Grabener Höhe. Beim Festgottesdienst predigt Pfarrer Norbert Hecht. Pfarrer Hecht geht dabei auf den tieferen Sinn von Prozessionen ein. Bei Prozessionen und Wallfahrten schenkt Gott den Menschen seine Gegenwart in besonderer Weise: „Gott geht mit uns, er begleitet uns immer und überall und lässt uns nicht allein."

40 Jahre Fußballverein Molpertshaus

Auch der FV Molpertshaus feiert im Jahr 2004 sein 40-jähriges Vereinsjubiläum. Dabei ist der Verein noch einige Monate älter als der Blutreiterverein. Am 12. Januar 1964 war im Gasthaus Adler in Molpertshaus Gründungsversammlung. Der geschäftsführende Vorstand der Gründungsversammlung, Simon Schüle, begrüßte bei der Versammlung 58 Personen. Schüle unterstrich in seiner Eröffnungsrede „den Drang der Jugend nach einem eigenen, selbständigen Fußballverein", wie es im Protokoll über die Gründungsversammlung heißt. Dabei hob er als besonders lobenswert die Tatsache hervor, „dass es keines Anstoßes von ‚höherer Stelle’ bedurfte, sondern dass die Jugend selber spontan bereit war, all die Opfer und Schwierigkeiten auf sich zu nehmen, die ohne Zweifel mit einem solchen Schritt (der Vereinsgründung) verbunden sind", so im Protokoll weiter. Als erste Vorstandschaft wurden folgende Personen gewählt: Simon Schüle (1. Vorsitzender), Sebastian Maier (2. Vorsitzender), Rudolf Schuhmacher (Kassier), Frank Dentler (Schriftführer), Josef Albrecht sen. (Jugendleiter), Ernst Moser und Stefan Hecht (aktiver Beirat), Markus Rist und Josef Botzenhardt (passiver Beirat). Der Vereinsbeitrag wird auf 6 Mark festgesetzt, die Jugend sollte jährlich 1 Mark 50 Beitrag bezahlen. Auch Pfarrer Adolf Heinzmann meldete sich bei der Vereinsgründung zu Wort. Er sagte, dass dieser Verein „nicht nur dem Körper, sondern vor allem dem Geist dient". An die Adresse der Spieler richtete Pfarrer Heinzmann den Appell, dass sie „gute und vorbildliche Repräsentanten der Gemeinde sein müssten, von denen man Anstand, gutes Benehmen und sportliche Fairness erwarte". So steht es im Gründungsprotokoll. Pfarrer Heinzmann selbst ging mit gutem Beispiel voran und unterstützte den neu gegründeten Fußballverein dadurch, dass er diesem die beiden Fußballtore spendete und einen günstigen Pachtvertrag für das Sportgelände zur Verfügung stellte.

Den ersten großen sportlichen Erfolg errangen die Molpertshauser im Jahre 1967, als sie 12 gegen den SV Amtzell das Endspiel um den C-Klassen-Pokal gewinnen konnten. Vier Jahre später kam die Reservemannschaft des FVM zu Meisterehren. Für die 1. Mannschaft blieb dieser Erfolg bis zum Jahr 1993 aus. In der Saison 1992/93 konnte übrigens auch die Reservemannschaft den Meistertitel erringen. Der Aufstieg in die Kreisliga A war zugleich der sportliche Höhepunkt in der Geschichte des FVM. Leider hielt dieser Höhenflug nur wenige Jahre an. Schon 1996 musste nach einem „Relegationsspiel" gegen den SV Horgenzell in Baindt der Gang in die Kreisliga B wieder angetreten werden. Trotz guter Ergebnisse in den letzten Jahren ist der erneute Aufstieg seither nicht mehr gelungen.

Im Jahr 1979 wurde der FV Molpertshaus erstmals Gemeindepokalsieger. Im selben Jahr wurde zum ersten Mal das mittlerweile traditionelle Pfingstturnier organisiert und der Beschluss zum Neubau der Sportanlagen gefasst. 1982 wurde der Sportstättenneubau abgeschlossen. Schon 1980 wurde die bis heute noch bestehende Damengymnastikgruppe, heute Frauenturnen, ins Leben gerufen. Die 1983 gegründete Volleyballabteilung besteht mittlerweile schon längst nicht mehr. Auch die Molpertshauser Dorfmeisterschaften im Skilanglauf sind längst Geschichte. Nur zwei Mal konnte diese offensichtlich sehr unterhaltsame Veranstaltung in den Jahren 1983 und 1984 ausgetragen werden. Die Sportkegler-Abteilung aus dem Jahre 1984 „schiebt" dagegen noch immer und das mit guten Erfolgen. So stieg die Mannschaft schon 1987 in die B-Klasse auf und schaffte ein Jahr später erneut den Meistertitel und damit den Aufstieg in die A-Klasse. Im Jahre 2001 stiegen die Sportkegler gar in die 1. Bezirksliga auf.

Sehr erfolgreich war in der Geschichte des Vereins auch die Fußball-Jugend. Mehrere Meisterschaften konnten insbesondere in den 80-er Jahren gefeiert werden. In der Saison 1986/87 konnte der FV Molpertshaus in einer Spielgemeinschaft mit der SG Haidgau gar fünf Jugendmannschaften bis hinauf zur A-Jugend melden. Davon kann man mittlerweile nur noch träumen. Seit einigen Jahren gibt es allerdings eine gute Zusammenarbeit mit dem SV Haisterkirch, wo die Molpertshauser Nachwuchshoffnungen ab der D-Jugend spielen.

Die seitherigen 1. Vorsitzenden des FV Molpertshaus waren: Von 1964 bis 1969 Simon Schüle (mittlerweile Ehrenvorsitzender), von 1969 bis 1970 Josef Botzenhardt (verstorben), von 1970 bis 1972 Gerd Dentler, von 1972 bis 1973 Rudi Heinz, von 1973 bis 1977 Josef Albrecht sen. (verstorben), von 1977 bis 1978 Hans Konrad (verstorben), von 1978 bis 1979 Ernst Moser, von 1979 bis 1991 Josef Albrecht jun. (mittlerweile Ehrenvorsitzender), von 1991 bis 2003 Helmut Nußbaumer (mittlerweile Ehrenvorsitzender), seit 2003 ist Rainer Schuhmacher 1. Vorsitzender, sein Stellvertreter ist Rainer Schmid.

(auf dem Foto sind Josef Albrecht und Simon Schüle, zwei der insgesamt drei Ehrenvorsitzenden des Vereins zu sehen.)

Impressum

V. i. S. d. P. (Verantwortlich im Sinne des Presserechts) sind die Herausgeber des Molpertshauser Lindenblatts

Rudolf Schuhmacher, Bürgerstraße 5, 88339 Bad Waldsee-Mennisweiler, Telefon 07524/992733 und

Günter Brutscher, Panoramaweg 26, 88339 Bad Waldsee-Mennisweiler, Telefon 07524/48280

Das Molpertshauser Lindenblatt erscheint einmal im Jahr im Monat August,

also jeweils zum Lindenfest des Musikvereins Molpertshaus.

Auflage: 150 Exemplare

Kosten: Ersatz für die Druckkosten (1 Euro)

Über die Artikel kann frei verfügt werden. Für ein Belegexemplar sind die Herausgeber dankbar.

Das Molpertshauser Lindenblatt erscheint auch im Internet unter der Adresse:

www.kirchengemeinde-molpertshaus.de und unter

www.musikverein-molpertshaus.de

Im Internet sind auch die ersten vier Ausgaben veröffentlicht.

Die Herausgeber danken allen Informanten, die wertvolle Hilfe für die Entstehung des Lindenblatts geleistet haben. Für Anregungen, Berichtigungen und Ergänzungen sind die Herausgeber sehr dankbar.