Ausgabe 7, Juli 2009

Liebe Leserinnen und Leser des Molpertshauser Lindenblatts,

mittlerweile liegt nun die siebte Ausgabe des Molpertshauser Lindenblatts vor. Würde man alle Ausgaben zusammenstellen, gäbe dies schon fast ein richtiges Buch. Das aber wollten wir nicht. Vielmehr war uns daran gelegen, immer wieder, etwa aus Anlass eines Lindenfestes, auf Geschichte und Geschichten in und um Molpertshaus hinzuweisen. Die Auswahl der Artikel ist dabei fast schon zufällig. Ursprünglich waren in einigen Ausgaben bestimmte Teilorte der Kirchengemeinde Molpertshaus im Mittelpunkt, in dieser Ausgabe lässt sich dieses Konzept nicht nachvollziehen. Vielmehr sind heuer einige Aspekte sehr ausführlich behandelt und dienen also auch einfach chronistischen Zwecken oder wollen neugierig machen. Vielleicht lassen sich durch Nachfragen und eigenes Recherchieren sogar noch weitere Details zu einigen Artikeln finden. Viel Spaß dabei.

Rudolf Schuhmacher hat jedenfalls auch für das Lindenblatt 2009 wieder Chroniken gewälzt, Hinweise gesammelt, Archive durchwühlt, um deutlich werden zu lassen, dass auch wir eine Geschichte haben, dass auch wir in dem vielleicht beschaulichen Molpertshaus Anteil an der großen Geschichte haben und dass auch hier in der Gegend zuweilen etwas Widerstand deutlich wurde, wenn es darum ging, etwas zu verändern, was die Leute eigentlich gerne beibehalten und bewahren wollten. Lesen Sie dazu mehr in den nachfolgenden Artikeln. Für Anregungen und Hinweise sind die Herausgeber des Molperthauser Lindenblatts wie immer dankbar.

Rudolf Schuhmacher und Günter Brutscher

Buche bei der Lourdeskapelle: Schätzungen liegen zwischen 150 und 250 Jahren

Als zwischen Mennisweiler und Zwings noch der Ort „Ziegelstadel" lag

Kirchliches Vermögen in Molpertshaus im Laufe der Jahrhunderte

Lehensgüter in Zwings, Vogt, Bergatreute und Osterhofen

Krise nach dem 30-jährigen Krieg

 Für kurze Zeit gab es sogar Schulden

Heute noch 11 Hektar Waldbesitz

Löschwesen und Feuerwehr in Mennisweiler

Siechenpflege in Mennisweiler schon im Jahre 1199 erwähnt

Spital Waldsee hatte in Mennisweiler Besitzungen

Der Krieg Frankreich gegen Österreich (1796) hinterließ auch hier seine Spuren

Altarbild mit dem Heiligen Eligius hätte eigentlich beseitigt werden sollen…

Streit zwischen einem Lehensträger von Molpertshaus und dem Kloster Rot

Gedicht zur Kirchenrenovation

Hof Georg Sonntag in Oberurbach

Buche bei der Lourdeskapelle: Schätzungen liegen zwischen 150 und 250 Jahren

Wir wollen unserem Konzept treu bleiben und weiterhin bedeutende Bäume in der Kirchengemeinde Molpertshaus vorstellen. Heute soll es nun eine Buche sein, die in der Grube bei der Lourdeskapelle in Molpertshaus steht. Die Buche hat einen Stammumfang von 6 Metern 20 und einen Durchmesser von 1 Meter 98. Das Alter kann nur geschätzt werden, wobei Fridolin Koch 250 Jahre annimmt, Rudolf Schuhmacher das Alter zwischen 230 und 250 Jahren sieht und Förster Nold nur auf etwa 150 Jahre tippt. Nach Meinung von Rudolf Schuhmacher entstand die Buche als Wildwuchs, der nach der Stilllegung der dortigen Ziegelei eingesetzt hat (Pfarrhausbau 1765 bis 1768). Übrigens ist die im letzten Lindenblatt erwähnte und vorgestellte Eiche am Kreuzweg mittlerweile gleich zwei Mal vom Sturm beschädigt worden und vermutlich nicht mehr zu retten.

Als zwischen Mennisweiler und Zwings noch der Ort „Ziegelstadel" lag

Die meisten der heutigen Einwohner von Mennisweiler werden bei der Frage nach dem Ziegelstadel ungläubig den Kopf schütteln. Dabei war es über Jahrhunderte hinweg ein größtenteils eigenständiger Ort, der zwischen Mennisweiler und Zwings (also heutiger Betrieb Bruno Schmid) lag.

Vermutlich hat die Herrschaft Wolfegg- Waldsee nach dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648), als durch die Wirren des Krieges die meisten Häuser und Höfe in unserer Gegend zerstört wurden an dieser Stelle einen Ziegelstadel errichtet. Im angrenzenden nördlichen Bergrücken wurde Lehm abgebaut, der zu Ziegelsteinen geformt und gebrannt wurde. Damit ist der Ziegelstadel, wenn man so will, der erste Gewerbebetrieb in Mennisweiler oder

„Mennischweiler", wie es damals genannt wurde. Eingestellt wurde der Betrieb vermutlich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In besagtem „Ort" Ziegelstadel gab es zwei Höfe, die vermutlich zum Unterhalt der Lehensbetreiber dienten.

Der erste namentlich nachweisbare Ziegler war ein gewisser Baltus Schwarz. Er wird in den Kirchenbüchern von Haisterkirch bereits im Jahre 1680 als Ziegler bezeichnet (die Bücher sind leider erst ab diesem Zeitpunkt vorhanden). 1698 übergab dieser Baltus Schwarz seinen Betrieb einschließlich der Landwirtschaft an seinen Sohn Johannes. Baltus Schwarz selbst hatte schon im Jahre 1691 das heutige Anwesen „Branntweiner" (an der L 314 Richtung Wurzach, rechts der Straße gelegen) erworben oder gebaut. Im Jahre 1718 gibt es einen weiteren Hinweis auf die Ziegelhütte. Anton Wassmer, der damalige Lehensträger des Heiligengutes in Mennisweiler, tauschte mit der Herrschaft Wolfegg-Waldsee einen Acker „zum bequemlichen Abbau mit anständigem Material", wie es in der Chronik der Kirchengemeinde Molpertshaus steht. Gemeint war damit der fette saubere Lehm, der hier in unmittelbarer Nähe zu finden war, wie es die Geländestruktur noch heute erahnen lässt. Sechs Jahre später, im Jahre 1724, wurden dann beim Neubau der im 30-jährigen Krieg zerstörten Eligiuskapelle (Standort war die heutige Kiesgrube links der Kreuzung) neben Natursteinen aus der Eselsgrube Ziegelsteine vom Ziegelstadel verwendet.

1735 übernahm Anton, ein Sohn des Johannes Schwarz, im Alter von 30 Jahren die Ziegelei und den Hof. Dieser verstarb im Jahre 1755 im Alter von 50 Jahren. Seine Tochter Catharina heiratete 1760 den aus Dettingen stammenden Ziegler Johann Gundwolf. Vier Jahre später wurde dann vom Kloster Rot an der Rot der Bau des heutigen Pfarrhauses in Molpertshaus in Angriff genommen. Dazu heißt es in der Chronik: Viele tausend Fuder (altes Maß; vermutlich entspricht ein Fuder etwa dem heutig gängigen Raummaß von 1,7 m³) Lehm wurden von Mennisweiler nach Molpertshaus gefahren, wo in der Grube (am Kreuzweg) viele Millionen Stein gebrannt wurden. Offenbar hatte Ziegeler Gundwolf extra für dieses Bauvorhaben eine Ziegelhütte in Molpertshaus errichtet. Dafür musste er 20 Gulden Pacht an den damaligen Anwalt Hansjörg Frisch im Zeitraum von vier Jahren entrichten. Gundwolf starb 1815. Sein Sohn Anton übernahm den Betrieb. Nach dessen Tod im Jahre 1847 und der Verheiratung seiner Tochter muss dann vieles aus dem Ruder gelaufen sein. Vermutlich war es auf die Ablösung der Lehensherrschaften zurückzuführen. Im Jahre 1867 war es jedenfalls Pius Härle, ein Maurer und Ziegler aus Ellwangen, der zuvor in Molpertshaus wohnte, der nach und nach das gesamte Areal mit den Gebäuden der beiden Landwirtschaften und den Ziegelstadel erwarb. Einer der letzten Hinweise auf die Herstellung von Ziegelsteinen und nun auch Dachplatten in dem besagten Stadel finden wir in der Bauabrechnung der Molpertshauser Lourdeskapelle. Mit Datum vom 19. März 1889 liegt eine Rechnung von Franz Xaver Härle vor, der für Ziegelwaren 90.06 Mark verlangt.

Zu welchem Zeitpunkt der Betrieb endgültig eingestellt und das Gebäude abgebrochen wurde, ist nicht mehr festzustellen. Heute, mehr als 100 Jahre später, erinnert nur noch die Form der Landschaft, die Erwähnung in alten Landkarten und ein Vermerk für Altlasten an den einstigen Flecken und Betrieb Ziegelstadel.

Übrigens: Es gab zweitweise noch einen zweiten Ziegelstadel in Mennisweiler. Dieser befand sich hinter dem Anwesen Luibrand und wurde von Andreas Wiest (Paul Sonntag) von 1857 bis 1883 betrieben.

Kirchliches Vermögen in Molpertshaus im Laufe der Jahrhunderte

Über den Ursprung von Ort und Kirche von Molpertshaus wurde schon viel spekuliert. Auch wir haben in früheren Ausgaben versucht, Licht in das Dunkel zu bringen. Unzweifelhaft ist, dass das Kloster Rot im Jahre 1362 das Patronats- und Vogtrecht (Ernennung der Pfarrer und Verwaltung) mit allen Gütern, die zur belobten Kirche in Haisterkirch gehörte, erwarb. Auch die Filialen (Teilgemeinden) der Mutterkirche Haisterkirch, also Gwigg, Haidgau und Molbrechtshusen (heutiges Molpertshaus) samt Widdumhof gingen in das Eigentum des Klosters Rot über. Im Jahre 1381 erfolgte dann mit Zustimmung des Bischöflichen Ordinariats in Konstanz (die Diözese Rottenburg gibt es erst seit etwa 180 Jahren) die förmliche Einverleibung. Übrigens wurde damals an jedem zweiten Sonntag im Monat und an einigen Heiligenfesten in Molpertshaus eine Heilige Messe gefeiert, die der „Pfarrhelfer" von Haisterkirch hielt.

Schon damals musste also Molpertshaus nicht nur eine Kirche, sondern auch ein eigenes Pfründ- und Kirchenvermögen besessen haben. Es wurde von der so genannten „Heiligenpflege" oder „Heiligenfabrik unserer lieben Frauen von Molbertshusen" (heute würde man von der Kirchenpflege sprechen) verwaltet. Über deren Ursprung und Umfang gibt es allerdings keine Hinweise.

Das Verwaltungsaktuariat Leutkirch der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das auch für unserer Kirchengemeinde in Verwaltungsfragen zuständig ist, hat im Jahre 1992 einen Auszug aus dem Amtsgrundbuch zusammengefasst. Darin ist zu lesen: Das Vermögen der Heiligenpflege (Kirchenpflege) muss schon im 16. Jahrhundert nicht gering gewesen sein, denn 1503 kaufte sie den Zehnten von einigen Äckern in Binzen (vermutlich vom Kloster Weingarten). 1526 erwarben die Heiligenpfleger Jacob Gresser von Engetweiler und Paul Gerung von Mennisweiler für die Heiligenfabrik einen Lehenshof in Osterhofen (Veithenhof). Bisheriger Besitzer war Jacob Fischer aus Wurzach. Der Preis betrug 600 Pfund Heller (Hist. Roth Vol. 3, Seite 114). Erster Beweirtschafter dieses Hofes war ein gewisser Bastian Ott von Osterhofen.

1588 erwarben die Heiligenpfleger Martin Bayer aus Zwings und Jörg Thüringer aus Mennisweiler das Hofgut St. Philippus in Zwings (heute Anwesen Ritscher, Haid). 1589 wurde das 2 „Rossbäu" (etwa 50 Morgen) zählende Gut St. Norbert in Ehrensberg (heutiges Anwesen Max Renz) von der Herrschaft Wolfegg gekauft. Mit diesem Gut wurde Hans Fimpel belehnt. Er musste den so genannten „Ersatz" (Antrittsgeld) die Gült und den Groß- und Kleinzehnten an die Heiligenpflege entrichten. An Getreide waren diese z. B. vier Scheffel Vesen (Dinkel) und 5 Scheffel Haber (Hafer).

Lehensgüter in Zwings, Vogt, Bergatreute und Osterhofen

Bereits 1590 erfolgte der nächste Erwerb. In Mennisweiler wurde ein weiteres Lehensgut aufgekauft (heute Schuhmacher). Dieses 45 Jauchert (etwa 65 Morgen) große Gut erhielt der Heiligenpfleger Jörg Thüringer zur Bewirtschaftung. Im Eigentum der Heiligenpflege befand sich zudem noch ein Lehensgut in Vergatreute (Bergatreute) und ab 1692 ein zweites in Osterhofen.

Die Heiligenpflege muss also in dieser Zeit sehr vermögend gewesen sein. Das geht auch aus den vorhandenen Heilgenrechnungen von 1588 bis 1621 hervor. Teilweise konnten in dieser Zeit bis zu 20 Antragsteller mit Krediten versorgt werden. Sogar an die in Notdurft geratene Mutterkirche Haisterkirch konnte im Jahre 1607 der Betrag von 350 Gulden unverzinslich ausgeliehen werden. Interessant ist die Tatsache, dass aus dem damals schon im Besitz der Heiligenpflege befindliche Stiftungswald weder Einnahmen noch Ausgaben verzeichnet sind. Vielleicht ist dies so, weil nach der kostenlosen Holzbelieferung von Pfarrer, Mesner und Widdumhof nichts mehr übrigblieb. Hinzu kam, dass die erworbenen Lehenshöfe baulich in Stand gehalten werden mussten.

Krise nach dem 30-jährigen Krieg

Nachdem 1632 noch ein weiteres Lehensgut in Hankels (bei Vogt) erworben werden konnte, gingen die Einnahmen gegen Ende des 30-jährigen Krieges merklich zurück. Die Folgen des Krieges und natürlich der Pest waren unübersehbar. Die meisten Lehenshöfe lagen öd (sie wurden nicht mehr bewirtschaftet). Ganze Ortschaften waren verwaist und die Gebäude durch Brände zerstört. Es dauerte 50 bis 70 Jahre bis die Normalität wieder eingekehrt war. Zuwanderer aus Tirol, Vorarlberg und der Schweiz füllten nach und nach die Lücken (Familiennahmen wie Madlener, Walser, Duelli, usw. deuten auf die damalige Zuwanderungen hin).

 

Für kurze Zeit gab es sogar Schulden

Finanziell am schlechtesten stand die Heiligenpflege aber erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Mit hohem Aufwand wurde damals ein neues Mesnerhaus erstellt und darin die Schulstube eingerichtet. Erstmals in ihrer Geschichte hatte die Heiligenpflege damals Schulden. Schon im Jahre 1802 besaß die Heiligenpflege dann wieder eigenes Kapitalvermögen. Nach der Säkularisation (Enteignung kirchlicher und klösterlicher Güter an Überführung derselben an weltliche Herrschaften) im Jahre 1803 behielt die Heiligenpflege die auf dem Vermögen ruhenden Verpflichtungen der Baulast an Kirche, Mesnerhaus und Kirchenmauer.

In den Jahren 1849 bis 1853 kam dann das Ende der Lehensherrschaften. Laut dem so genannten „Gefällablösungsgesetz" konnte und musste sowohl die Zehnten als auch die Lehensverträge abgelöst werden. Der Preis war in etwa das 16-fache der bisher jährlichen Abgaben. Die Abgabepflichtigen erhielten die Möglichkeit, dies in 25 Jahresraten zu begleichen.

Zum Zeitpunkt der Ablösung befanden sich noch neun Lehen im Besitz der Kirchengemeinde (3 in Hankels, 2 in Osterhofen, 1 in Gwigg, 1 in Mennisweiler, 1 in Ehrenberg und 1 in Zwings/Haid). Die Ablösungsurkunden befinden sich im Pfarrarchiv in Molpertshaus.

Heute noch 11 Hektar Waldbesitz

Heute, nach mehr als 150 Jahren, besitzt die Kirchengemeinde noch den Stiftungswald mit etwa elf Hektar, die früher zum Mesneranwesen gehörigen Güter in Molpertshaus und Mennisweiler und zwei Äcker, die früher zur Kapellenpflege Furt gehörten.

Vielleicht hat dieser Streifzug durch die Geschichte der Heiligenpflege, der Heiligenfabrik und der Kirchenpflege (wie auch immer die Verwaltung genannt werden sollte) gezeigt, dass hier über 500 Jahre stets Leute am Werk waren, die sich bemühten, kirchliches Vermögen verantwortungsbewusst zu verwalten und zu mehren. Von Jacob Gresser und Paul Gerung bis zu den Verantwortlichen in der heutigen Zeit waren alle bestrebt, die kleine Pfarrei finanziell unabhängig zu verwalten und das ist ihnen trotz Inflation und Geldentwertung gelungen. Diese Leistung zeichnet oftmals gerade kleine Gemeinden aus, denn auch in der heutigen zeit müssen die teilweise sehr alten kirchlichen Gebäude mit hohem Aufwand unterhalten und erhalten werden.

Löschwesen und Feuerwehr in Mennisweiler

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Feuerwehr Bad Waldsee wurde viel und oft in den vergangenen Monaten über die Feuerwehr der Stadt und ihrer Ortschaften und Teilorte berichtet. Anlass dazu war unter anderem auch der Umzug in das neu erbaute Feuerwehrgerätehaus sowie der Kreisfeuerwehrtag im Juni 2009 in Bad Waldsee.

In diesem Lindenblatt wollen wir aber nun versuchen, einiges aus der Vergangenheit über das Löschwesen in Mennisweiler zu berichten.

Ottmar Oberhofer, der frühere Bürgermeister und spätere Ortsvorsteher von Mittelurbach hat 1982 anlässlich der Feier zum 150-jährigen Jubiläum der Löschmannschaft Urbach einen erstaunlich detaillierten Bericht über den Werdegang der Feuerwehr Unter- bzw. Mittelurbach veröffentlicht. Darin war auch einiges Wissenswertes über die Feuerwehr Mennisweiler zu lesen.

Um es ganz deutlich zu sagen: die Feuerwehr Mennisweiler war immer ein Bestandteil der Urbacher Wehr, ob sie nun Rottenmannschaft, Spritzenmannschaft, Löschzug oder Löschgruppe genannt wurde.

Im Jahre 1812 wurde Mennisweiler ebenso wie Urbach aus der Oberschultheißerei Steinach herausgelöst und bildete nunmehr zusammen mit Volkertshaus, Wolpertsheim, Seeden und Oberurbach die neue Gemeinde Unterurbach. Michael Bendel (Hof Schädler) war nun Unterschultheiß von Mennisweiler. Von einem Löschwesen ist

aber zu diesem Zeitpunkt weder in Urbach noch in Mennisweiler die Rede. Man muss bedenken, dass zur damaligen Zeit die Brandgefahr äußerst hoch war. Es gab fast nur strohbedeckte Häuser und das Licht kam von der Öllampe oder von einer Kerze. So war es nicht verwunderlich, dass oftmals halbe Dörfer einem ausgebrochenen Brand zum Opfer fielen.

Hinweise auf das Vorhandensein einer Urbacher Löschmannschaft gibt es im Gemeinderatsprotkoll aus dem Jahre 1832. Ob an dieser Löschmannschaft auch Mennisweiler beteiligt war, ist heute nicht mehr festzustellen. Eine erste namentliche Mannschaftsliste gibt es erst 50 Jahre später. Im Jahre 1882 wurde diese als Rottenmannschaft bezeichnet. Zu dieser Mannschaft gehörten 15 Personen, die im Folgenden genannt werden (in Klammern stehen die jetzigen Besitzer der Häuser): Gruppenführer Josef Neyer, Rechenmacher (Konrad Liebrich), zur Mannschaft gehörten schließlich Peter Paul Rist, Landwirt (Alfred Harsch), Pius Kessler, Landwirt (Karl Herzog), Alois Detzel, Bauer (Hof Schädler), Alois Neyer, Landwirt und Schmied (Hermann Neyer), Lorenz Neyer, Wagner und Landwirt (Hubert Maucher), Josef Fässler, Landwirt und Wirt (Siegfried Detzel), Franz-Xaver Härle, Bauer und Ziegler (Bruno Schmid), Andreas Neyer, Landwirt und Wirt (Wirtschaft), Anton Fehr, Landwirt und Holzfäller (Reinhold Fehr), Alois Musch, Landwirt (Rudolf Schuhmacher), Baptist Mayerhofer, Landwirt und Schreiner (Franz Miller), Georg Bendel, Landwirt, später Schultheiß (Adalbert Oberhofer), Josef Heiß, Bauer (Hof Brunner), Josef Wassmer, Bauer (Erwin Graf).

Diese Rottenmannschaft war laut Feuerwehrgesetz von 1849 bis 1876 auch zum Einsatz in anderen Gemeinden verpflichtet. Das Gesetz regelte auch den Brandalarm, z. B. durch Sturmläuten in Kirchen und Kapellen sowie „Herumsagen" von bestimmten Personen. Die oben erwähnte Rottenmannschaft bestand im Sicherheit auch schon im Jahre 1874 als insgesamt 4 Höfe abbrannten, nämlich der Hof Norbert Ruf (heute Gerhard Ruf) am 21. September, der Hof Andreas Wiest (Paul Sonntag) am 18. Oktober, Anton Fehr (Reinhold Fehr) am 1. November 1874 und Lorenz Wassmer (Rudolf Schuhmacher) am 4. Oktober 1874. Weitere Großbrände in Mennisweiler sind aus folgenden Jahren überliefert: 1878 Pius Härle (Bruno Schmid), 1879 Andreas Neyer (Wirtschaft), 1882 Josef Heiß (Hof Brunner), 1882 Josef Wassmer (Erwin Graf), 1914 Alois Weber (Brunner), 1927 Ferdinand Schad (Maria Schad), 1956 Max Rist (Peter Rist).

Meist galt es für die Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbargebäude zu verhindern. Ihren Höhepunkt in Bezug auf die Mannschaftsstärke erreichte die Wehr von Urbach und Mennisweiler im Jahre 1894. Damals waren 114 Mann zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Sie hatten folgende Einsatzbestimmungen: Abteilung Steiger (19 Mann), Abteilung Spritzenmannschaft (17 Mann), Abteilung Ablösung (17 Mann), Abteilung Wasserträger (25 Mann), Abteilung Flüchtungsmannschaft und Budelfänger (Kälber einfangen) (11 Mann), Abteilung Feuerboten (5 Mann), Abteilung Feuerreiter (6 Mann), Abteilung Fackelträger (2 Mann), Abteilung Sturmleute (3 Mann), Abteilung Wasserführer (6 Mann), Abteilung Bachschweller (3 Mann).

Obwohl in Mennisweiler bereits im Jahre 1921 das elektrische Licht seinen Einzug nahm und somit die Brandgefahr wesentlich gemindert war, besaß das Löschwesen weiterhin einen hohen Stellenwert. Im Jahre 1932 bildeten die Mennisweiler mit 29 Mann den 6. Zug der

Urbacher Wehr. Zugführer war Bernhard Deiss, der den ab 1919 amtierenden Josef Oberhofer ablöste. Zur Spritzenmannschaft zählt damals schon ein Elektriker. Er musste bei einem Brandfall auf die Masten klettern und die Leitung abtrennen. Zur Mannschaft gehörte auch ein Hornist, dessen Auftrag es war, im Ernstfall und bei Proben mit dem Feuerwehrhorn (vergleichbar einer Trompete ohne Ventile) durch das Dorf zu laufen und das Feuersignal zu blasen.

Während des Zweiten Weltkriegs war die Wehr fast völlig aufgelöst. Gott sei Dank gab es in dieser Zeit keine größeren Brände.

Im Jahre 1951 wurde die Löschgruppe Mennisweiler wieder neu aufgestellt. Ausgestattet mit der alten Spritze von Mittelurbach traten folgende Mannen ihren Dienst an: Ernst Fehr, Josef Detzel, Fritz Welte, Adelbert Oberhofer, Josef Deiss, Hans Mayerhofer, Alfred Maucher, Karl Brunner, Alois Bareth und Edwin Ruf. Leider lebt von dieser Löschgruppe heute nur noch Alois Bareth.

Im Jahre 1956 bekam der Ort Mennisweiler eine neue Wasserversorgung. Damit war endlich bei Proben und im Ernstfall die ausreichende Wasserversorgung gewährleistet. Die Entnahme erfolgte nun über Unterflurhydranten. Als im Jahre 1973 die Feuerwehrabteilung Mittelurbach ein Tragkraftspritzenfahrzeug TSF 8 erhielt, wurde der alte Hänger mit der TS 4 der Löschgruppe Mennisweiler zugeteilt. Hinzu kam ein neu erbautes, schmuckes Feuerwehrhaus. Größere Brände gab es in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Kleinere Einsätze waren im Sägewerk Koch, im Schweinstall Koch, in der Schreinerei Schuhmacher und im Hofraum Ermler. Die Tätigkeit der Löschgruppe beschränkte sich in diesen Jahren nur auf die fast jährlich wiederkehrenden Heustockerhitzungen, die Unterstützung der Urbacher Wehr bei einigen Bränden, die monatlich abgehaltenen Proben und die traditionell am Kirchweihmontag im Oktober abgehaltene Hauptübung.

Leider wurde die Löschgruppe Mennisweiler im Jahre 1996 aufgelöst und der Feuerwehrabteilung Mittelurbach zugeordnet. Bis zuletzt waren folgende Mitglieder in der Mennisweiler Löschgruppe: Gruppenführer Rudolf Schuhmacher, Maschinist Konrad Kübler, Siegfried Maucher, Bruno Schmid, Peter Gnannt, Gerhard Ruf, Robert Schad und Hubert Herzog.

Abschließend seien noch die Gruppenführer der Mennisweiler Feuerwehr genannt, soweit diese bekannt sind: Josef Neyer (1874 bis 1900?), Josef Oberhofer (1919 bis 1932), Bernhard Deiss (1932 bis 1946), Ernst Fehr (1951 bis 1960?), Josef Deiss (1960 bis 1972) und Rudolf Schuhmacher (1972 bis 1996).

Siechenpflege in Mennisweiler schon im Jahre 1199 erwähnt

Dass es die Ortschaft Mennisweiler schon sehr lange gibt, dürfte bekannt sein, dass es aber schon vor 800 Jahren so etwas wie eine Krankenversorgung in Mennisweiler gegeben hat, konnte jetzt Rudolf Schuhmacher im Stadtarchiv von Bad Waldsee sehen. Laut Aufschrieb in besagtem Stadtarchiv gab es bereits von 119 bis 1206 eine Siechenpflege in Mennisweiler (Stadtarchiv, Seite 98). Eine solche wird auch im Jahre 1357 erwähnt, wo es heißt, dass ein Johann Bagg von Mennisweiler den Siechen sein halbes Gut verkauft.

Spital Waldsee hatte in Mennisweiler Besitzungen

Ebenfalls im Stadtarchiv Waldsee konnte Rudolf Schuhmacher nachlesen, dass auch das Spital Waldsee Höfe in Mennisweiler besaß. Im Jahre 1695 wurde unter der Nummer 869 folgender Eintrag vermerkt: Verkauf des Spitals Waldsee an das Kloster Roth: Drei Höfe zu Mennisweiler mit je 4 Rossbau (ca. 100 Morgen): Hof Hans Häckler (heute Hof Albert Koch), Hof Andreas Vonier (heute Hof Brunner), Hof Matthias Gnädig (Hof Schädler).

Der Krieg Frankreich gegen Österreich (1796) hinterließ auch hier seine Spuren

In der Chronik der Kirchengemeinde Molpertshaus gibt es auch einen Eintrag zum Krieg zwischen Frankreich und Österreich, der auch in unserer Gegend seine Spuren hinterließ.

Im Jahre 1796 herrschte Krieg zwischen Frankreich und Österreich. War der Durchmarsch der Österreicher nach dem Elsaß fast ohne Zwischenfälle vonstatten gegangen, so war der Rückzug nach einer verheerenden Niederlage der Österreicher ein Chaos. Die Franzosen folgten ihren Feinden und schlugen auf der Haid ein großes Heerlager auf.

Die Menschen in unserer Gegend erhofften sich von den Franzosen Gleichheit und Freiheit, doch sie wurden bitter enttäuscht. Raub, Plünderung, Misshandlung, unerhörte Schändungen und Gelderpressungen waren die Parolen der Franzosen. Auch Einquartierungen der wilden Horden mussten ertragen werden. Pfarrer Stefan Wiest schreibt: „Was man da erdulden musste, lässt sich nicht beschreiben" und weiter: „Das Dorf Molpertshaus war noch glücklich daran, wenn man an Mennisweiler denkt, das nach Aussage selbst der Franzosen total ausgeplündert wurde. Frondienste der Bauern mit ihren Fuhrwerken mussten bis in weit gelegene Gebiete verrichtet werden." Gott sei Dank hatte die Belagerung nach einiger Zeit ein Ende, denn die landhungrigen Krieger wollten ganz Österreich erobern. Doch schon bei München erlitten sie gegen die österreichischen Truppen unter Erzherzog Karl eine vernichtende Niederlage. Der Rückzug der geschlagenen Franzosen erfolgte für unsere Gegend dann glimpflich, denn sie wurden von den nachrückenden Österreichern verfolgt. „So endete das unglückliche und schaudervolle Jahre 1796", schreibt Pfarrer Wiest.

Die folgenden Jahre waren etwas ruhiger. Trotzdem gab es hin und wieder Durchmärsche der Österreicher, bei denen man Fahrdienste leisten musste. Doch schon im Jahre 1800 besetzen die Franzosen wieder unsere Gegend. Erneut litt unsere Pfarrei enorm unter den gewaltbereiten Franzosen, aber bald zogen sie weiter. Nach der vernichtenden Niederlage der österreichischen und deutschen Truppen erfolgten Waffenstillstandsverhandlungen, an deren Ende die Säkularisation, also die Auflösung der Klöster, stand. Der Besitz des Klosters Roth fiel an den Grafen Warthenberg-Roth und somit auch die kirchlichen Güter von Molpertshaus.

Altarbild mit dem Heiligen Eligius hätte eigentlich beseitigt werden sollen…

Immer wieder gibt es in der Chronik oder in Protokollen des Kirchenstiftungsrates der Pfarrei Molpertshaus Interessantes nachzulesen. Dabei kann auch schon mal deutlich werden, dass der Gehorsam gegenüber der Obrigkeit manchmal auch etwas nachlässig blieb.

So ist ein Schreiben vom 10. September 1833 von Dekan Kistler an Pfarrer Haupt von Molpertshaus genannt, wo es wie folgt heißt: „Schon im Bischöflichen Rezess vom 11. März 1825 über vorhin stattgehabte Kirchenvisitation heißt es wörtlich: Das in der Kirche neu gesetzte Bildnis des Heiligen Eligius ist als verunstaltet zu beseitigen. Dies ist aber bis zur Kirchenvisitation im Jahre 1827 nicht geschehen, obwohl es damals streng aufgetragen wurde. Diese Gemälde sollte ganz beseitigt oder die Verunstaltung mit dem angeblich wunderbaren Rossfuß vom Heiligen Bischof Eligius ausgemerzt werden, weil solche Angaben von Wunderkuren nur zum Aberglauben führen. Es fragt sich demnach, ob die anbefohlene Ausbesserung des Gemäldes ober aber was noch gescheiter wäre, die Beseitigung desselben seit letzter Kirchenrenovation geschehen sei?"

Offensichtlich geschah dieses nicht. Das Schreiben stammt – wie gesagt – aus dem Jahre 1833. Heute, im Jahre 2009, also nach 176 Jahren, ziert das Eligiusbild noch immer die Kirche in Molpertshaus und zwar ohne dass dieses, wie im obigen Schreiben befohlen, verändert wurde. Das Bild war früher in der ehemaligen Eligiuskapelle in Mennisweiler. Diese Kapelle wurde im Jahre 1724 neu erbaut und 1820/21 abgerissen. Der Standort war die heutige Kiesgrube nach der Kreuzung in Richtung Molpertshaus.

Streit zwischen einem Lehensträger von Molpertshaus und dem Kloster Rot

In der Chronik von Pfarrer Adolf Heinzmann ist unter der Überschrift „Die alte Kirche mit den 4 Chorfenstern" folgendes zu lesen: Mit den Schwierigkeiten wollte es kein Ende nehmen. Sitzungen wurden nicht mehr gehalten. Allmählich graute es den Herren vom Kirchenstiftungsrat vor den Kosten. Die elektrischen Leitungen kamen unter Verputz und wegen der Fensterheizung mussten tagelang die Kompress-Bohrer tiefe Gräben in die Mauern bohren. Ebenso wurde mit Kompressoren der Boden aufgerissen. Die Kirche glich einem Steinbruch. Ein schreckliches Bild. An einigen Sonntagen wurde der Gottesdienst im Pfarrhof gehalten, wobei der Altar im Gang vis-a-vis der Schule aufgestellt war. Endrich Bachau verlangte die Entfernung der Kanzel und nur 1 Nebenaltar, während Heck?, der Herr vom Denkmalamt, die Beibehaltung der Barockkanzel verlangte. Endrich forderte weiterhin das Zumauern der Nischen an den Seitenaltären. Der Ortspfarrer war gegen die Aufstellung eines Ambo, der Kanzel statt. Der Bogen zur Beichtkapelle war zu plump und wurde mit einem Pfeiler aufgegliedert. Der Chorbogen bekam eine Verkleidung.

Nachfolgend das Gedicht zur Kirchenrenovation in Molpertshaus. In diesem Gedicht wird immer wieder auch hurmorvoll auf einige Mennisweiler verwiesen, die seinerzeit mit dabei waren.

 

Mit 200 Hopfenstangen - So hat’s bei uns angefangen.

Firma Helmut Ruf und Josef Liebrich, beide ledich und das Heiren noch nicht nötig

haben stramm in jungen Jahren die vielen Stangen angefahren.

Ohne Groll und Fluchen, ziemlich lieblich, darum Dank der Firma Ruf und Liebrich!

Dann kam ein Gipser-Trio schnell herbei, rauchte eine Zuban in der Sakristei,

dass die blauen Wolken stiegen sehr, man brauchte schier die Feuerwehr.

Die Gipser meinten, soll das Werk recht wohl gelingen, muss man dem Herrn ein gerauchtes Opfer bringen.

Drauf spuckten sie, wie sie so sent, drei Mal kräfitg in die Händ.

Also ist den Herrn in weißen Hosen ein Rutschen direkt ausgeschlossen.

Man staunt! Die Gipser halten Wort, die Stangenarbeit schreitet fort,

denn der Roman ist ein guter Christ, in drei Tagen steht das Kirchengerüst.

Doch 200 Stangen hatten nicht die Ehr, man braucht‘ nur 30 ungefähr.

Der Meister Kugel schiebt die Händ in Sack und lacht die erste Dummheit wäre nun gemacht!

Die Frage dann: Wie soll man renovieren, ohne einen Feuerbrand zu schüren,

plagte wochenlang die hohen Herren, rum und num, hischt und hott, es ist zum Scherren.

Ständig sagt der Keller unverlegen: „Meine Herrn, ich bin dagegen."

Dem Herrn Kalbhenn stehn fürwahr zu hohen Bergen seine Künstlerhaar.

Seinen Ärger muss er ohne Blutvergießen beim obern Wirt mit Schnaps begießen.

Die Rechnung stellt der Huge, ‚s isch fatal, dem verblüfften Pfarrhaus all Quartal.

Bei den Schnäpsen steht auch Bier und Wein. Noch nichts bezahlt, man könnte schrei’n!

Restaurator Kalbhenn steht am Telefon, spricht mit seiner Frau und seinem lieben Sohn:

„Ich kann dir versichern, meine gute Frau, ich schaff toujours, mach niemals blau.

Seit drei Wochen schon kein Bier gesehn, der Pfarrer lässt mich nicht ins Wirtshaus gehen.

Etwas muss man machen mit den alten Kirchensachen.

Darin stimmen alle überein, soll ein schönes Werk gedeihn

. Im August, die Maurer kommen mit dem Kübel, da beginnt, o je, ein neues Übel!

Meister Gnannt und Anton Scheich sehn einander wenig gleich,

 jetzt doch mit vereinten Kräften taten sie den Hammer an die Chrowand setzen.

Staub und Dreck – ein Klopfen und ein Krachen auf ein Jahrzehnt vergeht das Lachen.

Jetzt gab’s – man ahnt es schon - eine wahre Pfarr-Revolution.

Wer kommt, der schimpft, ein jeder, was er will, denn Schimpfen ist ein grand Ventil.

In der Kirch liegt alles quer und krumm und der Beyrle kratzt no an der Kanzel rum. Doch, am Besten läuft das Räsonieren bei Härle und bei Farny-Bieren.

 Fidelio, Festbier, Weizenbock, pure Medizin für Nervenschock. Sagt da einer ganz verdruckt: „Wiese, hoscht au schau en Kirchastall nei guckt?"

„Kerle, moinsch i sei wie du so mend, was dia do machet, ischt doch mir egal,

i stand ja doch bloß henta ins Portal."

Dr Nochber seit: „Wo hantse auch dia Stuatue na, do sot ma flucha, was ma ka.

Ischt dös net a Sacrilegium, überm Tabernakel steiget Henna rom.

Es seit der Paule: Dös got doch di nex a, mir isch bloß um den Sebastia.

Der Metzger Maier: Ja, dös isch wahrlich letzt, aber was kasch macha? So isch eba jetzt!

I woiß gwiss, dös Deng got henta hot, Der Pfarr macht alle uns bankrott.

Und im Bräuhaus spricht der Frieder zur Diskussion so hin und wieder:

Dös sind doch, ihr Herra, koine Sacha! Lasst ihn halt a Weile macha.

In so oiner Kirch, dös kommt mir niemals vor, i heirat erscht im nächsta Johr.

Vor dem Bräuhaus stehet ein Rekord, sein Besitzer meldet sich zum Wort.

Allgemein ist man zufrieden sehr, man richtet Schul und Friedhof her.

Meine Herren, sagt er, dös koscht Geld, an Bolla wenn’s vergrot, soll ihn der Teifel holla!

Der Boffenmaier moint, er hot 3 Fläschle glupft, dia Katharina hot er au no runtergstupft.

Der Hermann hat sonst wenig Durscht, dös Renoviera ist ihm ziemlich wurscht.

Er denkt versonna vor sich hin, isch weit weg, dös hot koin Sinn.

Wenn der Pfarr macht droba pleite, gang i halt nach Bergatreite.

In langen Schritten kommt zum Bräuhaus hin von Engetweiler auch der Fridolin.

Eine Zigarr raucht er, gut aufgelegt, und nur sonst ein wenig aufgeregt,

wenn die Herren Söhne auch daneben, für Benzin und Touren Geld ausgeben.

Zu dem Streit im Wirtshaus sagt er nur derzua, der Pfarrer isch nex, der lässt uns nicht in Ruah.

In der Kirche rücken trotzdem an Flaschner, Schreiner, Schlosser, Elektromann.

 Dr Beyerle hat 15 Mal die Kirch verspritzt, die Putzerinnen haben 15 Mal das Hemd verschwitzt.

Immer wieder Dreck von oben. Ach, die Bretter! Oft gab es ein heiligs Donnerwetter.

Aber alles nimmt ein End hinieden und der Geldsack ist gar sehr verschieden.

Leer ischt jetzt das Kirchenportmanne, wer’s nicht glaubt, der komm und seh!

Es fehlt noch für den Kirchensaal ein schöner Schmuck, für Wiese das Portal.

Heute Abend noch der Würfel fällt und Molpertshaus besitzt die schönste Kirch der Welt.

 

Hof Georg Sonntag in Oberurbach

Schon im Lindenblatt Nummer 1 haben wir das Wappen der Familie Sonntag in Oberurbach angesprochen. Heute wollen wir ausführlich über Hof und Geschlecht dieser „Sonntags" berichten, denn sie sind mit Sicherheit die nachweisbar am längsten angesiedelte Familie in der Pfarrgemeinde Molpertshaus.

In einem Rodel, der sich im Stadtarchiv Bad Waldsee befindet, wird bereits 1480 von einem Jacob und einer Catharina Sonntag aus Oberurbach berichtet. Weiter ist in dem vorhandenen Familienwappen zu lesen, dass der Hof Sonntag früher ein österreichischer Lehnshof war. Diese Besitzform geht zurück bis in das Jahr 1528. Der letzt Belehnte Johann Georg nennt sich 1741 „von Sontag".

Allerdings muss bezweifelt werden ob er den Hof selber bewirtschaftet hat, denn er war „Gräflich Königseggscher Rat und Oberamtmann zu Aulendorf". Vermutlich war es sein Bruder Josef, der den Hof betrieb. Jedenfalls gründete dieser Johann Georg „von Sontag" zusammen mit seiner Ehefrau, geborene Brugger im Jahre 1752 eine Stiftung. Diese Stiftung sah vor, mit dem Zins aus dem Kapital von 1000 Gulden alle „Sontag’schen" und „Brugger’schen" Knaben bis in die vierte Generation als Stipendium zum Studieren zu unterstützen. Weitere 1000 Gulden wurden dazu verwendet, armen und hilfsbedürftigen Brüder- und Schwesterkindern beizustehen. Dies galt ebenfalls bis in die vierte Generation. Weitere Vermächtnisse betrafen die Gemeinde Immenstaad am Bodensee, wo das kinderlose Ehepaar später lebt.

Trotz des Anreizes, Unterstützung zu erhalten, geriet die Stiftung in Vergessenheit. Erst 1856, also 100 Jahre danach, erfolgte ein Aufruf des Oberamtsgerichtes im Waldseer Wochenblatt. Namentlich gesucht wurden alle Nachkommen der Brüder und Schwestern des damaligen Stiftungsgründers.

In diesem Zusammenhang wird auch der Name Elisabeth Sonntag genannt. Elisabeth Sonntag, geboren in Oberurbach, war mit Johann Michael Bendel vom Bräuhaus Rossberg verheiratet. Bendel starb 1713. Die Witwe heiratete 1715 Bernhard Röhling aus Heimertingen. Doch schon vier Jahre später, am 28. Februar 1719, starb auch sie. Die Namen und Daten von Elisabeth Sonntag und ihrem ersten Ehemann Johann Michael Bendel, sowie dessen Eltern Georg Bendel und Anna Maria Muschgayin sind auf der steinernen Gedenktafel auf der rechten Seite in der Kirche Molpertshaus verewigt. Allerdings sind hier einige Daten durcheinander geraten, denn laut Sterberegister von Haisterkirch starb Elisabeth Sonntag nicht am 30. Märzen 1714f, sondern wie vorher erwähnt, am 28. Februar 1719.

Nun aber zurück zum Hof in Oberurbach. Die Hofstelle befand sich bis zum Jahre 1878 unterhalb des heutigen Anwesen Weierberger. Unklar bleiben die Besitzverhältnisse bzw. Bewirtschafter von 1750 bis 1782. Es kann heute nicht mehr festgestellt werden, ob der Hof nach Beendigung der Österreichischen Lehensherrschaft freigekauft werden konnte, oder ob es eine neue Lehensherrschaft gab. Erschwert wird die Suche nach Namen und Fakten auch dadurch, weil Oberurbach bis zum Jahre 1810 zur Stadtpfarrei Waldsee gehörte. Jedenfalls gab es 1782 einen Knick in der direkten Linie, denn Johann Georg, ein Neffe des „von Sontag" aus Osterhofen übernahm den Hof.

Es folgte sein Sohn Josef Anton (1819 bis 1842). Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss der Hof im Besitz der Familie gewesen sein. Dessen Sohn Alois kaufte 1868 von Alois Bott, der nach Weitprechts zog, das heutige Anwesen Weierberger (wurde 1882 wieder verkauft). Alois starb 1873 im Alter von 52 Jahren. Nachfolger wurde 1877 sein Sohn Johann Georg. Nur ein Jahr nach seiner Übernahme zerstörte ein Blitz das gesamte Anwesen. Er baute nun den Hof an anderer Stelle wieder auf (heutiger Standort). Doch schon wenige Jahre danach (1885) fiel der neue Hof erneut den Flammen zum Opfer. Ein minderjähriges Dienstmädchen hatte den Brand gelegt. Sie wurde später zu 2 ½ Jahren Jugendstrafe verurteilt. Nach dem Tod von Johann Georg im Kriegsjahr 1917 übernahm 1921 der jüngste Sohn von 12 Kindern mit Namen Alfred den Hof. Er führte den Hof über Inflation und den Zweiten Weltkrieg bis 1961. Danach trat sein Sohn Georg in seine Fußstapfen. Nachdem 1976 Scheuer und Stallgebäude erneut einem Brand zum Opfer fielen, wurde die Hofstelle neu erbaut. Georg war noch vielen von uns als engagierter Blutreiter bekannt. Er starb im Jahre 2004.

Heute, in einer Zeit, in der ein Strukturwandel die Landwirtschaft völlig umgekrempelt hat, in einer Zeit, in der sogar große Betriebe um ihre Existenz bangen, führt Georg jun. den stattlichen Hof in veränderter Form weiter. Das „von" im Namen ist längst abhanden gekommen. Was uns auffällt bei den Sonntags von Oberurbach ist die Tatsache, dass fast immer die selben Vornamen verwendet wurden. Johann Georg, Josef Anton und Georg. Ausnahmen wie Alois und Alfred bestätigen die Regel.

Woher der Hofname „Schwalt" kommt, haben wir leider nicht herausgefunden. Vielleicht kann uns jemand weiterhelfen.

Die Begünstigten der „Sontag’schen Stiftung" sind übrigens alle namentlich in der Chronik in der Kirchengemeinde Molpertshaus aufgeführt.

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